KinderbetreuungKrippe wird zu Hort

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Der Gemeinderat Hebertshausen mit Bürgermeister  Hans-Jürgen Schreier (Zweiter von links) bei der Besichtigung des Kinderhauses Weltentdecker. Dort wird die Krippe geschlossen, um den Hort unterzubringen.
Der Gemeinderat Hebertshausen mit Bürgermeister  Hans-Jürgen Schreier (Zweiter von links) bei der Besichtigung des Kinderhauses Weltentdecker. Dort wird die Krippe geschlossen, um den Hort unterzubringen. Alexandra Vettori
  • Die Gemeinde Hebertshausen schließt zum 1. August die Krippe im Kinderhaus Weltentdecker, um dort Hortkinder unterzubringen.
  • Der Gemeinderat reagiert damit auf den neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler und überdurchschnittlich hohe Schülerzahlen.
  • Die 16 betroffenen Krippenkinder können in die zweite Krippe im Ortsteil Ampermoching wechseln, da beide Krippen nicht voll ausgelastet sind.
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Im Hebertshausener Kinderhaus Weltentdecker wird die Krippe geschlossen, weil viele Schulkinder eine Nachmittagsbetreuung brauchen. Die Gemeinde wird damit dem neuen Rechtsanspruch gerecht, trägt aber auch dem Bedarf Rechnung.

Von Alexandra Vettori, Hebertshausen

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Der Gemeinderat von Hebertshausen hat sich bis zuletzt gegen die Krippenschließung gewehrt. Ein Ortstermin stimmte die Mehrheit dann aber um. Damit endet der Krippenbetrieb im Kinderhaus Weltentdecker zum 1. August, die Räume werden für Hortkinder umgebaut.

Bis Schuljahresbeginn gibt es keine andere praktikable Lösung, um alle Schulkinder mit Betreuungsbedarf unterzubringen. Außerdem hätten alle anderen Lösungen die klamme Kommune noch viel mehr Geld gekostet.

So positiv das Recht auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen gesellschaftspolitisch auch gesehen wird: Hebertshausen zeigt, welche Klimmzüge manch eine Gemeinde dafür machen muss, den Anspruch umzusetzen. Ein Umstand, der dem Gemeinderat die Entscheidung erleichterte, ist jedoch, dass weder die nun betroffene Krippe im Kinderhaus voll ausgelastet ist, noch die zweite im Ortsteil Ampermoching. Dorthin können die 16 Kleinkinder aus der Weltentdecker-Krippe wechseln. Drei haben das bereits getan.

Zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, den im kommenden Schuljahr alle Erstklässler haben und in den Folgejahren jeweils eine Jahrgangsstufe zusätzlich, kommt eines noch hinzu: Die Anzahl der Kinder, die im September neu an die Hebertshausener Grund- und Mittelschule kommen, ist überdurchschnittlich hoch.

Die Zeit drängt

Für das Schuljahr 2026/2027 sind deshalb vier Hortgruppen für 92 Kinder geplant. Dazu gibt zwei Gruppen der Mittagsbetreuung, eine bis 15 Uhr und eine bis 14 Uhr, für insgesamt 77 Kinder. 49 Kinder sind Erstklässler mit Ganztags-Recht, sie kämen auch derzeit schon unter, ohne neue Hortgruppen, doch dann stünden Ältere auf der Straße.

Aus dem Gemeinderat kam schon bei der ersten Sitzung der Vorschlag, die Schule solle noch mehr Kinder nachmittags unterbringen, etwa, indem Klassenzimmer flexibel genutzt werden: Die reguläre Klasse geht mittags heim, danach kommt die Ganztagsgruppe.

Ein Ortstermin in Kinderhaus und Schule sollte Klarheit bringen. Beim Rundgang durch die Schule betonte Konrektorin Sylvia Lachner aber: „Es ist sehr, sehr, sehr voll.“ Wegen steigender Schülerzahlen brauche es im neuen Schuljahr zwei weitere reguläre Klassenzimmer.

Begehrte Fachräume

Derzeit sind an der Schule eine Hort- und eine Mittagsgruppe untergebracht. Nach den neuen Plänen soll der Hort ins Kinderhaus umziehen und nur die 14-Uhr-Gruppe der Mittagsbetreuung an der Schule bleiben.

Fachräume, die für die Mittagsbetreuung genutzt werden könnten, hat die Grund- und Mittelschule kaum. Musik- und Mehrzweckraum würden schon mehrfach genutzt, so Konrektorin Lachner. Beim Handarbeitsraum überlege man, ob die Mittelschüler der offenen Ganztagsbetreuung dort essen könnten.

Eine Doppelnutzung von Klassenzimmern sei schwierig, sagte Lachner: Unterschiedlichste Schulmaterialien stapeln sich in Regalen, vom Lesebär bis zu Rechenspielen, Basteleien und Büchern. Bilder hängen an den Wänden, und unter den Tischen bewahren die Kinder Schulzeug und auch private Dinge auf. „Wer stellt diese ursprüngliche Anordnung dann jeden Tag wieder her?“, fragte die Konrektorin. Auch der Datenschutz käme da zum Tragen, sagte sie.

Tapetenwechsel tut gut

Die Lehrerin führte aber auch pädagogische Gründe gegen eine Mittagsbetreuung im Klassenzimmer an: Das Kind solle den Unterrichtsvormittag mit einem Umgebungswechsel abstreifen können, „andere Räume, anderes Licht, andere Stühle“.

Dennoch betonte SPD-Gemeinderätin Marianne Klaffki bei der anschließenden Sondersitzung: „Auch nach der Besichtigung kann ich mir nicht vorstellen, dass man keine Räume findet, wo von Mittag bis 14 Uhr die Mittagsbetreuung stattfindet.“ Gleichzeitig mit dem Beschluss erteilte der Gemeinderat der Schule deshalb den Auftrag, ein grundsätzliches Konzept zur Doppelnutzung zu erarbeiten.

Clemens von Trebra-Lindenau (CSU) betonte, man sei weit entfernt von einer maximalen Belegung der Krippen, insofern sei die Schließung bei den Weltentdeckern vertretbar. Auch halte er die Doppelbelegung von Klassenzimmern für schwierig. „Wir sind eine Flächengemeinde, und da hat nicht jeder den Anspruch, jede Einrichtung in jedem Ort zu haben.“

Eine Hintertür aber hat sich der Gemeinderat offen gelassen: Damit auf sich ändernde Bedarfe schnell reagiert werden kann, bleiben die Mini-Toiletten und -Waschbecken im Kleinkinder-Sanitärbereich des Kinderhauses erhalten und werden nur geschlossen. So haben die Schulkinder zwar weitere Wege, doch wird in Zukunft wieder eine Krippe gebraucht, sind die Toiletten schon da.

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