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Günter Vorpagel hat den Krebs besiegt:Der Kämpfer

Vor zwei Jahren erhielt Günter Vorpagel aus Ebersbach eine niederschmetternde Diagnose: akute Leukämie. Doch der damals 50-Jährige gab nicht auf.

Günter Vorpagel im Garten seines Hauses in Ebersbach in der Gemeinde Weichs. Er hat eine schwere Krankheit überstanden und schaut heute zuversichtlich in die Zukunft.

(Foto: Toni Heigl)

Das Jahr 2015 war für Günter Vorpagel aus Ebersbach und seine Ehefrau Annett die bislang schlimmste Zeit ihres Lebens. Denn im März vor zwei Jahren erhielt der damals 50-jährige Familienvater eine niederschmetternde Diagnose: akute Leukämie. Darauf folgten viele schmerzreiche Wochen im Klinikum Großhadern in München, in denen Vorpagel drei Chemotherapien über sich ergehen lassen musste. Gleichzeitig begann die Suche nach einem geeigneten Spender, denn die letzte und einzige Überlebenschance für den Ebersbacher war eine Stammzellen-Transplantation. Heute blickt Günter Vorpagel auf eine schreckliche Zeit zurück, aber er hat seine Lebenskrise gemeistert und ist gestärkt daraus hervorgegangen. Das bringt ihm viel Bewunderung ein. Jährlich erkranken etwa 4000 Menschen in Deutschland an Leukämie.

Bei einer von Familie und Freunden organisierten Spendeaktion im Weichser Feuerwehrhaus hatten sich 884 Bürger aus dem Landkreis im Sommer 2015 typisieren lassen. Die Auswertung der Blutproben dauerte einige Wochen, bis die Werte in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aufgenommen wurden. Zudem spendeten die Besucher 10 000 Euro für die DKMS, die für die Kosten der Typisierung verwendet wurden. Aus dieser weltweit vernetzten Spenderdatei konnte schließlich ein Spender ermittelt werden, der die optimalen Voraussetzungen erfüllte. Die Transplantation verlief gut für Vorpagel, nach mehreren Wochen konnte er das Münchner Klinikzentrum verlassen. Wichtig für die Genesung war es vor allem, die Anweisungen der Ärzte genau zu befolgen, um das belastete Immunsystem seines Organismus nicht weiter zu gefährden.

Und wie geht es heute dem einstigen Leukämiepatienten gesundheitlich? "Die Zeit vor und nach der Stammzellspende war sehr anstrengend, mit Höhen und Tiefen, Hoffen und Bangen. Aber jetzt ist es geschafft - ich habe den Krebs besiegt!", erklärt Günter Vorpagel der Süddeutschen Zeitung. Er fühlt sich "soweit ganz gut, allerdings gibt es immer wieder Tage, wo es schlechter ist". Die Ärzte im Klinikum Großhadern seien dennoch sehr zufrieden mit seinen Werten. Deshalb brauche er inzwischen nur noch im Abstand von einem halben Jahr zur Nachuntersuchung, erklärt der 52-Jährige. Zur Zeit müsse er lediglich Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen. "Das ist die einzige Nebenwirkung, die ich seither habe." Aus ärztlicher Sicht gebe es keinerlei Einschränkungen mehr, sodass er wieder alles essen und trinken darf. "Seit einiger Zeit sogar wieder Weißbier, vor allem wenn es so heiß ist wie jetzt", freut sich Vorpagel über die wieder gewonnene Lebensqualität.

Neue Lebenseinstellung

Klar, dass sich sein Leben nach den wochenlangen Klinikaufenthalten mit den schmerzhaften Nebenwirkungen von Chemotherapien und der Transplantation verändert hat. "Man bekommt bei den kleinsten Anzeichen einer Krankheit Angst, dass der Blutkrebs erneut ausbrechen könnte. Jetzt hört man besser auf seinen Körper", sagt er. Mit seiner Heilung hat sich auch seine Lebenseinstellung geändert. Seitdem versuche er, bewusster zu leben, die Zeit mit seiner Familie und Freunden noch mehr zu genießen. Zur Familie gehört seit gut einem Jahr seine Enkeltochter Mina, an der Vorpagel sehr viel Freude hat. Während seiner Krankheit habe er noch klarer erkannt, "wie dankbar ich sein kann, meine Ehefrau, die Söhne und gute Freunde zu haben, auf die ich mich immer verlassen kann, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist".

Damit Vorpagels Asbestentsorgungsbetrieb auch während seiner Krankheit weitergeführt werden konnte, haben sich die beiden Söhne Christian und Kevin in ihrer Freizeit, am Wochenende und während ihres Urlaubs eingesetzt. Auch viele Freunde, Nachbarn und Ebersbacher Bürger hatten sich zur ehrenamtlichen Mitarbeit bereit erklärt. Im Januar 2016 trat Sohn Christian als Vollzeitkraft in den Betrieb ein. Seit Mai 2016 ist auch Günter Vorpagel wieder ins Arbeitsleben zurückgekehrt. Dabei habe ihm der Einsatz seiner Söhne gemeinsam mit Angestellten und Freunden sehr geholfen, schneller wieder fit zu werden und in den Arbeitsalltag zurückzufinden.

Vorpagel würde gerne seinen Stammzellenspender treffen

Als Dank für alle Freunde und Bekannte, die ihm in der schwersten Zeit seines Lebens beigestanden haben, hat Vorpagel bereits zu einer Mega-Party eingeladen mit seinem großen Idol DJ Matty Valentino. Ein großes Anliegen von ihm ist es, seinen Stammzellen-Spender kennenzulernen. Inzwischen sei die Datenschutzfrist von zwei Jahren abgelaufen und somit stehe einem Treffen nichts im Wege. Er würde sich jedenfalls riesig darüber freuen, wenn der Spender einer Begegnung zustimmt. Bislang wisse er nur, das der junge, mittlerweile 25-jährige Mann im Klinikum Ulm seine lebensrettenden Stammzellen gespendet hat.

Bereits vor der Krebsdiagnose war das gemeinsame Hobby von Annett und Günter Vorpagel das Reisen in ferne Länder. Nach der Genesung haben die Eheleute schon wieder New York und Las Vegas besucht. Und das nächste Reiseziel im Frühjahr 2018 steht auch schon fest: Thailand. Für die aktuell an Leukämie erkrankte Patrizia Hierzer aus Markt Indersdorf und alle anderen Blutkrebs-Patienten gibt Vorpagel diesen Ratschlag mit auf ihren schweren Weg: "Niemals den Kopf hängen lassen und nur nach vorne schauen, auch wenn es noch so aussichtslos ist, nie aufgeben zu kämpfen."