Helferkreis Asyl kämpft um Bleiberecht Bangen und warten

Die Arbeit in der Bäckerei machte ihm Spaß: Thomas Polz schaut Promise Ali zu, wie er Brot aus dem Ofen holt.

(Foto: Toni Heigl)

Der Flüchtling Promise Ali hat sich in Hebertshausen gut integriert. Jetzt soll er nach Bulgarien zurück, wo er erstmals Asyl beantragt hat.

Von Magdalena Hinterbrandner, Hebertshausen

Er hatte einfach zu viel Angst. Angst davor, dass die Polizisten ihn einfach mitnehmen und zurück nach Bulgarien schicken. Deshalb hat er sich nicht beim Landratsamt Dachau gemeldet. Promise Ali ist ein Flüchtling aus Nigeria. Er hatte in Dachau bei der Bäckerei Polz bereits Arbeit gefunden und spielt in einem Fußballverein im Landkreis. Er wohnt in einer Unterkunft im Schloss Deutenhofen in Hebertshausen, lernt Deutsch und möchte zur Schule gehen. Doch bleiben darf er trotzdem nicht.

Im Dezember vergangenen Jahres bekam Promise Ali den Bescheid, er sei ein "Dublin-Fall". Er müsse also zurück in das Land, in dem er nach seiner Flucht aus Nigeria zum ersten Mal Asyl beantragt hatte. In seinem Fall wäre das Bulgarien. Inzwischen arbeitete der Nigerianer schon für die Dachauer Bäckerei Polz, hatte sich ziemlich gut integriert und angefangen, Deutsch zu lernen. Die Vorstellung, zurück nach Bulgarien zu müssen, ist für ihn der blanke Horror. "Hunger, Polizei, Schläge", diese Begriffe kommen Promise Ali in den Sinn, wenn er an dieses Land denkt. Er gestikuliert, deutet mit seinen Händen an, wie er in Bulgarien geschlagen wurde. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Tatsächlich saß der junge Mann zwei Jahre lang in Bulgarien zusammen mit Schwerverbrechern in Haft, weil er aus seiner damaligen Unterkunft geflohen war. Nie wieder möchte Promise Ali zurück in dieses Land.

Doch Mitte März 2017 bekam sein damaliger Arbeitgeber eine Nachricht von der zentralen Ausländerbehörde. Promise Ali dürfe bei ihm nicht mehr arbeiten und müsse bis zum 31. März entlassen werden. Als Grund wurde das "Dublin-Verfahren" angegeben. Promise Ali war zuerst in Bulgarien, also müsse er auch dorthin wieder zurück. "Was will man da machen?", fragt Peter Barth, Koordinator vom Helferkreis Asyl in Hebertshausen. Er unterstützt Promise Ali, wo er nur kann. "Es gibt Länder, die nicht besonders flüchtlingsfreundlich sind, um es mal so zu formulieren. Selbst die Verwaltungsgerichte sagen, dorthin soll man die Menschen nicht mehr zurückschicken, weil sie dort unmenschlich behandelt werden." Doch trotzdem sei es schwer, für ein Bleiberecht von Promise Ali zu kämpfen. Selbst Michael Schiffmeyer von der zentralen Ausländerbehörde zeigt Verständnis dafür. "Es ist schade, aber Gesetz ist Gesetz."

Er träumt von einer Ausbildung in Deutschland

Anfang Juli bekam Promise Ali eine Ladung vom Dachauer Landratsamt. Doch der Flüchtling kam nicht, er hatte zu viel Angst. Ein paar Tage vorher kamen in der Nacht Polizisten in seine Unterkunft und suchten ihn, doch Promise Ali war nicht in seinem Zimmer. Er schlief außerhalb, und das Landratsamt hatte den Verdacht, Promise Ali sei untergetaucht. Doch er ist da und hat Angst davor, dass er sofort zurückgeschickt wird. Als Promise Ali erneut eine Ladung erhielt, wollte er mit Peter Barth ins Landratsamt kommen. Doch die Frist sei bereits abgelaufen, teilte das Landratsamt Peter Barth telefonisch mit. "Er ist schon abgemeldet." Abgemeldet - das bedeutet für Promise Ali, er muss zurück nach München in das Erstaufnahmelager. Die Nabelschnur zum Helferkreis Hebertshausen wäre abgeschnitten, in München hätte er keinen Ansprechpartner. Seine Kontakte zum Fußballverein, seine Freunde in der Unterkunft und seine frühere Arbeit wären weg.

Peter Barth hakte nach und fand heraus, dass Promise Ali noch immer in Hebertshausen gemeldet ist. "Das ist der aktuelle Stand", erklärt er. "Irgendwie wurde er doch nicht abgemeldet, aber keiner weiß warum und wie lange das noch so ist". Es gäbe Lösungswege, wie Promise Ali vielleicht doch in Deutschland bleiben könnte. Nach der sogenannten "Drei-plus-Zwei"- Regelung müsste er eine qualifizierte Ausbildung antreten und danach innerhalb von sechs Monaten eine Arbeit finden. Dann könnte er insgesamt fünf Jahre sicher in Deutschland bleiben. Voraussetzung dafür wäre, dass sein Asylverfahren in Deutschland abgewickelt wird. Doch da Bulgarien Promis Alis erstes Land war, in dem er Asyl beantragt hat, müsste er sechs Monate in Deutschland bleiben, ohne eine Rückreise anzutreten. Erst dann würde die Bundesregierung vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen und das Asylverfahren in Deutschland behandeln. Auch hier bleiben Fragen offen: Wann fangen diese sechs Monate an, in denen er keine Rückreise antreten müsste? Beginnen sie nach dem ersten Schreiben, dass Promise Ali nicht länger in Deutschland bleiben darf? Oder von dem Zeitpunkt an, zu dem Deutschland sich an Bulgarien wendet? "Wir kennen diesen Stichtag nicht", sagt Peter Barth. Wie er sagt, streiten selbst Juristen über diese Frage. "Aber die Chancen für Promise Ali, das zu schaffen, stehen bei Null. Wir müssen ehrlich sein und ich will ihm auch keine unnötigen Hoffnungen machen", sagt Peter Barth. Das einzige, was man nun tun könne, sei abwarten. "Ich kann nicht viel für ihn tun, aber ich will auf keinen Fall, dass er die Zeit, in der er noch hier ist, aus seinem vertrauten Umfeld gerissen wird und nach München in das Erstaufnahmelager muss. Wenigstens das möchte ich erreichen für ihn", sagt Barth.

Promise Ali sitzt auf einem Stuhl bei Peter Barth im Büro vom Helferkreis Asyl in Hebertshausen. Er bemüht sich, so viel wie möglich Deutsch zu sprechen und nicht sofort ins Englische zu wechseln. Er hat Angst davor, zurück nach Bulgarien zu müssen. Sein größter Traum ist es, hier in Deutschland in die Schule zu gehen und eine Ausbildung anzufangen. Aber er kann nur warten und hoffen. Seine Zukunft ist ungewiss.