Haimhausen:1471 Unterschriften gegen "Monstertrasse"

Lesezeit: 2 min

Haimhausen: Die geplante Trasse könnte, so die Angst der Bürgerinitiative, könnte einen massiven Eingriff in die Landschaft darstellen.

Die geplante Trasse könnte, so die Angst der Bürgerinitiative, könnte einen massiven Eingriff in die Landschaft darstellen.

(Foto: Toni Heigl)

Eine Haimhauser Bürgerinitiative befürchtet einen starken Schaden für Landschaft durch das Vorhaben des Netzbetreibers

Von Carla Behnke, Haimhausen

Die Bürgerinitiative "Interessensgemeinschaft gegen die Starkstromtrasse Nord" (IGM) engagiert sich seit mehr als einem Jahr gegen den Bau einer neuen Stromtrasse bei Haimhausen. Am Mittwochnachmittag überreichten die Mitglieder der Initiative Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU) insgesamt 1471 gesammelte Unterschriften gegen das Bauvorhaben. Denn sie sind überzeugt: Der Schaden für die Landschaft wäre enorm.

Die Nordtrasse ist eine von zwei Optionen, wie Strom zukünftig von Oberbachern bis Ottenhofen transportiert werden soll. Die Leitungen müssen dafür durch neue, leistungsstärkere ersetzt und die Masten müssten neu gebaut werden. Dabei handelt es sich um einen Ersatzneubau; "das heißt, die künftige Trasse verläuft voraussichtlich weitgehend parallel zur bestehenden," so der Netzbetreiber Tennet auf seiner Homepage. Im Bereich zwischen Haimhausen und Inhausen gibt es dabei zwei Möglichkeiten, wie die neue Trasse genau verlaufen könnte: Gegen die nördliche Option - von der Bürgerinitiative "Monstertrasse" getauft - wehren sich die Haimhausener und Einwohner von Deutenhausen, einem Ortsteil von Eching, der ebenfalls betroffen wäre. Sprecher der Initiative Michael Kausch betont, dass die Notwendigkeit eines Ausbaus der Bestandstrasse nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Man wehre sich "nur sehr massiv gegen den erstmaligen Eingriff einer bislang weitgehend unverbauten Landschaft".

Einer der wichtigsten aus Sicht der IGM ist, dass die neue Trasse ein extremer Eingriff in die dortigen Landschaftsschutzgebiete und damit ein gut erreichbares Naherholungsgebiet seien. "Wir könnten künftig auch nicht mehr so wundervoll auf die Münchner herunterschauen," scherzt Kausch. Ernster fährt er fort, dass dies das "wichtigste Portal" der Gemeinde sei. "Das ist die Eingangstür, die Haustür von Haimhausen."

Haimhausen: Übergabe der Unterschriftenliste an Bürgermeister Felbermeier (Mitte).

Übergabe der Unterschriftenliste an Bürgermeister Felbermeier (Mitte).

(Foto: Toni Heigl)

Die 85 Meter hohen Stromkreuze, fast doppelt so hoch wie der Kirchturm der Gemeinde, würden dies zerstören. Vor allem, weil die Trasse am Hang geplant ist und damit von vorne herein höher würde, als bei der Südvariante. Dazu kommt, dass für die Nordtrasse drei Masten mehr benötigt werden. Allein deshalb könnte, nach Rechnung der Bürgerinitiative, 1500 Quadratmeter mögliche Wiederaufforstungsfläche anfallen, während mit der Nordtrasse "heute noch intakte Landschaften verschandelt" werden würden. Das wäre besonders schwerwiegend, da Haimhausen unter großen Siedlungs- und Zuzugsdruck leidet, so Bürgermeister Felbermeier.

Als "Schlag ins Gesicht" sieht er die Pläne von Tennet. Der Gemeinderat war zu Beginn davon ausgegangen, dass ein Ersatzneubau nur bedeute, dass die neue Leitung "50 Meter, vielleicht 100 daneben" wandern würde. Diese Version der Trasse aber stellt für ihn einen eindeutigen Eingriff in die Planungshoheit der Gemeinde dar. "Ich musste mich erst einmal hinsetzen und schwer durcharbeiten." Es könne zwar niemand sagen, wie Haimhausen in 85 Jahren aussehe, die Stromleitungen aber hätte darauf auf jeden Fall einen massiven Einfluss. "Wir können nur in diese Richtung wachsen," so Felbermeier.

Wichtiger Faktor ist außerdem, dass ein zweiter Netzbetreiber wohl ohnehin die Südtrasse braucht. Selbst wenn die Nordtrasse so gebaut wird, wie geplant, bleiben die alten Masten, die sehr nah an der geplanten Südtrasse stehen. "Das geht nicht. Man hat uns versprochen, eine kommt und eine geht."

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi ist bei der Übergabe der Unterschriften anwesend und sichert den Initiatoren seine Unterstützung zu. Die nächste Aktion, die die Bürgerinitiative geplant hat, ist eine Fahrraddemo am 5. September: vom Rathaus bis zur geplanten Trasse wollen sie fahren. Ursprünglich geplant gewesen war, einen Ballon auf die Höhe der Stromkreuze steigen zu lassen, um die Höhe zu demonstrieren - das hat allerdings die Flugsicherung verboten.

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