NachrufDer Mann, der es bunt liebte

Lesezeit: 2 Min.

Im vergangenen Jahr widmete die Galerie der Künstlervereingung Dachau  ihrem Mitglied Heinz Eder noch einmal eine große Retrospektive.
Im vergangenen Jahr widmete die Galerie der Künstlervereingung Dachau  ihrem Mitglied Heinz Eder noch einmal eine große Retrospektive.
Niels P. Jørgensen

Mit seinen vielfältigen Talenten und seiner warmherzigen Art prägte Heinz Eder die Kunstszene seiner Heimatstadt Dachau wie kaum ein anderer. Im Alter von 81 Jahren ist er nun gestorben.

Von Gregor Schiegl, Dachau

SZ bei Google bevorzugen

Den bunten Hahn auf dem Dach der Bäckerei Denk kennt in Dachau jedes Kind. Und bekannt wie ein bunter Hahn war auch sein Schöpfer, Heinz Eder. Noch mit 80 arbeitete er regelmäßig in seinem Atelier, wo er malte, Skulpturen modellierte und manchmal Möbel schuf, die so schön waren, dass man es kaum wagte, sich daraufzusetzen. Zu seinen bekanntesten und meistfotografierten Werken gehörte der Engelsflügel an der Fassade des Café Teufelhart.

Was nach der Schließung des Cafés mit ihm geschah, bleibt ein Rätsel. Der Flügel ist verschwunden. Und nun hat auch der Mann, den man immer mit grüner Wollmütze auf dem Kopf antraf und einem verschmitzten Lächeln, diese Welt verlassen. Oder er ist davongeflogen. Bei ihm lässt sich das nicht mit letzter Bestimmtheit sagen. Am Sonntag ist er mit 81 Jahren gestorben.

Die internationale Jugendbegegnung lag ihm sehr am Herzen

Heinz Eder hatte viele Talente. Als Mitglied der Kultband The Botchers begeisterte er das Publikum mit Rhythmusgitarre und extravaganten Outfits. Vielleicht hätte er auch Fußballer werden können, das war sein Traum, bis er sich eine schwere Knieverletzung zuzog. Der Künstler aber schlummerte schon in jungen Jahren in Heinz wie der Schmetterling in der Puppe – und der wollte raus, das war nicht zu übersehen: „Meine Schulhefte waren mehr Gemälde als sonst was.“

Heinz Eders große Vorbilder waren Henry Toulouse-Lautrec und Egon Schiele. Doch der Vater verbot ihm eine künstlerische Ausbildung. So erlernte er zunächst den Beruf des technischen Zeichners. Später wagte er sich dann doch an die Akademie der Schönen Künste und lernte Aktzeichnen bei Peter Zeiler. Der soll sehr angetan gewesen sein von den Konstruktionszeichnungen, die sein Student seiner Bewerbungsmappe beigelegt hatte.

Eder war aber nicht nur Künstler, er war auch ein internationaler Brückenbauer. Als Mitbegründer der „Gruppe D“ pflegte er Freundschaften mit Künstlerkollegen in Oświęcim, lange bevor Dachau seine heutige Rolle als Lern- und Erinnerungsort annahm. Sein Einsatz für die internationale Jugendbegegnung und den Aufbau des heutigen Max-Mannheimer-Hauses zeugen von seinem tiefen Humanismus. Diese Einrichtungen hatten konservative Politiker in der Stadt lange erbittert bekämpft.

„Die Kinder haben mir die Farbe geschenkt“

Wer so lange wirkt wie Eder, dem bleiben Ehrungen nicht erspart. Für sein rühriges Engagement im Förderverein Alte Schule Lauterbach verlieh ihm die Süddeutschen Zeitung den Tassilo-Kulturpreis, das Schulprojekt „Africa“, an dem er künstlerisch mitwirkte, wurde mit dem deutschen Musicalpreis ausgezeichnet. Doch all diese Preise bedeuteten ihm nicht so viel wie die glücklichen Augen der Kinder, mit denen er immer wieder in kunstpädagogischen Workshops arbeitete.

Er wusste, welche Kraft in ihrer Kreativität steckt – und gab ihnen den Raum, sie zu entfalten. Das hat auch zur Vitalität seiner eigenen Kunst beigetragen. „Die Kinder haben mir die Farbe geschenkt“, sagte er einmal.

Ohne Heinz Eder ist Welt ein bisschen farbloser geworden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Artenvielfalt
:Der scheue Fischräuber kehrt zurück

In Oberbayern wird der Otter wieder gesichtet. Fischer fürchten den Wassermarder, doch Naturschützer geben Entwarnung. Eine Spurensuche mit einem Fährtenleser am Fluss.

SZ PlusVon Paul Krauß

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: