Großbrand auf dem Ludl-Gelände Zehn Meter hohe Flammen

Etwa hundert Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Möglicherweise wurde der Stadl fahrlässig in Brand gesetzt.

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Zehn Meter hohe Flammen schlugen am Montagabend aus der Scheune am Ludl-Gelände in Karlsfeld. Dicke schwarze Rauchwolken verdunkelten den Himmel an der Münchner Straße und zogen über die Felder. Bis nach München hinein war der Brand zu sehen. 100 Einsatzkräfte gaben ihr Möglichstes, doch es dauerte etwa 40 Minuten, bis das Feuer endlich gelöscht war.

Gegen 19.10 Uhr entdeckte eine Spaziergängerin Rauch am leer stehenden Gehöft und alarmierte die Feuerwehr. Als die Karlsfelder Helfer kurz darauf mit ihrem ersten Löschzug anrückten, "zündete das Feuer gerade durch", berichtet Kommandant Michael Peschke. Innerhalb von Minuten stand der Stadel im Vollbrand. "Es ging rasend schnell."

Für die denkmalsgeschützte Kapelle und das Wohnhaus bestand keine Gefahr

Die meterhohen Flammen drohten bereits auf das Nachbargebäude, einen kleineren Stadel, überzugreifen, als der Löschschlauch einsatzbereit war. Die ersten Holzbalken hatten schon Feuer gefangen, so Peschke. Deshalb habe man sich zunächst um diesen kleineren Stadel gekümmert: Das alte Holz mit Wasser gekühlt und gelöscht, was brannte. Für die denkmalgeschützte Kapelle oder das ehemalige Wohnhaus bestand jedoch nie Gefahr, so der Kommandant. Waren doch immerhin mindestens 50 Meter Abstand zu diesen Gebäuden.

Bis tief in die Nacht suchen die Einsatzkräfte immer wieder nach Glutnestern. Drei Stunden lang ist die viel befahrene Münchner Straße gesperrt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der große Holzstadel war innerhalb von einer Viertelstunde komplett niedergebrannt. Bis nur noch das Gerippe stand. "Das Holz war strohtrocken", so Peschke. Die Karlsfelder Feuerwehr war mit sieben Fahrzeugen ausgerückt, die Dachauer Wehr kam mit weiteren fünf zu Hilfe. Die Freiwilligen aus Prittlbach und einigen anderen Orten aus dem Hinterland waren ebenfalls schnell da. Sogar das Technische Hilfswerk mit Landrat Stefan Löwl half die Flammen zu bekämpfen.

Trotz beherztem Einsatz von 100 Feuerwehrleuten ist das Holzgebäude nicht mehr zu retten.

(Foto: Feuerwehr Karlsfeld)

"Das THW hat die Einsatzstelle beleuchtet", erklärte Peschke. Außerdem waren sie mit einem Lastwagen mit Krananhänger da. Damit rissen sie die Ruine ein. Anschließend wurde das verkohlte Holz ein paar Mal auseinandergepflügt, um Glutnester aufzuspüren und zu löschen. "Ich bin froh, dass niemandem was passiert ist", sagt Bürgermeister Stefan Kolbe.

Während der Löscharbeiten war die Münchner Straße drei Stunden lang komplett gesperrt. Der Verkehr staute sich. Bis 23 Uhr waren die Feuerwehrler vor Ort. Nachts um 3 Uhr und gegen 11 Uhr am Dienstagvormittag rauchte es erneut aus den Trümmern, sodass die Helfer noch einmal nachlöschen mussten.

Lichterloh brennt die Scheune hinter dem ehemaligen Wohnhaus des Ludl-Hofs.

(Foto: Feuerwehr Karlsfeld)

Die Ursache für den Brand ist laut Polizei fahrlässige Brandstiftung. "Technisches Gerät war nicht im Stadel", erklärt der Kommandant. Lediglich ein paar marode Holzanhänger. "Der Strom war auch schon seit einiger Zeit abgestellt", so die Kriminalpolizei. "Die Ermittlungen sind schwierig, da die Glutnester mehrfach umgekrempelt wurden. Es gibt keinen Hinweis auf Personen, die sich in und am Gebäude aufgehalten haben. Man weiß lediglich, dass der Brandherd im Gebäude liegt." Ein technischer Defekt ist laut Kripo ausgeschlossen. Den entstandenen Schaden schätzt die Polizei auf etwa 50 000 Euro. Denn die verkohlten Holzbalken müssen gesondert entsorgt werden.

Ein so genannter heißer Abbruch scheint unwahrscheinlich zu sein. Die Eigentümer haben das Gelände bereits an einen Investor verkauft. Seit Dezember wird über die Ansiedlung von Gewerbe und Wohnungen im großen Stil auf dem Areal debattiert. In zwei Wochen soll den Karlsfeldern die neue Planung vorgestellt und mit ihnen darüber diskutiert werden. Die Eigentümer des alten Ludl-Hofs waren bei dem Brand dabei. "Sie schauten sehr traurig und haben sich bei uns bedankt", berichtet der Feuerwehrkommandant.

Der Brand auf dem Ludl-Hof war eines der größten Feuer der vergangenen Jahre, so Peschke. Im Januar 2018 hatten die freiwilligen Helfer dort ihren letzten Einsatz. Eine kleine Scheune brannte damals. Doch Schlimmeres konnte verhindert werden. Es blieb bei verrußten Wänden. Einen Tatverdächtigen gab es nie. Wie das Feuer genau entstanden ist, weiß man bis heute nicht. Sicher ist aber, dass Kinder, Jugendliche und Obdachlose dort waren und dass mit Feuer hantiert wurde, so die Kripo. "2007 war ein ähnlich großes Feuer auf dem Ludl-Hof wie am Montag", berichtet der Kommandant. Damals brannte ebenfalls eine große Scheune nieder. Die Ursache dafür blieb ebenfalls im Dunkeln.