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Hasenpest:Bitte nicht berühren

Bei Pellheim wurde ein mit Hasenpest infiziertes Tier tot aufgefunden - die Krankheit kann auf Menschen übertragen werden.

Feldhasen auf einem Acker im Oderbruch

Hasen, die apathisch herumsitzen und nicht weglaufen, wenn sich ein Mensch nähert, könnten mit Tularämie infiziert sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für Spaziergänger in der freien Natur ist im Raum Dachau momentan Vorsicht geboten, denn im Landkreis ist ein Fall von Hasenpest oder Tularämie, wie die Tierkrankheit wissenschaftlich heißt, gemeldet worden. Wie der Jagdschutz- und Jägerverein Dachau mitteilt, wurde im März in der Nähe von Pellheim ein toter Hase gefunden, der mit der meldepflichtigen Krankheit infiziert war, die auch auf Menschen übertragbar ist. Das ergab eine Untersuchung des Kadavers, die der Jagdschutzverein Ende März beim Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit in Oberschleißheim veranlasst hatte. Dramatisieren sollte man den Fall jedoch nach Ansicht des Dachauer Veterinäramts nicht, denn Tularämie ist lediglich eine melde-, nicht eine anzeigepflichtige Tierseuche. "Die Meldepflicht dient nur der Statistik und der Seuchenbeobachtung", sagt Andrea Wals-Hillenbrand von der Veterinärbehörde.

Der Jagdvereinsvorsitzende Max Lederer warnt allerdings Spaziergänger dringend davor, Hasen oder Kaninchen zu berühren, die sich auffällig verhalten. Tiere, die von der Tularämie oder Hasenpest befallen sind, verhalten sich apathisch, atmen heftig, haben Fieber und zeigen unter Umständen Fellsträuben. Wer ein solches Tier in der Landschaft entdeckt, sollte sich auf keinen Fall nähern und bei ernsthaftem Verdacht umgehend die Polizei in Dachau (Telefon 081 31/561-0) verständigen. Konkret spricht Lederer von Hasen, die beispielsweise nicht weglaufen, wenn sich ein Mensch nähert, oder die unbeweglich und apathisch herumsitzen. "Da sollte man auf keinen Fall hingehen, um dem Tier aus Mitleid zu helfen", sagt der Jägervereinsvorsitzende. Schon gar nicht sollte man einen Hasen berühren, der tot herumliegt, betont er nachdrücklich. Beruhigend klingt es in diesem Fall immerhin, wenn Lederer sagt, dass der Bestand an Hasen "sehr stark zurückgegangen" sei. Ohnehin versucht er, die Hasenpest nicht zu sehr zu dramatisieren: "Es ist nicht so, dass eine Seuchengefahr für den ganzen Landkreis besteht."

Dass Gefahr für unvorsichtige Menschen bestehen kann, zeigt aber der Fall des toten, bei Pellheim aufgefundenen Hasen. Der junge Jäger, der das Tier gefunden und aufgehoben hatte, um es zur Untersuchung zu bringen, musste sich bereits wegen akuter Symptome in Behandlung begeben. Der Mann wird nach Mitteilung des Jagdschutz- und Jägervereins intensiv mit Antibiotika therapiert und befindet sich bereits auf dem Weg der Besserung. Die durch Bakterien (Francisella tularensis) verursachte Krankheit kann lebensbedrohlich sein. Fieber, Lymphknotenschwellung, Durchfall, Erbrechen und Atemnot gehören zu den Symptomen. Unbehandelt endet sie laut Wikipedia in etwa 33 Prozent der Fälle tödlich.

Allerdings ist die Krankheit sehr selten: In den Jahren 2008 und 2009 wurden in ganz Deutschland zehn beziehungsweise 15 Fälle gemeldet. Menschen können sich über direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, aber auch über Stiche von infizierten Insekten oder Zecken anstecken. Auch Hunde oder Katzen sollten von Hasen oder Kaninchen ferngehalten werden, teilt der Jagdschutzverein mit, da Tularämie auf verschiedene Tierarten übertragbar ist.

Hysterie sei keinesfalls angesagt wegen der Hasenpest, erklärt Veterinärin Wals-Hillenbrand. Meldepflichtige Tierseuchen müssten lediglich an den Bund gemeldet werden, um einen Überblick zu gewinnen und zu sehen, ob die Krankheit sich weiter ausbreitet. Maßnahmen auf Landkreisebene sind nicht notwendig. Allerdings gibt auch Wals-Hillenbrand die grundsätzliche Empfehlung: "Keine toten Tiere anfassen."