Fast zwei Wochen ist es her, dass Hebertshausen bundesweit bekannt wurde und das mit hohem Sympathiefaktor. Ein Fernsehbeitrag des WDR-Nachrichtenmagazins "Monitor" zeigte die 6000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Dachau als Beispiel für die gelungene Integration von Geflüchteten, 3,5 Millionen Menschen schauten zu.
Was dann geschah, habe auch die Monitor-Redaktion überrascht, erzählt der Hebertshausener Bürgermeister Richard Reischl (CSU) am Telefon. Er weiß das, weil sich der Redakteur jüngst extra bei ihm gemeldet hat. Demnach gab es auf der Monitor-Homepage 148 Kommentare für den Beitrag über Frieden in Israel, der vor dem Bericht aus Hebertshausen lief, das war schon viel. Den Beitrag über die Geflüchteten in Hebertshausen aber kommentierten 12 121 Menschen. Seit Dienstag steht er auf Youtube, am Nachmittag war er schon 10 000 Mal aufgerufen worden.
Es geht auch anders
Fast noch verwunderlicher ist, dass fast alle Kommentare positiv sind. "Diesen Bericht sollte man allen Bürgermeistern in Deutschland zur Verfügung stellen als Handlungsleitfaden", steht da etwa oder "Vielen Dank für diese Sendung, die deutlich macht, dass es anders viel besser gehen könnte" oder "Genau! Anstatt zu labern machen! Chapeau an alle in dieser Gemeinde!"

Inhalt des Beitrags ist die Tatsache, dass in Hebertshausen überdurchschnittlich viele Flüchtlinge wohnen, rund 200, vor allem wegen der Erstaufnahmeeinrichtung des Landkreises. Ängste gibt es im Ort kaum, Proteste keine, Straftaten auch nicht, dafür einen sehr aktiven Helferkreis, viele Geflüchtete mit Job und dazu die niedrigste AfD-Quote im Landkreis Dachau, weit unter dem Landesdurchschnitt.
"Generelles Berufsverbot ist unsinnig"
Wer Hebertshausen kennt, weiß, dass Bürgermeister Richard Reischl da aktiv mitmischt. Er ist, wiewohl CSU-Mann, bekannt als unorthodoxer Streiter für Menschlichkeit und Pragmatismus, egal ob als "Vermieter mit Herz", als Förderer ausgiebiger Bürgerbeteiligungen, Verschenker von Vogelhäuschen, Kitzretter und nun als Integrationshelfer. "Ich wollte zeigen, dass das Berufsverbot unsinnig ist", sagt Reischl.
Eigentlich habe das Filmteam vor der Landtagswahl nur einen kritischen CSU-Vertreter interviewen wollen, im Gespräch sei man dann aber auf die entspannte Situation rund um die Geflüchteten in Hebertshausen gekommen. Erst habe der Redakteur Reischl nicht geglaubt, sich dann aber durch mehrere Interviews selbst überzeugt.
In der Sache, betont Reischl, könne er selbst wenig tun, da leisteten die ehrenamtlichen Helfer die Hauptarbeit. "Aber ich habe als Bürgermeister einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie das Thema Flüchtlinge im Ort wahrgenommen wird. Wenn ich mich überfordert gebe, lassen sich die Leute anstecken." Stattdessen setze er auf klare Information und Pragmatismus, "durch Hass und Hetze wird diese Welt kein Stück besser".
Die Menschen in Hebertshausen, so beobachtet Reischl in diesen Tagen, freuen sich über das Lob aus ganz Deutschland. Und ganz Deutschland freut sich offenbar über gute Nachrichten beim Thema Flüchtlinge. Der Helferkreis freut sich ganz besonders - über Spenden und neue Helfende.

