Der riesige Kachelofen in der Stube strahlt wohlige Wärme aus. Die einladende, übergroße Eckbank und der gewaltige Tisch sind wichtige und wertvolle Relikte aus vergangenen Zeiten. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie sich Familie und Gesinde auf dem Fenihof in Deutenhofen, einem Ortsteil von Altomünster, hier regelmäßig zusammengefunden haben. Den Hof gibt es seit mehr als fünfhundert Jahren, 1564 wurde er erstmals so bezeichnet. Um 1600 war er – wie der gesamte Weiler Deutenhofen – den Altomünsterer Birgittinnen unterstellt.
Heute ist das denkmalgeschützte Ensemble der einzige Vierseithof im Landkreis Dachau – und wäre womöglich dem allmählichen Verfall preisgegeben gewesen, wären nicht Marion und Peter Kazek eines schönen Tages rein zufällig an dem damals ziemlich traurig vor sich hin vegetierenden Ensemble vorbeigekommen. Das war im Oktober 2019. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Marion Kazek. Es wurde allerdings eine Liebe mit Hindernissen – aber mit Happy End. Denn die Architektin und frühere Laupheimer Stadtbaumeisterin sowie ihr Mann, ebenfalls Architekt, ließen sich nicht von ihrem Traum von einem Hof mit viel Kultur abbringen.
Nun sitzt man an einem grauen Februar-Wintertag in der restaurierten Stube, trinkt Tee und erfährt einiges über die – sagen wir mal – unkonventionelle Geschichte des Hauses und dessen Restaurierung. Denn der Fenihof ist anders als etliche bis ins Detail stilgerecht sanierten alten Häuser, die jedem Museumsdorf Ehre machen würden.
„Wir wollten natürlich so viel wie möglich erhalten“, sagt Marion Kazek und lacht, als die Rede ziemlich schnell auf die Polyester-Gardinen am Fenster kommt. „Die sind aus den Sechzigerjahren, die haben hier gehangen, als wir das Haus übernommen haben“, sagt sie. Also keine aufwendige Suche nach zeittypischen Stoffen und Materialien für Fußboden, Wände, Mobiliar und und und? Doch, sagt die Hausherrin, „aber immer möglichst Secondhand“.

Besagte Fensterdeko ist eine Reminiszenz an die letzte Bewohnerin des Hauses, das seit 2013 leer stand – und lange vorher, nämlich 1886, seine letzte Ertüchtigung erlebt hatte, wie eine Inschrift auf dem Ofensockel zeigt. Weshalb es auch keine Heizung im Haus gibt, aber als Tribut an die Jetztzeit kleine Bäder mit Dusche und Toilette, eine große Küche mit alten Bodenfliesen, altem Spültisch und modernem, selbst gebautem Mobiliar aus altem Holz und einem dekorativen Uralt-Herd.

Es gibt Glasfaseranschluss und Wlan im ganzen Haus sowie insgesamt zehn Zimmer für Bewohnerinnen und Gäste. Denn der Fenihof wird mit Leben erfüllt, auch wenn noch längst nicht alles so ist, wie sich Marion Kazek das vorstellt. Das Musikzimmer nebst Instrumenten ist ein Traum, die Atelierräume im Nebengebäude inspirieren auch Noch-nicht-Künstlerseelen mit ihrer Weitläufigkeit, dem bewundernswerten Gewölbe im Erdgeschoss und dem kunstvollen Dachgebälk.
Es gibt ein eigenes Orchester, das die Altomünsterer Kulturszene ungemein belebt, es gibt Musikunterricht und Zeichenkurse, Workshops und einen Garten. Und es gibt viele helfende Hände, die sich im Verein „Beim Fenibaur“ und bei den Sanierungsarbeiten engagieren. Die erwiesen sich als durchaus kompliziert. Schimmel und verfaultes Holz, zerbrochenes Glas und eine sehr aus der Zeit gefallene Raumaufteilung warteten auf die neuen Besitzer.

Dabei brauchten diese schon viel Geduld, bis sie endlich zur Tat schreiten konnten. Marion Kazek erzählt von der umständlichen Suche nach dem Eigentümer, der letztendlich in Sichtweite des Fenihofs wohnte, von der zunächst eher zögerlichen Reaktion des Denkmalamtes – und der letztendlich fruchtbaren Zusammenarbeit.
„Wir wollten das Haus ertüchtigen, wollten der Kunst und der Musik Platz und Raum geben“
Man spürt bei jedem Wort, jedem Blick, mit welcher Begeisterung sich Marion Kazek dieser gewaltigen Aufgabe widmet. Dabei sollte man nicht unerwähnt lassen, dass das Ehepaar in einem Alter ist, in dem Gleichaltrige es sich auf dem Golfplatz oder dem Kreuzfahrtschiff gut gehen lassen. Doch das ist nichts für die quirlige Marion Kazek. „Wir wollten das Haus ertüchtigen, wollten der Kunst und der Musik Platz und Raum geben“, sagt sie.


Dass sie trotz heißer Herzen dennoch kühle Rechner sind, zeigt sich nicht zuletzt in der Vereinbarung, die sie mit dem Eigentümer getroffen haben: Er überließ ihnen das Wohnhaus und ein Nebengebäude für 30 Jahre zur Nutzung, im Gegenzug restaurieren sie die Gebäude. „Sonst wäre es nicht gegangen“, sagt die Architektin.
Ob das Ehepaar und ihr Mitstreiter Bernd Willer, von Beruf Stadtplaner und aus Berufung künstlerisches Multitalent, von Anfang an wussten, worauf sie sich da eingelassen hatten? Nicht so wirklich, aber die Ideen und die Tatkraft gingen und gehen ihnen nicht aus. Man spürt förmlich, wie gut das dem lange vernachlässigten Gehöft und seinen Bewohnern tut.

Wie etwa der jungen Fotokünstlerin Mara Pollak, die seit einem Jahr hier wohnt. Eine Riesenumstellung nach dem Leben in einer Siebener-WG mitten in München. Einfach sei es nicht gewesen, sagt sie. „Aber ich habe hier meine Lieblingsplätze gefunden.“ Auch ein ukrainischer Geiger wird hier bald sein Zuhause finden und das Orchester verstärken. Er wusste nicht, wohin – „und passt genau hierher“, sagt Marion Kazek. Sie freut sich schon auf die nächsten Schritte bei der Haussanierung – und den nächsten Auftritt des Orchesters, in dem sie selbstredend mitspielt.

