Umstrittenes Vorhaben in HaimhausenPläne für neues Wohnquartier treffen auf Denkmalschutz

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Im Kern stammt das Sudhaus der ehemaligen Schlossbrauerei aus dem 18. Jahrhundert.
Im Kern stammt das Sudhaus der ehemaligen Schlossbrauerei aus dem 18. Jahrhundert. (Foto: N.P.JOERGENSEN)
  • Die Gemeinde Haimhausen plant ein neues Wohnquartier mit 90 bis 100 Wohnungen auf dem leerstehenden Brauereigelände, nachdem 2019 die über 400-jährige Brautradition endete.
  • Das Landesamt für Denkmalpflege kritisiert den Bebauungsplanentwurf wegen zu dichter Bebauung, da sich zwei Baudenkmäler auf dem Gelände und drei weitere in direkter Nachbarschaft befinden.
  • Das denkmalgeschützte Sudhaus aus dem 18. Jahrhundert soll saniert und als Bürogebäude mit Café genutzt werden, die Schlossklause wird für öffentliche Zwecke vorgesehen.
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Der neue Eigentümer der alten Schlossbrauerei hat seine Pläne für das Ensemble von Baudenkmälern vorgelegt. Im Gemeinderat herrscht Begeisterung – doch das Landesamt für Denkmalpflege hat Einwände.

Von Alexandra Vettori, Haimhausen

Streng, fast Ehrfurcht gebietend schaut das alte Sudhaus auf die Dorfstraße herab. Im Kern stammt es aus dem 18. Jahrhundert und strahlt mit seinen vier Stockwerken einige Autorität aus. Ob das so bleibt, wenn der markante Bau erst einmal ein Bürogebäude mit Café geworden ist, wird sich in einigen Jahren zeigen. 1608 hatte Herzog Maximilian I. dem damaligen Schlossherrn zu Haimhausen, Theodor Viepeckh, das Privileg eingeräumt, ein Brauhaus zu errichten. 2019, die Schlossbrauerei hieß längst Haniel, endete die mehr als 400-jährige Brautradition aus Rentabilitätsgründen.

Seither haben sich einige Investoren an dem 1,3 Hektar großen Areal versucht, zuletzt der Immobilienentwickler Euroboden. Vor zwei Jahren ging das Grünwalder Unternehmen Pleite. Der Schreck war auch in Haimhausen groß, hatte man doch auf ein Ende der Industriebrache mitten im Ort gehofft. Dann trat voriges Jahr die Baugesellschaft Max von Bredow Baukultur an, sie hatte die Brauerei aus der Konkursmasse übernommen. Jetzt liegt ein Bebauungsplanentwurf auf dem Tisch: zehn Bauräume, Sudhaus inklusive, 90 bis 100 Wohnungen, Büros und besagtes Café; der Gemeinderat ist begeistert, Denkmalschützer nicht.

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Oft ist vom Filetgrundstück Brauereigelände gesprochen worden – nah am Dorfkern, verkehrsgünstig gelegen, aber eben mit dem Denkmalschutz als Entwicklungsbremse. Zwei Baudenkmäler stehen auf dem Gelände, das Sudhaus und die Schlossklause, drei in direkter Nachbarschaft, darunter ein Rokoko-Schloss.

Auch bei dem aktuell entstehenden Bebauungsplan hat das Landesamt für Denkmalpflege eine kritische Stellungnahme abgegeben, wegen zu dichter Bebauung. Und das, obwohl mit der Baufirma aus Kolbermoor ein Büro ans Werk geht, das auf historische Areale spezialisiert ist. Für den Klosteranger in Weyarn und die Alte Spinnerei in Kolbermoor hat das Unternehmen sogar Preise erhalten.

Derzeit entsteht ein Bebauungsplan für das leerstehende Brauereigelände mitten in Haimhausen.
Derzeit entsteht ein Bebauungsplan für das leerstehende Brauereigelände mitten in Haimhausen. (Foto: N.P.JOERGENSEN)

Die Lage des Baugrundstücks ist auf jeden Fall unschlagbar. Gleich nebenan steht zum Beispiel ein Schloss. Im Mittelalter war Haimhausen Hofmark, das aktuelle Schloss wurde ab 1660 erbaut und Mitte des 18. Jahrhunderts von François de Cuvilliés im Rokoko-Stil umgestaltet. Aktuell gehört es der Bavarian International School.

Zentrales Gebäude auf dem Areal ist das denkmalgeschützte Sudhaus. Es wird saniert und beherbergt künftig auf seinen rund 2400 Quadratmetern Nutzfläche Büros und Gewerbe. Im Erdgeschoss ist das Café geplant, noch steht hier die Steuerungsanlage der Brauerei, im Originaldesign der 1970er-Jahre.

Die Steuerungsanlage aus den 1970-er Jahren erinnert an ältere Folgen von Raumschiff Enterprise.
Die Steuerungsanlage aus den 1970-er Jahren erinnert an ältere Folgen von Raumschiff Enterprise. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Das zweite denkmalgeschützte Gebäude auf dem Grundstück ist die Schlossklause. Sie wurde um 1698 als Wohnhaus für den Schlosskaplan erbaut, ab 1860 war sie Gaststätte. Bis vor einigen Jahren servierte ein italienischer Wirt Pasta in stimmungsvollem Ambiente, seither steht das Gebäude leer. Im neuen Quartier soll es öffentlich genutzt werden. Alle Anbauten späterer Zeiten werden im Zuge der Sanierung abgerissen.

Seit einigen Jahren steht die Schlossklause leer.
Seit einigen Jahren steht die Schlossklause leer. (Foto: Toni Heigl)

Ungewöhnlich ist die Klausenkapelle, die um 1695 an die Schlossklause angebaut worden ist. Heute verdeckt dichter Bewuchs die Sicht auf die Kapelle, die in Besitz der früheren Brauereieigentümer und der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Die Klausenkapelle Maria Loreto, links zu sehen, wude im 17. Jahrhundert an die Schlossklause angebaut. Das Foto stammt aus dem Jahr 2007.
Die Klausenkapelle Maria Loreto, links zu sehen, wude im 17. Jahrhundert an die Schlossklause angebaut. Das Foto stammt aus dem Jahr 2007. (Foto: Toni Heigl)

Das Innere der Kapelle hat ein Eremit im ausgehenden 17. Jahrhundert geschaffen: Seitenwände, Sockel, Pilaster und Kranzgesims sind über und über mit Muscheln, Schuppen von Tannenzapfen, Baumrinde und Steinen verziert. Grotten mit Naturmaterialien waren eine Mode des Barock,  zu sehen auch in der Magdalenenklause in Nymphenburg. Der Haimhausener Hans Schertl behandelt in seinem Online-Lexikon zu den Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau auch die Klausenkapelle. Er nennt als Schöpfer den Klausner Norbert Scheidler.

Das Innere der Haimhausen Klausenkapelle ist komplett mit Tannenzapfen, Muscheln und Baumrinde verziert.
Das Innere der Haimhausen Klausenkapelle ist komplett mit Tannenzapfen, Muscheln und Baumrinde verziert. (Foto: Toni Heigl)
Ein Eremit hat den Schmuck aus Naturmaterialien angebracht.
Ein Eremit hat den Schmuck aus Naturmaterialien angebracht. (Foto: Toni Heigl)

Neben den beiden Denkmälern auf dem Gelände und dem Schloss daneben gibt es noch zwei weitere in direkter Nachbarschaft. An der Dorfstraße gleich gegenüber steht das Bruckmeier-Haus, um 1660 erbaut, auch Ledererhaus genannt. Der Jäger des Schlosses wohnte nur anfangs hier, von 1742 war es der Gerber, auch Lederer genannt.  1959 starb der letzte Gerber Haimhausens, Alois Bruckmeier.

Das Bruckmeier-Haus in Haimhausen.
Das Bruckmeier-Haus in Haimhausen. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Direkt an das Grundstück grenzt der ehemalige Reitstall des Schlosses an, in der Denkmalliste Luxusstall genannt. Schon früher wohnten hier nicht nur die herrschaftlichen Rösser, sondern im Obergeschoss auch Bedienstete. 1889 wurde das Ensemble fast komplett erneuert. Heute sind hier Wohnungen und Künstlerateliers.

Der „Luxusstall“ steht als Ensemble ebenfalls unter Denkmalschutz.
Der „Luxusstall“ steht als Ensemble ebenfalls unter Denkmalschutz. (Foto: N.P.JOERGENSEN)

Der Bebauungsplan würdigt die Denkmäler, davon ist der Haimhausener Gemeinderat überzeugt und weist die Bedenken des Landesamts für Denkmalpflege zurück. Das städtebauliche Konzept habe zum Ziel, den historischen Bestand sensibel weiterzubauen, heißt es in der gemeindlichen Stellungnahme.

Um den  Sudhausplatz ist ein neuer Platz geplant, das ganze Viertel soll weitgehend autofrei werden, dank einer Tiefgarage unter dem Gelände. Dazu sieht ein Mobilitätskonzept drei Carsharing-Fahrzeuge, fünf E-Lastenfahrräder und drei Pedelecs mit Anhängern vor, die nicht nur die Leute aus dem Quartier, sondern alle aus Haimhausen nutzen dürfen.

Schon früh hat die Bredow Baukultur angekündigt, sich bei den Neubauten an der ­typischen Architektur des Dachauer Landes zu orientieren, mit breiten Giebeln, steilen Dächern und symmetrischer Fenstersetzung. Die Fassaden sollen zwischen Putz und Holz wechseln, in sanften Farben und mit natürlichen Materialien. Die maximal dreigeschossigen Neubauten werden vom Sudhaus in Richtung Klause niedriger. Insgesamt, so heißt es in der gemeindlichen Stellungnahme, sei „den Belangen des Denkmalschutzes in besonderer und angemessener Weise Rechnung getragen“.

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