Jubiläum in der Bavarian International School:Schule der Vielfalt

Jubiläum in der Bavarian International School: Die Bavarian International School zeigt sich weltoffen.

Die Bavarian International School zeigt sich weltoffen.

(Foto: Toni Heigl)

Die Bavarian International School feiert 30-jähriges Bestehen - und bereichert mit ihrer Weltoffenheit die ganze Gemeinde.

Von Eva Waltl, Haimhausen

In einem zersplitterten Europa schreibt die Bavarian International School (BIS) in Haimhausen die Wörter Diversität und Gemeinschaft groß und macht sie zu ihrem Leitbild. Sie kreiert damit mitten im Landkreis Dachau einen Ort, der internationalen Geist versprüht. In diesem Jahr feiert die BIS ihr 30-jähriges Bestehen.

1990 wurde die Schule gegründet, 1991 eröffnet. Mit gerade einmal sechs Schülern. Heute zählt die Einrichtung etwa 1150 Schüler, davon besuchen 250 Kinder den zweiten Campus in der Leopoldstraße in München. Sie kommen aus mehr als 60 verschiedenen Nationen und werden von 170 Pädagogen aus 29 verschiedenen Nationen betreut. "Die Diversität, die wir in der Schülerschaft haben, soll sich auch in der Lehrerschaft wiederfinden", erklärt Schulleiterin Chrissie Sorenson. Als gemeinsame Sprache der Schüler und Lehrer gilt das Englische. Jeder soll sich verstanden und als Teil der Gemeinschaft fühlen. Das ist einer der Grundwerte der BIS. "Der Zusammenhalt an der Schule ist sehr groß", sagt Chrissie Sorenson. Dies sei eine Kultur, so die Schulleiterin, die an der Schule bewusst über die Jahre hinweg aufgezogen werden würde.

Jubiläum in der Bavarian International School: Schulleiterin Chrissie Sorenson legt großen Wert darauf, dass sich die Schüler mit verschiedenen Meinungen auseinandersetzen.

Schulleiterin Chrissie Sorenson legt großen Wert darauf, dass sich die Schüler mit verschiedenen Meinungen auseinandersetzen.

(Foto: Toni Heigl)

Wie funktioniert also der Alltag an einer Schule, an der sich so viele verschiedene Kulturen begegnen? Marko Mädge, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, überlegt kurz. Er selbst ist erst seit etwa zwei Jahren an der internationalen Schule tätig und kommt aus dem standardisierten Schulsystem. Er sei seit dem ersten Tag "fasziniert und begeistert", wie die Kinder verschiedener Nationen und Sprachen miteinander umgehen. Gemeinschaft ist möglich - vorausgesetzt es herrscht gegenseitiger Respekt und Toleranz. "Die Kinder hinterfragen den Umgang miteinander nicht, sondern leben in einer Natürlichkeit und Offenheit miteinander", so Mädge.

Der Lehrplan, der gezielt Gruppenarbeit und gemeinsames Erarbeiten fördert, unterstützt diesen Trend und zeigt den Kindern, dass sie gemeinsam stärker sind. Schon die räumliche Anordnung der Klassenzimmer bringt die Schüler näher zusammen: "In einem klassischen deutschen Klassenzimmer sitzen die Schüler in einer Reihe und hören zu, hier sitzen sie an runden Tischen, auf einem Sofa oder auf dem Thema und denken gemeinsam über etwas nach", erklärt Mädge.

Ein solches Umfeld scheint kein Ort für Mobbing zu sein, wie man das von anderen Schulen kennt. "Natürlich gibt es bei uns wie auch an anderen Schulen hie und da Zwischenfälle", alterstypisches Gezanke, sagt Sorenson, aber die Kinder würden sich vielmehr füreinander einsetzen und zeigen, dass für Mobbing oder Vorurteile an der Schule kein Platz sei, so die Schulleiterin. Darauf sind die beiden besonders stolz.

Der Lehrplan setzt genau dort an und vermittelt den Kindern ein Wissen, das nicht nationalitätenspezifisch ist, sondern Ländergrenzen übertritt. Es geht darum, Diversität auch zu leben. "Sie entwickeln Verständnis für unterschiedliche Denkweisen", erklärt die Schulleiterin. Dies sei ein besonders kostbarer Wert, den die Kinder auch in das nachschulische Leben mitnehmen würden. "Wir fordern Offenheit an der Schule. Das heißt nicht, dass die Schüler alles gut finden müssen, aber sie müssen bereit sein, in den Dialog zu treten und sich mit verschiedenen Meinungen auseinanderzusetzen", so Sorenson. Auch die Biografie der Schulleiterin selbst steht für Internationalität: Sie ist in Ohio in den USA geboren, aufgewachsen mit einer deutschen Mutter und einem kanadischen Vater, und lebt heute in München. Ihr Deutsch ist fließend.

Jubiläum in der Bavarian International School: Zeit zu Feiern: Die diesjährigen Absolventen der BIS werfen ihre Hüte in den Himmel.

Zeit zu Feiern: Die diesjährigen Absolventen der BIS werfen ihre Hüte in den Himmel.

(Foto: Toni Heigl)

Im September feiert die BIS ihr 30-jähriges Bestehen und blickt auf viele besondere Momente zurück. Die größte Herausforderung sei im Laufe der Jahre stets gewesen, sagt Sorenson, auch mit steigender Schülerzahl weiterhin eine Familie zu bilden und Schülern sowie deren Eltern den Umzug in den Großraum München zu erleichtern. Mädge erklärt, wie wichtig und vorteilhaft hierbei die Willkommenskultur der Schule sei: "Es geht um gegenseitige Hilfe, um den Neuanfang zu vereinfachen", so Mädge, und das würde auch gelingen. Für die Zukunft wünschen Sorenson und Mädge dennoch mehr Förderung. Obgleich "der Landkreis Dachau wahnsinnig kooperationswillig" sei, gibt es bei dem Förderungskonzept Handlungsbedarf. Dies hänge vor allem mit der uneinheitlichen Förderungsregelung in Deutschland zusammen, erklärt Mädge. Die Schule wird finanziert über das Schulgeld der Eltern und über Förderungen der Regierung von Oberbayern. "Hätten wir mehr Fördermittel, hätten wir mehr weiterbringen können", ergänzt Sorenson.

Die Nähe zu München macht den Standort Haimhausen besonders attraktiv. "Die BIS hat eine so hohe Bedeutung für den Wirtschaftsstandort München, weil dieser darauf angewiesen ist, dass die Experts, Fachkräfte, Führungskräfte, Topmanager aus aller Welt in die Region kommen", erklärt Mädge. Viele dieser Experten würden meist sogar zuerst den Schulvertrag, dann den Arbeitsvertrag unterschreiben. Das wirke sich auch positiv auf die Gemeinde Haimhausen aus, erklärt Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU): "Viele Eltern entscheiden sich bewusst für Haimhausen als Wohnort, weil die Kinder die BIS besuchen können." Er sei glücklich, die internationale Schule im Ort zu haben, die das Gemeindeleben "sehr bereichert." Schlendert man durch Haimhauser Geschäfte, erzählt er, höre man überall verschiedene Sprachen und das sei eine "wunderbare Tatsache", findet der Bürgermeister.

© SZ vom 31.08.2021
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