Cradle-to-Cradle, also von der Wiege zur Wiege, heißt der zukunftsweisende Kreislauf-Ansatz, der das Bauwesen revolutionieren soll. Noch ist dort das gegenteilige Prinzip Cradle-to-Grave die Regel, also von der Wiege ins Grab. Noch landen nach dem Abriss eines Gebäudes fast alle Baustoffe auf dem Müll.
Bei Haimhausens erstem großen Supermarkt wird das alles anders. Hier baut der auf Handelsimmobilien spezialisierte Regensburger Immobilienentwickler Ratisbona für Edeka den nach eigenen Angaben ersten recycelbaren Supermarkt in Europa. Das Gebäude ist komplett aus Holz, sämtliche anderen Baustoffe und Materialen sind zu 97 Prozent trennbar. Im Vergleich zu einem Massivbau soll die Konstruktion außerdem 95 Prozent CO₂ einsparen.

Erste Pläne für den nachhaltigen Supermarkt stellte Ratisbona schon 2022 im Haimhausener Gemeinderat vor, danach passierte zwei Jahre lang nichts. Im Januar vergangenen Jahres dann präsentierte der Immobilienentwickler eine konkrete Planung, Baubeginn sollte noch 2024 sein.
Letztlich ist im vergangenen Dezember dann nur der Oberboden abgeschoben worden, doch vergangenen Freitag lud Ratisbona die Haimhausener Bevölkerung zum Glüchwein-Umtrunk auf den Bauplatz ein. An die 100 Interessierte kamen.

Nicht weniger als „den ersten Supermarkt in Europa, der zu 100 Prozent recycelbar ist“, kündigte Sebastian Scheels, geschäftsführender Gesellschafter bei Ratisbona, an und fügte hinzu: „Sie werden noch einen triftigen Grund haben, auf diesen Markt stolz zu sein.“ Wann damit zu rechnen ist, erläuterte Julia Wesenjak, zuständig für Innovations- und Nachhaltigkeitsmanagement.
Sobald es die Witterung zulasse, gehe es auf der Baustelle weiter, kündigte Vesenjak an. Im Frühjahr beginnt der Aufbau des Holz-Gebäudes, im Juli folgen die Außenanlagen, die Eröffnung soll im kommenden September stattfinden.

Nicht nur der Bau steht im Zentrum des Nachhaltigkeitsstrebens, auch der Außenbereich soll Zeichen setzen. Hier lautet das Ziel maximale Artenvielfalt. Bis vor Kurzem war der Standort am südlichen Ortseingang von Haimhausen noch ein Acker, steht dort einmal der Supermarkt, soll auch Raum für die natürliche heimische Pflanzen- und Tierwelt sein. Geplant sind eine Fassadenbegrünung sowie Steinhaufen und Sonneninseln als Lebensraum für Insekten und Vögel. In den Grünflächen wird originales Samengut aus dem Dachauer Hügelland ausgebracht.
Zum Finanzierungsvolumen des Projekts wollte Frank Schlieder, bei Ratisbona auch zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, auf Nachfrage zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Nach der Ursache für die jüngsten Terminverzögerungen gefragt, machte er das innovative Konzept geltend. „Da hat es immer wieder noch Gutachten und Neuüberlegungen gebraucht“, erklärte er am Telefon.
Die Betreiber des künftigen Haimhausener Supermarkts waren am Freitag auch schon da. Die Kaufmannsfamilie Pirol schenkte gratis Glühwein und Kinderpunsch aus. Die Pirols aus dem Nachbarort Fahrenzhausen sind wohlbekannt, betreiben sie dort doch bereits seit Jahren einen Edeka-Markt.


