Die jüngste Kritik des Denkmalschutzes am neuen Viertel auf dem Gelände der ehemaligen Schlossbrauerei Haimhausen ist inzwischen in den Bebauungsplan eingearbeitet. Ende Februar hat der Gemeinderat den Entwurf einstimmig angenommen. Demnächst liegt er erneut und wohl zum letzten Mal öffentlich aus.
Besonders kritisch haben die Denkmalschützer im Dachauer Landratsamt die geplante Bebauung neben dem denkmalgeschützten Ensemble von Schlossklause und Klausenkapelle gesehen. Nach intensiven Gesprächen, so schreibt der Investor, die Firma Max von Bredow-Baukultur mit Sitz in Kolbermoor, in einer Mitteilung, habe man sich jetzt geeinigt.
So dürfen bei den beiden nächstliegenden Bauräumen an der südwestlichen Fassade keine auskragende Bauteile wie Balkone angebracht werden. Ferner wurde die zulässige Wandhöhe eines weiteren benachbarten Bauraums auf 8,30 Meter reduziert. Die übrigen neuen Gebäude bleiben bei einer Höhe von 10,30 Meter, was drei Vollgeschossen plus eines Dachgeschosses entspricht.

„Unser Anspruch war es von Beginn an, eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl den historischen Bestand respektiert als auch die städtebauliche Qualität des Quartiers stärkt. Dass dies nun im gemeinsamen Dialog gelungen ist, freut uns sehr“, betont Michael Sandbichler, Geschäftsführer der Max von Bredow-Baukultur, in der Mitteilung.
Die erste Brauerei an dieser Stelle entstand schon Anfang des 17. Jahrhunderts. 1608 erlaubte der bayerische Herzog Maximilian I. dem damaligen Schlossherrn in Haimhausen, ein Brauhaus zu errichten. 1892 kaufte Carl James Eduard Haniel das Haimhausener Schloss samt Brauerei, es war die Geburtsstunde der Haniel-Brauerei. Bis 2019 hatte das Bier aus Haimhausen eine treue Fangemeinde, dann wurde die Produktionsstätte aus Rentabilitätsgründen geschlossen, und das Gelände lag brach.
Rund 15 500 Quadratmeter ist das geplante Neubauviertel auf dem Areal der Schlossbrauerei groß. Hier sollen in zehn Bauräumen, das historische Sudhaus inklusive, rund 90 Wohnungen, Büros und Gastronomie unterkommen. Die beiden unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, die Schlossklause und das alte Sudhaus, werden saniert. Allein für das Sudhaus ist ein zweistelliger Millionenbetrag im Gespräch. Später kommen in das Sudhaus Büros, im Erdgeschoss ist ein Café oder Restaurant geplant. Die Schlossklause soll öffentlich genutzt werden.
Viel Wert legt die Planung der Max von Bredow-Baukultur auf die Freiräume im neuen Viertel. Das Gelände wird autofrei, geparkt wird in einer großen Tiefgarage, so bleibt mehr Platz für Grünflächen, Spielbereiche und Begegnungszonen. Die Fuß- und Radwege führen zwischen den Gebäuden hindurch, sodass Sichtachsen zu Sudhaus und Klause gewahrt bleiben. Die architektonische Gestaltung orientiert sich dabei an regionaltypischen Proportionen und Materialien des Dachauer Lands.
Mobilitätskonzept für alle
Das Mobilitätkonzept des Viertels sieht drei Carsharing-Fahrzeuge, fünf E-Lastenräder und drei Pedelecs mit Anhängern vor. Sie sollen nicht nur den künftigen Bewohnern und Bewohnerinnen zur Verfügung stehen, sondern der gesamten Bevölkerung von Haimhausen. Auch bei der Energieversorgung setzt das Projekt Maßstäbe, mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern, ressourcenschonender Holzbauweise und der geplanten Anbindung an ein regionales Hackschnitzelkraftwerk.
In den kommenden Wochen werden die überarbeiteten Planunterlagen erneut öffentlich ausgelegt. 14 Tage lang besteht dann die Möglichkeit zur Einsichtnahme und zur Abgabe von Stellungnahmen. Der Satzungsbeschluss ist für April vorgesehen.

