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Kultur in der Pandemie:Mehr als eine Anregung fürs Hirn

Neujahrsempfang

Beate Walter-Rosenheimer ist Bundestagsabgeordnete für die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau für die Grünen. Beim Frühjahrsempfang ihrer Partei setzt sie sich für Künstler ein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei ihrem Frühjahrsempfang mit Claudia Roth richten die Grünen den Blick auf Kreative

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck/Dachau

Es gibt nicht viele Menschen, die gleichzeitig überbordende Lebensfreude ausstrahlen und tiefste Verärgerung ausdrücken können. Die Grüne Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ist so ein Typ, wie sie beim Online-Frühjahrsempfang des Kreisverbandes ihrer Partei unter dem Motto: "Es grünt so grün", einmal mehr unter Beweis gestellt hat. Es war ein Abend, an dem die Grünen sich selbst feiern konnten und zugleich den politischen Gegner attackiert haben. Vor allem aber ging es um den Zustand der Kultur- und Kreativwirtschaft und die Sorgen der Künstler. Mehrere Kulturschaffende gaben eine Kostprobe ihres Könnens und einen Einblick in ihre aktuelle Situation.

Zum Auftakt präsentierte die Germeringer Stadträtin und Autorin Sophie Schuhmacher einen Poetry-Slam-Text, in dem sie zuerst mit dem Mythos des einigen, glücklich-paradiesischen Deutschlands vor der Flüchtlingskrise aufräumt, um dann für Vielfalt und Buntheit zu plädieren. "Wir sind nicht alle gleich und das finde ich ziemlich schön."

Kunst und Kultur seien nicht nur Balsam für die Seele und Anregung fürs Hirn, sondern eine wichtige Säule der Demokratie, betonte die Gastgeberin und Bundestagsabgeordnete für Dachau und Fürstenfeldbruck Beate Walter-Rosenheimer. "Kulturinteressiert zu sein, heißt neugierig zu sein, offen für neues, Kunst kann auch provozieren, verstören, abstoßen, Kunst regt Nachdenken an oder hält davon ab." Gerade in diesen Zeiten, in denen man nicht viel mehr machen könne, als ab und an mal einen Spaziergang zu unternehmen, während man sich vielleicht um geliebte Menschen und die eigene Existenz sorge, sei Kultur unverzichtbar. "Wie lange die Grenzen zu diesen Welten noch geschlossen sind, diese Frage wird jeden Tag lauter. Die Leute wollen Stück für Stück ihr Leben zurück", so Rosenheimer. Ihm fehle vor allem ein gelebter Pragmatismus, sagte der Kabarettist Jürgen Kirner. Auch in Corona-Zeiten sei es möglich, Kultur und Gastronomie zumindest ein Stück weit zu ermöglichen. "Wir können so nicht existieren, viele Künstler wandern bereits ab, andere haben Suizidgedanken. Es zerbrechen Ensembles, so vieles geht den Bach runter. Wir brauchen die Möglichkeit, wieder im realen Leben anzukommen, ich hoffe, dass sich schnellstens etwas ändert und der Druck größer wird", sagte Kirner nachdrücklich. Gerade von den Oppositionsparteien wie den Grünen erwarte er konkrete Lösungsansätze und eine kritische Begleitung der Maßnahmen.

Dass Kultur nicht nur in den großen Städten stattfindet, sondern auch außerhalb eine wichtige Bedeutung hat, unterstrich Kreiskulturreferentin Christina Claus. "Ich bin so oft bei Veranstaltungen in kleinen Orten im Landkreis eingeladen, nach denen man sich denkt, das war jetzt so hinreißend und toll. So etwas schaffen nicht nur die Städte."

Die große Politik war dann das Thema von Claudia Roth. Von einem "frühlingshaften Sonntag" spricht sie mit Blick auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, an dem "Grün ganz unglaublich stark nach oben gewachsen ist". Dabei sei es auch um die politische Kultur gegangen, um Anstand, Integrität und Moral. "Es geht um Empathie für die Menschen und nicht für den eigenen Geldbeutel." Die ruchlose Bereicherung, die mehreren Unionspolitikern in der Maskenaffäre vorgeworfen wird, habe großen Schaden angerichtet. "Das sind keine Einzelfälle, weil es das System ist bei der CDU/CSU. Es ist der schwarze Filz, der da lebt", kritisierte Claudia Roth die Union scharf.

© SZ vom 23.03.2021
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