Bildung:Schulen hoch zwei

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Josef-Effner-Gymnasium

Am Josef-Effner-Gymnasium (JEG) könnte es bald eng werden: Nicht nur die regulären Schülerinnen und Schüler werden das JEG ab dem Schuljahr 2022/23 besuchen, sondern auch Vorläuferklassen des zukünftigen Karlsfelder Gymnasiums.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die beiden neuen Landkreisgymnasien in Karlsfeld und Röhrmoos sind noch gar nicht gebaut, zumindest das Karlsfelder Gymnasium hätte aber formal im kommenden Jahr am Josef-Effner-Gymnasium schon gegründet werden sollen. Doch das Bildungsministerium verfolgt andere Pläne

Von Jacqueline Lang, Dachau

Obwohl die beiden neuen Landkreisgymnasien erst zum Schuljahr 2025/26 bezugsfertig sein werden, beschäftigen die Schülerinnen und Schüler, die dort einmal zur Schule gehen sollen, den Landkreis schon jetzt. Doch anders, als es der im Sommer geäußerte Wunsch der Kreisrätinnen und Kreisräte gewesen war, wird es im kommenden Jahr nun doch keine formale Gründung des Karlsfelder Gymnasiums am Josef-Effner-Gymnasium geben. Das Bildungsministerium wünscht sich stattdessen, wie auch sonst in solchen Fällen üblich, sogenannte Vorläuferklassen. Man kommt dem Landkreis aber zumindest insoweit entgegen, als dass diese nicht erst ein Jahr vor Schuleröffnung gegründet werden können, sondern schon im kommenden Jahr und damit insgesamt drei Jahre früher. "Das ist ein Plan, mit dem alle Beteiligten leben können", sagte Albert Herbst, Sachgebietsleiter Kreissschulen und ÖPNV in der jüngsten Schul- und Kreisausschusssitzung.

Doch wie kann man sich das Vorhaben konkret vorstellen? Schülerinnen und Schüler, die einmal das Karlsfelder Gymnasium besuchen sollen, werden vorübergehend am Josef-Effner-Gymasium (JEG) unterkommen, jene die einmal das Röhrmooser Gymnasium besuchen sollen, kommen vorübergehend am Indersdorfer Gymnasium (GMI) unter. Und obwohl sich die Landeshauptstadt am Bau des Karlsfelder Gymnasiums beteiligt, sollen Münchner Kinder nur dann berücksichtigt werden, wenn in den entsprechenden Eingangsklassen noch freie Kapazitäten vorhanden sind. Eine "förmliche Errichtung" der Gymnasium wird es aber in jedem Fall erst geben, wenn die Schulgebäude auch tatsächlich bezugsfertig sind. Immerhin: Schon im August 2024 sollen zwei neue Schulleitungen benannt werden.

Herbst hält den Beschluss des Ministerium zumindest für die Dauer von drei Jahren und mit dem entsprechenden zeitlichen Vorlauf für "zumutbar", auch wenn er logistisch aufwendig ist. Denn er gibt zu bedenken, dass das JEG die Außenstellen in der Stein- sowie Liegsalzstraße weiter wird nutzen müssen. In der Folge muss der Volkshochschule allerdings gekündigt werden. Diese nutzt gerade Räumlichkeiten in der Steinstraße. Zudem wird eine Umsiedlung des Contact Tracing Teams (CTT), notwendig sein. Idealweise ist eine Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten bis dahin aber ohnehin nicht mehr notwendig. Am GMI werden aufgrund des "fehlenden Raumpuffers" voraussichtlich spätestens ab dem Schuljahr 2023/24 sogenannte Wanderklassen eingeführt werden müssen. So nennt man Klassen, die nicht über ein eigenes Klassenzimmer verfügen, sondern immer den Raum wechseln müssen. Auch das Ganztagsgebäude wird wohl mitgenutzt werden müssen. An beiden Gymnasium, auch davon geht Herbst aus, wird die Verwendung externer Turnhallen nötig werden, bei der Nutzung von Fachräumen wird es wohl zu Einschränkungen kommen.

Und was ist mit dem Ignaz-Taschner-Gymnasium (ITG), könnte man nun fragen. Tatsächlich haben sich die Verantwortlichen aber ganz bewusst dafür entschieden, dass ITG nicht noch weiter zu belasten. Immerhin hat das Dachauer Gymnasium bereits in diesem Schuljahr Rekordzahlen bei den Neuanmeldungen erreicht, die selbst den erfahrenen Sachgebietsleiter Herbst überrascht haben. Und man dürfe, auch das sagte Herbst, ja auch nicht vergessen, dass mit der Wiedereinführung von G 9 dann ein zusätzlicher kompletter 13. Jahrgang Platz brauchen wird. Damit das gewährleistet werden kann, wird das ITG schon ab dem kommenden Schuljahr nur noch Kinder aus Dachau aufnehmen. Einzige Ausnahme: Wenn ein Kind bereits das ITG besucht, dürfen auch die Geschwister weiter dort zur Schule gehen.

Für alle anderen gilt: Kinder, die derzeit die Grundschulen in der Karlsfelder Krenmoos- wie Schulstraße besuchen, werden von JEG aufgenommen, mit ihnen werden dann die Vorläuferklassen für das zukünftige Karlsfelder Gymnasium gebildet. Grundschulkinder aus Erdweg, Haimhausen, Petershausen, Röhrmoos und Weichs werden vom GMI aufgenommen, wobei jene aus Haimhausen, Petershausen und Röhrmoos später ans Röhrmooser Gymnasium wechseln sollen. Kinder aus den Gemeinden Hebertshausen, Schwabhausen, Bergkirchen und Odelzhausen können jeweils eines der beiden Gymnasien wählen, im Falle der Hebertshausener Kinder sollen diese aber dann später ans Röhrmooser Gymnasium wechseln. Münchner Kinder sollen gegebenenfalls ebenfalls am JEG unterkommen und damit die Vorläuferklassen des Karlsfelder Gymnasiums auffüllen. Berücksichtigt werden dabei vornehmlich Kinder, die derzeit die Verbandsgrundschule in Karlsfeld besuchen. Allerdings, das schickte Herbst hier vorweg: "Man wird immer abwarten müssen, wie es nach den Anmeldungen ausschaut." Ein paar Unbekannte hat die Planung also ohnehin noch.

Wer sein Kind am ITG anmelden möchte, weil es dort eine wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildungsrichtung gibt, den muss Herbst enttäuschen: Dies sei kein ausreichender Grund, weil er erst ab der achten Jahrgangsstufe ins Gewicht falle. Anders fällt die Entscheidung für den musischen Ausbildungsrichtung aus, die ab dem Schuljahr 2022/23 am GMI eingerichtet werden soll. Dies sei ein "Alleinstellungsmerkmal", das zur Aufnahme von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus dem ganzen Kreisgebiet berechtige.

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