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Grünanlagen:Blumen statt Steine

Zugepflasterte Flächen oder einfach ein Baum mit Rasen: Einige Kreisverkehre in Karlsfeld sind ziemlich trist gestaltet. Die SPD setzt sich für blühende Anlagen ein, in denen Insekten Nahrung finden

Einige Kommunen haben große Kunstwerke auf dem Kreisverkehr stehen, andere sind stolz auf eine gigantische Blütenpracht oder ihr Gemeindewappen, aber es gibt auch Kreisel, die einfach zugepflastert wurden und fast schon wie ein merkwürdiges Kreuzungshindernis wirken - so zum Beispiel an der Karl-Theodor-/Ecke Ludwigstraße in Karlsfeld. Auch das große gewölbte Rund hinter dem Rewe-Markt, an dem sich Bayernwerk- und Hochstraße kreuzen, lässt durchaus noch Raum zur Gestaltung offen. In der Mitte des Kreisels steht ganz sachlich ein Baum und drumherum wächst viel Rasen. Die Karlsfelder SPD hat nun einen Vorstoß gemacht. Sie wünscht sich eine Neugestaltung von Kreisverkehren und Grünanlagen, auch von kleinen Streifen am Straßenrand. Den Genossen geht es dabei allerdings nicht nur um die Optik, sondern auch darum, einen Beitrag für den Naturschutz zu leisten. Das viel beklagte Insektensterben hat die SPD aufgerüttelt. Deshalb hat die Fraktion einen Antrag gestellt, dass man die Grünflächen in Karlsfeld so gestaltet, dass Bienen und andere Insekten dort Nahrung finden können. Mehrjährige, naturnahe Blumenwiesen wären zum Beispiel dazu geeignet, schlägt die SPD vor.

Bis 2010 wurde in Karlsfeld jedes Jahr ein Sommerflor gepflanzt, erinnerte der stellvertretende Bauhofleiter Wolfgang Keller im jüngsten Bauausschuss. Doch das sei sehr kostenintensiv gewesen, sodass der Rat sich damals aus Spargründen dazu entschied, auf die Blütenpracht zu verzichten. Alle Kreisverkehre im Ort neu anzulegen, wie es sich die SPD vielleicht vorgestellt habe, sei jedoch momentan nicht möglich, erklärte Keller sogleich. "Der Zeitaufwand ist immens." Auch wenn man nun ein "frisches Team" habe, so seien die Aufgaben des Bauhofs doch zahlreich. "Es muss nicht alles heuer sein", beschwichtigte der Fraktionsvorsitzende Franz Trinkl. Im Übrigen könne die Gemeinde, die Flächen auch von Firmen im Wege eines Sponsorings gestalten lassen. Das spare Kosten, man habe ein einladendes Ortsbild und die Betriebe hätten eine Gelegenheit, sich zu präsentieren und für sich zu werben. Doch Keller bat um Vertrauen: Der Bauhof habe ein junges Team und viel Fachwissen, erinnerte er. Der Gemeinderat einigte sich schließlich darauf, dass der Bauhof ein Konzept für alle gemeindlichen Grünflächen erarbeiten und nächstes Jahr vorlegen soll, damit Karlsfeld nach und nach schöner werden kann.

Das Rondell an Hoch- und Bayerwerkstraße ist lediglich grün.

(Foto: Toni Heigl)

"Damit sind wir einen Schritt weiter als beim letzten Mal", freute sich Franz Trinkl. 2015 hatte die SPD schon einmal einen derartigen Antrag gestellt. Doch damals lehnte der Gemeinderat ein "freundlicheres und bunteres Karlsfeld" ab. Grund waren die hohen Kosten. Als der Bund Naturschutz im Frühjahr mehr Blumenwiesen als Insektennahrung forderte, um dem großen Sterben entgegenzuwirken, und auch die CSU laut über Blüten und Blumen im Ortsbild nachdachte, sahen die Genossen ihre Chance gekommen. Sie reichten ihren Antrag erneut ein - mit Erfolg.

Die CSU war diesmal dem Antrag nicht abgeneigt: Bernd Wanka brachte gleich zwei Beispiele aus Niederbayern mit, als Ideen, wie man "triste Kreisverkehre aufpeppen" könne. "Vielleicht sollten wir den Kreisverkehr an den M3-Märkten herausgreifen", schlug er vor. Da dieser am Ortseingang von Karlsfeld liege, sei er als Aushängeschild prädestiniert dazu. Keller plädierte, die Kreisel in den Wohngebieten gleich zu behandeln. Alle Karlsfelder hätten doch das Recht, vor ihrer Haustür etwas Schönes zu haben. "Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn wir die Inseln aufwerten", gab Mechthild Hofner (Bündnis für Karlsfeld) zu bedenken. Viele Insekten werde das nicht retten, aber "es ist ein erster Schritt". Und so plädierte sie für Blumenwiesen. "Dafür ist kein hoher Pflegeaufwand nötig", sagte sie. Peter Neumann (ebenfalls Bündnis) mahnte, dass die Verkehrssicherheit an erster Stelle stehen müsse. Die Pflanzen dürften nicht so hoch wachsen, dass man Fußgänger und Autos nicht mehr sehe. Dann werde es gefährlich. Außerdem drängte er darauf die Kosten im Auge zu behalten, denn die Haushaltslage werden sicher nicht besser - auch in einem Jahr nicht.

Die Kreisverkehre in Karlsfeld bieten ein eher tristes Bild: Nur graues Pflaster sieht man an der Karl-Theodor-Straße

(Foto: Toni Heigl)

Bis zu 45 000 Quadratmeter Grünanlagen gilt es nun neu zu gestalten, davon liegen 406 Quadratmeter auf Kreisverkehren. Keller hatte bereits eine Kostenaufstellung gemacht. Am teuersten ist demnach die Bepflanzung mit Sommerflor: Die Anschaffung schlägt schon mit etwa 24 000 Euro jährlich zu Buche, die Pflege mit weiteren rund 41 000 Euro. Denn die Blumen beschäftigen den Bauhof am meisten. 980 Stunden, hat Keller ausgerechnet. Auch Bodendecker, wie sie derzeit auf vielen Kreiseln und Grünflächen in Karlsfeld zu finden sind, sind keinesfalls billig. Fast 18 000 Euro kostet allein die Anschaffung, die Pflege bedeutet 460 Stunden Arbeit und damit einen finanziellen Aufwand von etwa 19 000 Euro. Am günstigsten ist Rasen. 8200 Euro kostet die Herstellung der grünen Flächen und 3400 Euro das regelmäßige Mähen. Allerdings bietet er für Insekten keine Nahrung. Magerwiesen dagegen schon. Die Anlage beziffert sich auf rund 11 000 Euro, die Pflege ist mit zweimal mähen im Jahr extrem gering. Etwa 1000 Euro veranschlagt Keller dafür. Auch Sträucher sind bei Bienen und anderen Insekten sehr beliebt. Die Anschaffung und Pflanzung hat allerdings ihren Preis: etwa 22 000 Euro, so der stellvertretende Bauhofleiter. Für die Rückschnitte im Herbst und Frühjahr müssen die Gärtner mit mindestens 120 Stunden Arbeit rechnen, das macht rund 5000 Euro. Natürlich gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit ein Kunstwerk auf die Kreisverkehre zu stellen. Doch über die Kosten dafür wollte Keller keine Schätzungen abgeben. "Ich bin kein Kunstgegner", versicherte er. Aber man müsse dabei bedenken, dass die Gemeinde keinen Einfluss mehr auf Änderungen habe, weil der Künstler viele Rechte habe. Man einigte sich auf ein Mischkonzept.