Bürgermeisterwahl HebertshausenDann eben ganz allein

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Bürgermeister Richard Reischl hat für einige Aufregung gesorgt. Jetzt will er es nochmal wissen.
Bürgermeister Richard Reischl hat für einige Aufregung gesorgt. Jetzt will er es nochmal wissen. Toni Heigl

Nach seinem Austritt aus der CSU muss sich der Hebertshausener Bürgermeister Richard Reischl für die Kommunalwahl 2026 Unterstützer aus der Bürgerschaft suchen.

Von Alexandra Vettori, Hebertshausen

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Er ist ein Unbequemer, der jetzt einen vor allem für sich unbequemen Weg eingeschlagen hat. Seit zwölf Jahren ist Richard Reischl Bürgermeister von Hebertshausen, er hat einige Bekanntheit und auch Beliebtheit erlangt. 2020 bekam der damals 43-Jährige bei den Kommunalwahlen 89,7 Prozent der Stimmen für seine zweite Amtszeit. Ein stolzes Ergebnis, das allerdings auch keine Mitbewerber schmälerten. Seine Bekanntheit und Beliebtheit wird Reischl brauchen, denn bei seiner nächsten Kandidatur um das Amt muss er es allein reißen. Keine Partei und Gruppierung aus dem Gemeinderat unterstützt und nominiert ihn, seit er im Frühjahr aus der CSU ausgetreten ist, nach 24 Jahren.

Als aufmüpfiger Kritiker seiner Partei war er schon länger bekannt. Erst im vergangenen Jahr machte er es in einem Interview mit dem Bayerischen Fernsehen noch einmal deutlich. Darin wünscht er sich „mehr Ehrlichkeit und weniger Polemik“ beim Thema Asyl. Seit zehn Jahren setzt Hebertshausen auf Integration und Abbau von Ängsten, unterstützt von einem sehr aktiven Helferkreis. Damit erregte die 6000-Einwohner-Gemeinde 2023 sogar überregional Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken, nachdem der WDR einen Beitrag dazu im Fernsehmagazin Monitor ausgestrahlt hatte. Gerade hat die Stiftung Pro Asyl Richard Reischl und den Hebertshausener Helferkreis mit dem diesjährigen Menschenrechtspreis ausgezeichnet, als einen von drei Preisträgern. Verleihung ist am Samstag, 13. September, in Frankfurt am Main.

Bekannt wurde Reischls Austritt aus der CSU erst Monate später. Am Anfang der Geschichte steht ein anderer Donnerschlag: Im März gab er auf Facebook, einem von ihm rege zur Bürgeransprache genutzten Kanal, bekannt, dass er bei den Kommunalwahlen 2026 nicht mehr antreten werde. Die allgemeine Überraschung war auch deshalb groß, weil der Bürgermeister bis dahin stets ambitionierte Pläne schmiedete und vorantrieb, nicht nur bei der Integration von Geflüchteten, sondern vor allem auch bei der Ortsentwicklung, im Naturschutz oder in der Energieversorgung von morgen.

Nun aber machte der 48-Jährige gesundheitliche Probleme und Erschöpfung für seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik geltend. Auch für seine Kinder, darunter eines mit Behinderungen, wolle er wieder mehr Zeit haben und werde deshalb nicht mehr für das kräftezehrende Bürgermeisteramt kandidieren, so begründete er den nach eigenen Angaben „schwersten Schritt meines Lebens“.

„Ich habe gemerkt, dass ich wahnsinnig gern Bürgermeister bin“

Im Juli kam die Kehrtwende: Richard Reischl gab bekannt, dass er nun doch antrete, wenn auch unter veränderten Vorzeichen. Das Augenfälligste davon ist sein Austritt aus der CSU, den er schon im April vollzogen hat. „Ich habe gemerkt, dass das CSU-Thema ein großer Energiefresser für mich war“, sagte er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Als Folge wolle er nicht mehr den Stimmenbringer für die große CSU machen, mit der Fraktion im Gemeinderat habe das nichts zu tun.  Danach sei ihm viel Bedauern aus der Bevölkerung entgegengeschlagen.

Sechs Wochen lang hat sich Reischl in einer Klinik wegen Erschöpfung behandeln lassen, sechs Wochen fast ohne Handy, dafür mit viel Sport und Radfahren. „Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, und ich habe gemerkt, dass ich wahnsinnig gern Bürgermeister bin, dass das mein Traumjob ist. Ich habe es nur ein bisschen falsch gemacht in den letzten Jahren“, erklärt er seinen Meinungswechsel. Die vielen Leute, die seinen Rückzug bedauerten, hätten das Ihrige dazu beigetragen. Früher habe er Amt und Freizeit gut unter einen Hut bringen können, die Balance habe er erst in den vergangenen Jahren verloren. Das wolle er wieder ändern, mehr abgeben. Dass er jetzt von manchen als Umfaller gesehen werde, müsse er akzeptieren. Sein großer Fehler im März sei gewesen, eine erneute Kandidatur ganz auszuschließen. „Ich hätte sagen sollen, ich mache es so wie bisher nicht mehr.“

Die fehlende Unterstützung der Parteien sieht Reischl entspannt

Inzwischen ist klar, dass ihn keine der im Gemeinderat vertretenen Parteien nominieren wird. Die SPD hat abgewunken, die CSU einen noch nicht offiziellen Alternativ-Kandidaten, und auch der Freie Bürgerblock Hebertshausen, von dessen Unterstützung Reischl ausgegangen war, ist nicht dabei. Eine Abstimmung bei der jüngsten Mitgliederversammlung ergab eine knappe Mehrheit gegen ihn als Kandidaten.

„Dass mich jetzt keine der Parteien im Gemeinderat unterstützen wird“, sieht Reischl entspannt, „das hat auch gar nicht so eine Bedeutung“. Vielmehr kommt die öffentliche Nominierung, die für solche Fälle im bayerischen Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz vorgesehen ist, seinem Selbstverständnis als „wirklich unabhängigem Kandidaten“ durchaus entgegen. Zehn Unterschriften von Hebertshausener Bürgerinnen oder Bürger braucht er dafür, die schriftlich bestätigen, dass sie seine Bewerbung befürworten. Außerdem müssen sich 120 in eine Unterstützungsliste eintragen, die im Rathaus ausliegen wird. Beide Hürden, sagt Reischl mit einem Lächeln, „traue ich mir zu“.

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Wie er seine Chancen bei der Wahl einschätzt? Das sei schwierig zu beurteilen, sagt er, „man selbst sitzt ja in so einer Blase“. Einerseits gebe es jetzt Leute, die es sich einfach machten und sagten, „der Reischl kann es nicht“. Andererseits erhalte er viel Zuspruch. „Wenn eine Mehrheit mich wählt, habe ich Klarheit.“ Von keiner Partei aufgestellt zu werden, sei zumindest numerisch kein Nachteil: Den 4400 Wahlberechtigten in der Gemeinde stehen seiner Schätzung nach rund 150 Mitglieder in allen am Ort vertretenen Parteien gegenüber. Dass er sich mit der Kandidatur ganz aus eigener Stärke ordentlich Druck auflädt, sieht er auch entspannt: „Ich hab mit Druck schon mal schlechter umgehen können als jetzt.“

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