Workshops haben stattgefunden, Bürger-Spaziergänge und natürlich ein Architektenwettbewerb: Nun steht der Bebauungsplan für eines der spannendsten Neubauviertel im Landkreis Dachau kurz vor der Vollendung. Gut 160 Wohnungen sollen auf dem zwei Hektar großen ehemaligen Fabrikgelände der alten Holzschleiferei entstehen, mit Gastronomie, Geschäften, Büros, öffentlicher Nutzung und einem vor allem für eine ländliche Gemeinde äußerst fortschrittlichen Mobilitätskonzept.
Denn das neue Viertel ist weitgehend autofrei geplant. Privatfahrzeuge kommen in einem mehrstöckigen Parkhaus unter, der Stellplatzschlüssel ist deutlich niedriger als sonst, auch öffentliche Parkplätze gibt es wenige. Dafür sollen im geplanten Parkhaus, das gleichzeitig „Mobilitäts-Hub“ ist, Leihfahrzeuge aller Art zur Verfügung stehen, vom E-Roller bis zum Gemeinschaftsauto. Außerdem soll es eine Ringbuslinie zum S-Bahnhof geben.
Gerade ist die zweite öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes beendet, nächste Woche behandelt der Gemeinderat die eingegangenen Anregungen. Den endgültigen Beschluss wird der neue Gemeinderat fassen.
Mittelpunkt des Quartiers sind der Kulturplatz und ein zentrales Gebäude, das an der Stelle des jetzigen Altbaus steht. Oder eben – das ist nach wie vor unklar – der sanierte Altbau, in dem einst der Fabrikdirektor wohnte und Produktionsstätten und Büros waren. Künftig soll, so heißt es im Architektendeutsch im Bebauungsplan, ein „Community Hub“ daraus werden, mit Bibliothek, Veranstaltungsraum, Gastronomie und Pflegestützpunkt.
Davor fließt ein renaturiertes Stück des Mühlbachs, der dafür extra aus seiner unterirdischen Verrohrung befreit wird. Er begrenzt den Kulturplatz vor dem Gemeinschaftgebäude, wo natürliche Sitzelemente zum Verweilen einladen werden. Dahinter gruppieren sich im Baugebiet neun bis zu vier Stockwerke hohe Gebäude mit den Wohnungen.
Biodiversität statt Einheitsrasen
Auch bei den Grünanlagen zeigt sich der Bebauungsplan fortschrittlich: Am Ufer des Mühlbachs soll sich ein Auwald-Streifen entwickeln, in den weniger genutzten Bereichen um die Häuser werden „Biodiversitätsflächen“ mit einer regionalen Wiesen-Kräuter-Mischung geschaffen. Auch für stärker genutzte Grünflachen ist kein Einheitsrasen vorgesehen, sondern ein trittfester, trockenheitstoleranter Kräuter-Rasen. Vorbeugender Hochwasserschutz sorgt ebenfalls für Grün, auch die Wasserrückhaltemulden sind bepflanzt.
Ob das halb zerfallene, rund 160 Jahre alte Fabrikgebäude wirklich abgerissen wird, wie es der Gemeinderat 2020 entschieden hat, ist nicht mehr so ganz sicher. Denn es gibt immer noch Stimmen, die für den Erhalt plädieren. Dem Vernehmen nach soll auch ein Investor an der Sanierung des Gebäudes interessiert sein.

