Hebertshausen Die etwas andere Brauerei

Da gärt was: Dieter Scholz hat seinen Keller aufwendig zur Mini-Brauerei umgebaut. Die Lebensmittelkontrolleure waren begeistert, sagt er

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dieter Scholz experimentiert in seinem Keller mit Hopfen und Gerste. Seine Spezialbiere aus Prittlbach sind bei Kennern beliebt.

Von Petra Schafflik, Hebertshausen

Hopfen, Malz, Hefe und Wasser - die Zutaten, aus denen Bier nach bayerischem Reinheitsgebot gebraut werden darf, sind übersichtlich. Umso überraschender, welche Aromenvielfalt Dieter Scholz aus diesen vier Grundstoffen komponiert und entwickelt, wenn er in seinem Keller in Prittlbach einen neuen Sud ansetzt. Nicht Durstlöscher kreiert Scholz, sondern Spezialbiere mit so ungewohnten Geschmacksnoten wie Pfefferminze, Limette, Melone, Gras, Kakao oder Schokolade. Vor allem Indian Pale Ale, von Kennern kurz IPA genannte Biere haben es ihm angetan. Immer wieder entwickelt der passionierte Freizeit-Brauer neue Rezepturen, probiert kleine Veränderungen im Brauverfahren und freut sich über überraschende Aromen.

Weil immer mehr Bierkenner aus Prittlbach und Umgebung seine handgemachten Unikate zu schätzen wissen, hat er sein Hobby im vergangenen Jahr offiziell als Kellerbrauerei Prittlbach angemeldet. Eher eine Formalie, groß einsteigen ins Biergeschäft will Dieter Scholz nicht. Brauen soll Leidenschaft und Vergnügen bleiben, "Qualität vor Quantität".

Wer mit Dieter Scholz in den Keller seines Wohnhauses hinuntersteigt, blickt nicht auf kupferne Braukessel, sondern auf dicht gestapelte, blaue Plastiktonnen. "Das ist mein Malzlager", erklärt Scholz, der in den luftdichten Behältern seinen Jahresvorrat an gemälzter Braugerste aufbewahrt. Darunter so spezielle Sorten wie Carafa, die optisch an winzige Kaffeebohnen erinnert und für besonders dunkle Biere Verwendung findet. Vom Lager im Flur sind es nur wenige Schritte zur eigentlichen Brauerei im wenige Quadratmeter großen Kellerraum.

Bier brauen im 20-Liter-Haushalts-Einmachtopf

Als Scholz, von Beruf Softwareingenieur, vor fast zwanzig Jahren das Bierbrauen entdeckte, mussten für erste Versuche noch ein simpler 20-Liter-Haushalts-Einmachtopf und die Wohnküche herhalten. Erst als aus dem spannenden Hobby eine raumgreifende Leidenschaft wurde, baute er gemeinsam mit Freund Reinhold Maier den Keller für Brauzwecke um. Boden und Wände sind gefliest, Ablagen und Spülbecken aus Edelstahl maßgefertigt, eine Dunstabzugshaube leitet den heißen Dampf nach draußen, in der schaltuhrgesteuerten Kühlung lagert das Bier bis zur Reife, per Laptop wird jeder Arbeitsschritt akribisch dokumentiert. Die Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung, die Scholz sicherheitshalber zu einer Überprüfung eingeladen hat, "waren begeistert" , wie er sagt.

In dem steril wirkenden Raum lässt Scholz seiner Kreativität freien Lauf. Wählt mit Bedacht Malzsorten und ihre Mischung, schrotet das Gerstenmalz in seiner Mühle "Marke Eigenbau", bevor er mit gefiltertem Leitungswasser die Maische ansetzt. Der Brauprozess läuft technisch ganz klassisch ab: Ende des Maischvorgangs per Jodprobe bestimmen, das Malz-Wassergemisch im Läuterbecken filtern, die so gewonnene Würze unter Zugabe des Hopfens einkochen, klare Würze absaugen und kühlen, Hefe zugeben, alles im weißen Kunststoffbehälter über einige Tage kontrolliert gären lassen, fertiges Bier auf Flaschen ziehen. Experimentieren lässt sich innerhalb dieses festen Rahmens im Detail: Welches Malz, vor allem aber welche der zahlreichen Hopfensorten, zweite Hopfenzugabe?

Das Bier wird per Hand auf die Flaschen gezogen

Während ein Sud gärt, marschiert Scholz einmal täglich von der Wohnung in den kleinen Kellerraum hinunter, misst Temperatur und Stammwürze. Nur so erwischt er den richtigen Zeitpunkt, um das Bier auf Flaschen zu ziehen. Natürlich per Hand. Seine Passion ist das Experimentieren und Ausprobieren, Neues zu wagen, mit unbekanntem Ausgang, das reizt ihn. Wenn aber eines der Biere gut ankommt, nimmt Scholz das als Bestätigung und setzt einen Wiederholungssud an. Freilich meist nicht ohne doch wieder "an einem Schräuberl zu drehen", wie er es nennt. Spezialisiert hat sich Scholz auf Indian Pale Ale, das sind stärker gehopfte Biere mit einem höheren Alkoholgehalt in der Tradition englischer Exportbiere des 18. Jahrhunderts, die bei Liebhabern gerade wieder hoch im Kurs stehen.

Im Kern geht es dem Prittlbacher ums Brauen, aber auch das Drumherum muss passen bei den handwerklich hergestellten Craft-Bieren, die so schillernde Namen tragen wie Black Mamba, Panty Dropper oder Brauburschen-IPA. Im speziellen Prittlbacher Holztragerl präsentieren sich die Bügelverschluss-Flaschen, jede ziert ein fantasievoll grafisch gestaltetes Etikett.

2000 Liter im Jahr

Das Interesse an den Prittlbacher IPA Bieren wächst, 2000 Liter braut Dieter Scholz inzwischen im Jahr. Weil er als Hobbybrauer sein Bier verschenken musste, hat er jetzt seine Kellerbrauerei Prittlbach als Gewerbe angemeldet. Wenigstens die Kosten für die hochwertigen Rohstoffe sollen wieder hereinkommen. Sohn Sebastian hat einen Facebook-Auftritt und eine Webseite konzipiert. "Groß Geld verdienen will ich damit nicht."

Nach dem Dorffest, bei dem erstmals das Prittbacher IPA ausgeschenkt wurde, sind die Lagerbestände knapp, ein neuer Sud soll angesetzt werden. Scholz hat sich wieder etwas ausgedacht. Weil dieses Jahr im Juli gleich zweimal der Vollmond am Himmel stand - Blue Moon nennen die Amerikaner dieses seltene Phänomen von zwei Vollmonden in einem Kalendermonat - setzte er am letzten Julitag ein "Blue-Moon-Bier" an. "Wieder etwas Besonderes."