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Hilfe für Vierbeiner:Gymnastik für Hunde

Physiotherapie für Hunde

Hartmann hat selbst drei Hunde. Lazlo (re.) kam aus einer Tötungsanstalt in Ungarn zu ihr. Mit Janosch (li.) versteht er sich heute gut.

(Foto: Jørgensen)

Verspannungen und Muskelschmerzen haben auch Tiere. Petra-Diana Hartmann hilft mit Physiotherapie, auch wenn manche Ärzte das Quatsch finden

Spätestens ein paar Sekunden, nachdem man Petra-Diana Hartmanns Haus betreten hat, weiß man: Hier ist eine Frau am Werk, die nicht nur Hunde liebt, sondern auch Ahnung von ihnen hat. An den Wänden hängen Poster zu Skelett und Muskelaufbau, in den Regalen stapeln sich Fachbücher, über dem Tisch am Eingang kleben Fotos und Karten. "Tausend Dank, die Massage hat so gut getan", steht neben dem Bild von einem Bullterrier. Hartmann ist Physiotherapeutin für Hunde. 2009 hat die gelernte Tierarzthelferin mit Zusatzausbildung ihre Praxis in Dachau eröffnet. Mit ihren Patienten macht sie Laufbandübungen, trainiert mit Gymnastikball, Trampolin und Wackelbrett, übt mit Cavaletti-Stangen und lässt sie bei der Magnetfeldtherapie und Massagen entspannen.

SZ: Warum brauchen Hunde eine Physiotherapie?

Petra-Diana Hartmann: Fehlbelastungen gibt es bei Hunden genauso wie bei Menschen. Bei Gelenkverletzungen versuche ich, die Beweglichkeit wieder herzustellen oder das bestehende Ausmaß zu erhalten. Ich löse auch Muskelverhärtungen und Verklebungen der Sehnen. Solche Blessuren schränken Bewegungsfreiheit und Lebensqualität ein. Warum muss der Hund, nur weil er ein Hund ist, Schmerzen aushalten? Wir wollen doch auch nicht die ganze Zeit Kortison schlucken oder Schmerzmittel nehmen. Ich habe aber auch Kunden, die ihren Hund regelmäßig zur Massage bringen, weil es ihm einfach gut tut.

Mit welchen Anliegen kommen die Leute noch zu Ihnen?

Manche sagen, ihr Hund würde humpeln, aber der Tierarzt hätte nichts gefunden. Manchmal ist der Hund so alt, dass ihre Besitzer ihn nicht mehr operieren lassen wollen. Andere können sich keine OP leisten, die kostet immerhin zwischen 800 und 1500 Euro. Wieder andere bringen ihren Hund nach einer OP, wie das bei Menschen auch üblich ist. Viele werden von den Tierärzten zu mir überwiesen.

Also arbeiten Sie zusammen.

Ja, eng. Wir halten zum Beispiel Rücksprache darüber, wann mit der Physiotherapie begonnen werden sollte. Ich muss mich auch einigermaßen auskennen, was ihre Operationsmethoden angeht, ich muss ja entsprechend reagieren. Ich habe 25 Jahre als Tierarzthelferin gearbeitet, daher kenne ich die Grundlagen. Es gibt aber auch Tierärzte, die der Hundephysiotherapie gegenüber kritisch sind. Die halten sie wohl für neumodisches, unnötiges Zeug.

Wie ist das unter Hundebesitzern?

Viele Leute wissen gar nicht, dass es Hundephysiotherapie gibt und dass sie wirklich hilft. Beim Menschen ist es ganz selbstverständlich, dass er zur Physiotherapie geht, aber beim Hund nicht. Dabei sind sie doch mehr als Haustiere, sie sind Partner, Freunde, Familienmitglieder.

Gibt es eigentlich eine Krankenversicherung für Hunde?

Ja. Manche gelten nur für Hunde bis maximal fünf Jahre, andere Versicherer zahlen nur OP-Kosten, manche Zusatzversicherungen beinhalten auch die Physiotherapie. Allerdings sind viele Hundehalter nicht bereit, das Geld zu investieren.

Warum haben Sie von Tierarzthelferin auf Hundephysiotherapeutin umgesattelt?

Alles begann, als ich 1999 mit meiner Hündin Paula zur Rettungshundestaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds ging. Dort wurde sie zum Flächen- und Trümmersuchhund ausgebildet. Sie ist jahrelang Einsätze gelaufen. Danach war sie immer müde und angespannt. Ich wusste nicht, ob sie nur erledigt war oder sich einen Muskel gezerrt hatte. Da habe ich angefangen, sie vorher aufzuwärmen, damit sie nicht von null auf hundert loslegt und sich womöglich verletzt. So habe ich begonnen, mich mit der Anatomie von Hunden zu beschäftigen.

Woran erkenne ich, dass mein Hund zur Physiotherapie muss?

Wer seinen Hund kennt, merkt, wenn ihm etwas weh tut. Manche quietschen, wenn sie eine bestimmte Bewegung machen, andere schlafen nur noch auf einer Seite oder lecken ständig an einem Gelenk. Im Normalfall geht man mit dem Tier aber zuerst zum Tierarzt.

Und wenn man danach zu Ihnen kommt, wo legen Sie an?

Ich schaue mir an, was der Hund kann: Welche Bewegungen sind für ihn möglich, was lässt er aus, kann er das Knie in der Kurve belasten oder vermeidet er das. Je nachdem muss er dann konditioniert werden. Es gibt auch wetterabhängige Verspannungen. Manchmal muss man einfach einen Hundemantel für Wärme anziehen.

Sie arbeiten mit Wackelbrett, Trampolin und Gummibällen. Das muss den Hunden doch etwas seltsam vorkommen.

Manche sind schon skeptisch. Vor allem, wenn sie nach einer OP kommen. Deshalb arbeite ich nicht mehr mit dem Tisch, das hat Tierarzt-Atmosphäre. Ich mache das Meiste am Boden. Ich bin ein Freund von Bewegungstherapie, denn ich arbeite gerne mit den Hunden zusammen. Wackelbrett und so weiter nehme ich beim ersten Mal noch gar nicht dazu. Da mache ich eine Kennenlern-Wohlfühl-Sitzung und versuche eine zehnminütige Rückenmassage. Manche schlafen ein, andere sind immer noch nervös. Wenn sie gerade eine OP hatten und ich das kranke Bein anfasse, denken Manche "Jetzt fasst die da auch noch hin." Die Besitzer sind immer dabei, und wenn es für sie in Ordnung ist, arbeite ich mit Leckerlis. Ich will, dass die Hunde beim nächsten Termin denken "Ach, die war eigentlich ganz nett, und Leckerlis gab's auch noch."