Handgemachte Akkordeons:Dachauer Heimspiel

Die meisten Musikinstrumente sind heute industrielle Massenware. Im Akkordeon-Centrum Brusch stellen Marcus Rompf und Tobias Kostuch die Instrumente noch in filigraner Handarbeit her

Von Magdalena Hinterbrander, Dachau

Ein Instrument ist nicht einfach nur ein Objekt, das man mal schnell im Großhandel kauft und dann zum Zweck der Musikerzeugung benutzt. Ein Instrument ist ein lebenslanger, treuer Begleiter für Musiker. Hergestellt mit Herzblut, Leidenschaft und Erfahrung. Marcus Rompf und Tobias Kostuch leben ihre Faszination für die Musik aus. Sie sind Instrumentenbauer und haben sich spezialisiert: Sie bauen Akkordeons.

In der Werkstatt des Akkordeon-Centrums Brusch in Dachau steht ein besonderes Stück auf dem Werktisch: eine Hohner "Gola" aus dem Jahr 1961, die "Stradivari unter den Akkordeons", sagt Tobias Kostuch. Weiter hinten im Raum liegt ein Instrument mit Perlmuttasten. Wahre Schätze lagern hier in den hinteren Räumen des Akkordeon Centrums Brusch. Als Importeur und Vertrieb führt das Akkordeon-Centrum die weltweit wichtigsten und besten Akkordeon-Marken. In den drei Standorten in Deutschland, Berlin, Hamburg und Dachau, werden Instrumente vermietet und Reparaturen aller Art durchgeführt. Und nicht nur das: In der Filiale in Dachau werden auch eigene Modelle entwickelt und gefertigt.

Es gibt zwei hauseigene Akkordeon-Modelle: die Schober und die Cantonelli

Instrumentenbauer Marcus Rompf lebte mehr als dreißig Jahre lang in Italien und hat dort selbständig für andere Hersteller Akkordeons gebaut. Vorher hatte er Musik studiert und sich in der Physik und Akustik weitergebildet. Ein musikalisches Verständnis sei bei diesem Beruf das Wichtigste, erst dann wisse man, welche Anforderungen für das Instrument nötig seien. "Es gibt Hersteller, die bauen ihre Instrumente, aber wissen nicht wirklich, was sie da machen", sagt Rompf. Zusammen mit dem Geschäftsinhaber des Akkordeon-Centrums Bruch in Dachau, Henning Schober, entwickelte er ein eigenes Modell: Die Schober. Aus seiner Zeit in Italien stammt die zweite Eigenmarke des Hauses, die Cantonelli.

Handgemachte Akkordeons: Für filigrane Handarbeit steht das Akkordeon-Centrum Brusch.

Für filigrane Handarbeit steht das Akkordeon-Centrum Brusch.

(Foto: Toni Heigl)

Das Grundkonzept in der Bauweise eines Akkordeons hat sich in den vergangenen hundert Jahren wenig verändert. Doch die Qualitäten auf dem Markt haben sich verändert. "Hohner war einer der führenden Akkordeonbauer in Deutschland, bis er 1960 die Produktion nach China verlegt hat." In China sei das Akkordeon als Instrument zwar gefragt wie sonst nirgends auf der Welt, "dort lernen die Kinder Akkordeon wie man hier bei uns Blockflöte lernt", sagt Rompf. Aber die Qualität in der Bauweise leide darunter.

In vier Monaten werden rund 20 Akkordeons hergestellt

Die Produktion im Akkordeon-Centrum in Dachau setzt auf Qualität, Anspruch und Handarbeit. In vier Monaten werden neben den Reparaturen älterer Instrumente rund 20 eigene Akkordeons hergestellt. Dabei achte man auf jede Kleinigkeit: Je nach Wunsch des Auftraggebers wird das entsprechende Holz genauestens ausgesucht. Fichtenholz beispielsweise wird aus den Alpen genommen, da "die Maserung schöner ist, je weiter oben die Bäume wachsen", so Marcus Rompf. Ein "Standardholz" für Akkordeons gebe es nicht, oft verwendet man neben Fichte auch Nuss- oder Kirschbaum. Aus rund hundert unterschiedlichen Teilen besteht ein Akkordeon und aus verschiedensten Materialien. Vom Bienenwachs über das Holz bis hin zu Plastik werden die Bauteile punktgeschweißt oder gequetscht. Auf ein individuell angefertigtes Instrument kann man schon einmal bis zu acht Monate warten. Qualität und Handarbeit ist eben keine Massenfertigung.

Der Instrumentenbau lebt von der Leidenschaft. Tobias Kostuch ist eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker. "Aber das Akkordeon hat mich schon immer fasziniert. Meine erste CD ist deshalb natürlich von Hubert von Goisern", erzählt er. Selbst das Instrument zu erlernen, war bis vor fünf Jahren einfach zu teuer. Mit 24 hat er sich dann seinen Traum erfüllt und sich ein eigenes Akkordeon gekauft. Er hat Musikunterricht genommen und aus Interesse ein Praktikum beim Akkordeon-Centrum in Dachau gemacht. "Ich habe mich sofort mit allen gut verstanden, und so hab ich nach dem Praktikum dort angefangen zu arbeiten", sagt Kostuch. Seit eineinhalb Jahren arbeite er nun hier, erst habe er neben der Theorie über das Instrument hauptsächlich die Stimmtechnik übernommen. "Und jetzt gehe ich langsam immer mehr in die Produktion, wenn ich nicht gerade im Laden stehe und verkaufe", erzählt er und lacht.

Insgesamt arbeiten im Akkordeon-Centrum vier Instrumentenbauer, alle mit extrem guter Qualifikation, hohen Ansprüchen und der Liebe zum Instrument. Genau diese Faktoren machten die Qualität des Akkordeon-Centrums Brusch aus, meint Marcus Rompf. "Natürlich hoffen wir, dass wir auch in Zukunft ein gutes Echo von den Musikern bekommen", sagt Rompf. Tobias Kostuch wünscht sich vor allem eines: "Das Instrument muss weg von diesem Altherren-Klischee. Aber wir sind da auf einem guten Weg."

© SZ vom 08.04.2017
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