Haushalt Teure Kanalisation

Odelzhausen geht es gut, das zeigt ein Blick auf den Entwurf für den Haushaltsplan. Doch es kommen hohe Investitionen auf die Gemeinde an der Autobahn zu. Knapp 18 Millionen Euro sind für Bauarbeiten vorgesehen

Von Horst Kramer, Odelzhausen

Die A8-Gemeinde Odelzhausen tickt in finanziellen Dingen ein bisschen anders als manche andere Kommune. Nicht nur, weil Bürgermeister Markus Trinkl (parteifrei) jedes Jahr einen "Rekordhaushalt" verkünden kann - was ihm beim jüngsten Treffen seines Gremiums fast schon ein bisschen peinlich zu sein schien. Heuer hat er seinen Ratskolleginnen und -kollegen erstmals die bis dato berechneten Zahlen vorab vorgestellt. Im Rahmen einer öffentlichen Vorberatung. "Damit jetzt schon Fragen gestellt werden können", begründete der Rathauschef und damit die Ortspolitiker einige Wochen Zeit haben, um das 360-Seiten-Opus in Ruhe zu studieren, bevor der Haushalt 2019 im kommenden Monat beschlossen wird.

An den Kennzahlen wird sich bis dahin wenig ändern: Der Gesamthaushalt liegt mit heuer 42,5 Millionen Euro so hoch wie noch nie, selbst im Rekordjahr 2017 lag er mit 40,8 Millionen Euro noch ein Stück darunter. Der Verwaltungshaushalt umfasst 2019 rund 15,8 Millionen Euro; der Vermögenshaushalt 26,7 Millionen Euro. Die Zahl deutet daraufhin, womit Verwaltung wie politisches Gremium in den kommenden Monaten noch mehr zu tun haben werden als bisher schon: mit Baumaßnahmen und sonstigen Investitionsaktivitäten, die sich auf ein Volumen von 17,7 Millionen Euro addieren - 4,6 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Über Sittenbach wacht St. Laurentius und über die Odelzhausener Finanzen ein guter Geist.

(Foto: Toni Heigl)

Trinkl warf in diesem Zusammenhang einen Blick in die Zukunft: "Wir werden in den kommenden Jahren sehr viel Geld in die Sanierung unserer Kanalisation stecken müssen." Der Bürgermeister sprach von einem Rahmen, der zwischen 15 Millionen Euro bis 20 Millionen Euro liegen könne. "Allein die Kanalmaßnahme in Ebertshausen kostet rund eine Million Euro." Großprojekte wie das neue Trennsystem im Gewerbegebiet oder der geplante Ringschluss der Kanalisation werden rund 2,5 Millionen Euro verschlingen.

Einer der größten Ausgabenposten im Verwaltungshaushalt wird jedoch die laut Trinkl "exorbitante Kreis- und Bezirksumlage" sein, mit rund 6,6 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und fast dreimal so viel wie 2017. Der Grund ist im Jahr 2017 zu suchen, als die Gewerbesteuereinnahmen mit 13 Millionen Euro durch die Decke schossen; in diesem wie im vergangenen und auch in den folgenden Jahren erwartet der Odelzhausener Kämmerer jährliche Einnahmen von fünf Millionen Euro.

Haushalt 2019

Odelzhausens Finanzen im Überblick:

Gesamthaushalt: 42,5 Millionen Euro (2018: 33,9 Millionen Euro), Verwaltungshaushalt: 15,8 Millionen Euro (13,4 Millionen Euro), Vermögenshaushalt: 26,7 Millionen Euro (20,5 Millionen Euro).

Wichtigste Einnahmequellen: Gewerbesteuer: 5 Millionen Euro (5,03 Millionen Euro), Einkommensteuer: 3,9 Millionen Euro (3,6 Millionen Euro), Zuführung vom Vermögenshaushalt: 2,4 Millionen, Gebühren: 1,2 Millionen Euro (1,2 Millionen Euro), Betriebskostenzuschüsse Kitas: 825 000 Euro (797 000 Euro), Grundsteuer A und B: 676 000 Euro (636 000 Euro).

Größte Ausgabenposten: Kreisumlage: 6,7 Millionen Euro ( 3,2 Millionen Euro), Personalausgaben: 3,6 Millionen Euro (3,3 Millionen Euro), Sach- und Betriebsausgaben: 2,4 Millionen Euro (1,7 Millionen Euro), Gewerbesteuerumlage: 1,1 Millionen Euro (2,9 Millionen Euro), Schulverbandsumlage (Verwaltungshaushalt): 600 000 Euro (479 000 Euro), Zuführung zum Vermögenshaushalt: 305 000 Euro (3 Millionen Euro) kram

Die hohe Kreisumlage, so wurde erklärt, führt unter anderem dazu, dass die Gemeinde ihre Kredite nicht aus den laufenden Einnahmen bestreiten kann; sie greift daher zu einem "Trick" und bucht die nötige Summe von 305 000 Euro, zusammen mit weiteren 2,1 Millionen Euro, vom Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt - um anschließend 305 000 Euro als "Mindestzuführung zum Vermögenshaushalt" wieder zurückzubuchen. "Das ist im Prinzip wie linke Tasche, rechte Tasche", erläuterte Trinkl. Die Rücklagen Odelzhausens werden dennoch zum Jahresende satte 6,2 Millionen Euro betragen, Bausparguthaben nicht mitgerechnet.

Odelzhausen kann also zufrieden sein. Der Rathauschef fand dennoch einen Grund zum Jammern: "Unsere Einkommensteuereinnahmen sind im Verhältnis zu anderen Kommunen niedriger als zu erwarten wäre." Im aktuellen Jahr belaufen sollen es den Schätzungen zufolge immerhin 3,9 Millionen Euro werden.

Zum Vergleich: Der 8000-Einwohner-Markt Altomünster rechnet dieses Jahr mit 5,6 Millionen Euro Einnahmen aus dem kommunalen Einkommenssteueranteil - ein Pro-Kopf-Betrag von 700 Euro. Die Pro-Kopf-Einnahmen in der 5100-Einwohner-Gemeinde Odelzhausen liegen dagegen bei rund 765 Euro. Auch in Erdweg mit seinen knapp 6000 Bewohnern nahm die Kämmerei 2018 weniger ein: 4,4 Millionen Euro in Summe, 733 Euro pro Kopf. In der 3000-Einwohner-A8-Kommune Sulzemoos sind die Kennzahlen hingegen ein bisschen besser. Die Einkommensteuereinnahmen betrugen im vergangenen Jahr rund 2,3 Millionen Euro, der Pro-Kopf-Anteil liegt mithin bei zirka 766 Euro - ein Euro mehr als in Odelzhausen.

Dass Markus Trinkl seinen Nachbarn diese einhundert Cent neidet, ist indes kaum anzunehmen. Doch das können ihnen die Gremiumsmitglieder bei den abschließenden Haushaltsberatungen ja fragen.