Grundwasser in Karlsfeld Zittern vor dem nächsten Regen

Karlsfelds Keller stehen schon wieder unter Wasser.Die Kläranlage arbeitet am Limit. Und nun sind auch noch Schauer angesagt.

Von Gregor Schiegl

Die ersten Keller in Karlsfeld stehen schon wieder unter Wasser. Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage ist der Grundwasserspiegel gestiegen. Die Messstelle im Ortsteil Rothschwaige meldete am Mittwoch einen Pegel von 0,49 Metern unter der Oberfläche, was nicht mehr sehr weit entfernt ist von der Allzeit-Rekordmarke vom August 2010. Damals liefen vielen hundert Karlsfeldern die Keller voll, auch Alteingesessenen, die zuvor noch ein Problem mit dem hohen Grundwasserstand gehabt hatten. Am Freitag sank der Wert wieder auf 0,61 Meter. "Ich hoffe, dass sich die Situation wieder entspannt", sagt Werksleiter Walter Kinast.

Die Gemeinde ist in Alarmbereitschaft: "Aufgrund der letzten schweren Regenfälle ist ein starker Anstieg des Grundwassers in Karlsfeld zu beobachten", hieß es am Freitag auf ihrer Homepage. "Da die Wetterprognose der nächsten Tage auch wieder Regenfälle vorhersagt, könnte das Grundwasser wieder in kritische Bereiche steigen."

Rosige Aussichten sind das nicht.

Walter Kinast hat dieser Tage schon eine ganze Reihe von Häusern gesehen, aus denen Schläuche auf die Straße gehen. Einige Karlsfelder müssen jetzt schon ihre Keller auspumpen - und sie pumpen das Wasser einfach auf die Straße. In Karlsfeld ist das eigentlich verboten. "Wir haben kein Mischsystem wie die Dachauer", sagt Kinast. Karlsfelds Kanal sei ein reiner Schmutzwasserkanal. Alles was vom Dach oder von der Regenrinne komme, müssten die Bürger im Boden versickern lassen. Aber wie soll das gehen, wenn die Sickerschächte voll sind?

Peter Oberbauer ist Leiter der Karlsfelder Kläranlage. Bei ihm kommt gerade sehr viel Wasser an "und zwar glasklares Wasser" - ein Indiz darauf, dass auch gerade viel in den Kanal läuft, das dort nicht hineingehört. Die drei Förderschnecken pumpen Tag und Nacht. Normalerweise ist nur eine im Einsatz, und selbst die drei reichen jetzt nicht aus. "Das Wasser staut sich schon zurück", sagt Oberbauer. Aber noch ist das alles kein Problem. "Wir kriegen das Wasser ganz gut weg." Wenn es nur nicht wieder aufkommt wie im August 2010. 60 Liter seien damals über Nacht pro Quadratmeter niedergegangen. "Es soll jetzt bitte nicht noch mal so regnen." Dann könnte es wirklich eng werden.

Wenn zusätzlich auch noch Wasser aus den Kellern auf die Straße gepumpt wird, kann die Straßenentwässerung überlaufen - und in den Kanal schwappen. Dann gerät das System wirklich unter Druck, und nicht nur sinnbildlich: Wer kein funktionierendes Rückstauventil hat, muss sich darauf gefasst machen, dass sich sein Keller in ein stinkendes Klärbecken verwandelt.

Bislang ist das eher selten geschehen, weshalb die Gemeinde auch auf Kontrollen verzichtete. Aber jetzt, da sich die Fälle häufen, zieht die Gemeinde die Zügel an: Alle zehn Jahre müssten die Bürger künftig nachweisen, dass ihre Rückstauventile funktionstüchtig sind, sagt Walter Kinast. Recht viel mehr kann die Gemeinde wohl auch nicht tun.

Wenn die Keller voll laufen, stehen in der Gemeinde die Telefone nicht mehr still. Immer wieder muss sich Kinast anhören, dieses oder jenes Bauvorhaben sei schuld am steigenden Grundwasserpegel. Oder der Kanal sei zu klein gebaut worden. Was der Werkleiter gar nicht abstreiten will. Aber wer hätte vor 50 Jahren ahnen können, dass sich das Klima so wandeln würde, dass sich extreme Niederschläge häufen? "Karlsfeld hat nichts falsch gemacht", sagt Kinast. Und wer jetzt einen Kanalausbau fordere, müsse wissen, wer das bezahlt: die Karlsfelder Bürger nämlich. Und zwar über ihre Gebühren. Das will auch wieder keiner.

Im Haus, das noch seine Eltern gebaut haben, hatte Kinast vor einem Jahr selbst zum ersten Mal Wasser. Heute, sagt er, würde man so nicht mehr bauen. Was also tun? "Wir werden mit dem Wasser leben müssen", sagt Kinast. Er habe seinen Kellerboden fliesen lassen, die Möbel darin stünden jetzt auf Füßen.