Industriebrache in HebertshausenAnders wohnen in der neuen Holzschleiferei

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Im Herbst 2022 startet die Gemeinde eine groß angelegte Bürgerbeteiligung zur künftigen Bebauung der Industriebrache.
Im Herbst 2022 startet die Gemeinde eine groß angelegte Bürgerbeteiligung zur künftigen Bebauung der Industriebrache. (Foto: Toni Heigl)

Wenn das neue Viertel in Hebertshausen entsteht, möchte auch eine Wohnungsbaugenossenschaft dabei sein. Beim ersten Infoabend stellt sie ihr Konzept vor und sucht Leute, die mitmachen wollen.

Von Alexandra Vettori, Hebertshausen

Es geht wieder aufwärts mit dem Bausektor. Das könnte man jedenfalls aus den jüngsten Zahlen herauslesen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. Diesen zufolge ist die Zahl der Baugenehmigungen im vergangenen Juli sprunghaft gestiegen. So weit ist Hebertshausen noch nicht, doch ist dort Großes zu erwarten. Derzeit ist der Bebauungsplan für die neue Holzschleiferei in Arbeit, ein Viertel mit rund 140 Wohnungen soll auf der Industriebrache der alten Holzschleiferei entstehen. Voraussichtlich schon im kommenden Jahr startet die Baufeldfreimachung.

Und weil der Bebauungsplan basierend auf einem Architekten-Wettbewerb gar so zukunftsweisend werden soll, mit viel Grün, dem wieder offengelegten Mühlbach und einem Mobilitätskonzept mit ÖPNV-Anschluss, hat er Aufmerksamkeit und Gefallen der Wohnungsbaugenossenschaft Woge+ erregt. Sie sucht schon länger ein geeignetes Objekt oder Grundstück im Dachauer Land und hat sich mit ihrem Konzept bereits im Gemeinderat vorgestellt.

Am Donnerstagabend fand ein erster Infoabend für die Öffentlichkeit statt, gut 40 Interessierte kamen in die Hebertshausener Sportgaststätte. Bürgermeister Richard Reischl berichtete eingangs, dass der Gemeinderat derzeit Gespräche mit verschiedenen Investoren führe. „Wir haben die Möglichkeit, alles an einen Investor zu geben, oder an verschiedene“ – und da könne durchaus eine Genossenschaft dabei sein.

Dem Anspruch der neuen Holzschleiferei, auch in ökologischer Hinsicht Akzente zu setzen, kommt der Ansatz der Woge+ entgegen. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, einfaches, aber solides und flächenreduziertes Bauen hat sich die Wohnungsbaugenossenschaft auf die Fahnen geschrieben. Dazu plant sie ein Mehrgenerationenhaus. „Das Miteinander ist uns wichtig“, erklärte Martina Fischer-Albang vom Vorstand in ihrer Präsentation, betonte aber: „Wir sind keine Kommune mit einer bestimmten Lebenseinstellung. Wir wollen einfach gemeinsam wohnen und leben.“

Martina Fischer-Albang vom Vorstand der Woge+ erläutert beim Infoabend  das Konzept.
Martina Fischer-Albang vom Vorstand der Woge+ erläutert beim Infoabend  das Konzept. (Foto: Alexandra Vettori)

Seit November 2023 ist die Woge+ eingetragene Wohnungsbaugenossenschaft. Eigentlich wollte sich die Gruppe, die sich in fast drei Jahren zusammengefunden hat, in einem alten Bauernhof im Landkreis Dachau niederlassen, dort hat es aber kein Baurecht gegeben. So machte man sich auf Grundstückssuche und stieß auf Hebertshausen und seinen Plan, ein neues Viertel entstehen zu lassen.

Einige der Anwesenden wirkten enttäuscht, als das Prinzip einer Wohnungsbaugenossenschaft erklärt wurde. Sie hatten auf Anlageobjekte gehofft. Wer aber Genossenschaftsmitglied wird, für 1500 Euro plus 100 Euro Verwaltungsgebühr ist das bei der Woge+ möglich, wird niemals Besitzer einer der Wohnungen. „Sie erhalten ein lebenslanges Wohnrecht“, so Fischer-Albang. Eigentümer aber bleibt stets die Genossenschaft.

Jedes Mitglied eine Stimme

Die Entscheidungen trifft der Vorstand, beraten und kontrolliert vom Aufsichtsrat. Einmal im Jahr gibt es eine Mitgliederversammlung. Bei Abstimmungen hat jeder und jede nur eine Stimme, egal wie viele Anteile oder wie groß die bewohnte Wohnung.  Wer in eine Wohnung zieht, zahlt einen Pflichtanteil, der von der Quadratmeterzahl abhängt. Zieht man wieder aus, bekommt man ihn zurück, zinslos.

In der Gesamtkalkulation machen die Pflichtanteile zusammen mit dem Eigenkapital der Genossenschaft ein Drittel der Aktiva aus. Ein Pappenstiel ist die Summe für die einzelnen Bewohner daher nicht. „Genossenschaftliches Wohnen ist erst mal nicht günstiger“, betonte Fischer-Albang. Monatlich gibt es außerdem Nutzungsentgelte zu bezahlen, eine Art Miete, die sich aus Kreditrückzahlung, Rücklagenbildung und laufenden Kosten ergibt.

Die Vorteile aber lägen auf der Hand, zählte das Vorstandsmitglied auf: Die Genossenschaft sei nicht gewinnorientiert, und es gebe ein lebenslanges Wohnrecht bei stabiler Miete und eine besondere Haus- und Lebensgemeinschaft. In den kommenden Wochen sind weitere Infoabende in Hebertshausen geplant. „Wenn alles rund läuft“, sagte Fischer-Albang, „können wir schon 2028 im Projekt wohnen“.

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