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Grabgebühren:Ganz schön teuer

Dachau erhöht die Grabgebühren auf dem Waldfriedhof um durchschnittlich 45 Prozent.

Das Sterben wird teurer. Allein schon wegen der Grabgebühren auf dem Waldfriedhof, die jetzt von der Stadt Dachau erhöht werden. Im Durchschnitt zahlen die Angehörigen künftig etwa 45 Prozent mehr als bisher. Ein Reihengrab zum Beispiel kostet 600 Euro, ein Wahlgrab, je nach Ausführung, bis zu 1300 Euro jährlich - günstiger kommt ein Urnengrab, das künftig 330 Euro, immerhin noch 37 Prozent mehr als bisher, kosten wird. Eine unpopuläre Entscheidung: Darüber waren sich die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss einig. Allerdings hat Dachau auch seit mehr als zehn Jahren die Gebühren nicht erhöht. "Das ist eine satte Erhöhung", sagte Bündnis-Stadträtin Sabine Geißler. Wie die SPD-Fraktionssprecherin Christa Keimerl war sie aber der Auffassung, dass man zu dieser Entscheidung stehen müsse, auch wenn sie in der Bevölkerung Unmut wecken wird.

Die Erhöhung hat einen zwingenden Grund. Die Stadt muss zunehmend mehr Geld für den Unterhalt des Friedhofs ausgeben. "Zehn, zwölf Jahre lang hat man sich davor gedrückt, die Grabgebühren anzupassen", sagte Geißler. Das ist kein Dachauer Problem: Auch andere Städte in der Münchner Region warten mit zum Teil noch höheren Preisen für die letzte Ruhestätte ihrer Bürger auf. Die Stadt Freising kalkuliert momentan, seit 1999 erstmals, die Gebühren neu - auf einem erheblich höherem Niveau, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Alle werden erhöhen: die Gemeinde Karlsfeld, die Stadt Fürstenfeldbruck oder Rosenheim. Oder Weichs: Um 80 Prozent erhöht die Gemeinde die Gebühren für Urnengräber, wie Friedhofsreferent Franz Xaver Vieregg von der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB) im Ausschuss sagte. "Bei allen Kommunen sind die Kosten für die Friedhofspflege nicht gedeckt."

Der neue Teil des Waldfriedhofs in Dachau hat viele Bäume und Sträucher. Ursprünglich sollten auf diesem Areal 3500 neue Gräber angelegt werden.

(Foto: Toni Heigl)

Die Benutzungsgebühren werden nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen errechnet. Allgemein gilt: Ein Friedhof muss eine kostendeckende Einrichtung sein. Falls bei Verstorbenen keine Angehörigen zu ermitteln sind, wird eine Sozialbestattung auf Kosten des Steuerzahlers angeordnet. Die Erhöhung trifft Geringverdiener besonders. Sie können beim Sozialamt einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten stellen. Allen Stadträten war es ein Anliegen, dass künftig, bis zur nächsten Gebührenerhöhung, nicht mehr so viele Jahre verstreichen dürfen. Edgar Forster (Freie Wähler) erklärte: "Wir sollten die Gebühren regelmäßig erhöhen, nicht alle zehn Jahre und dann nicht gleich um 45 Prozent." Vehement lehnte er jedoch eine Variante zur Kostenersparnis ab: Die Herausnahme einer Fläche von 19 000 Quadratmetern Größe aus dem Areal des Waldfriedhofs. "Was will man mit dieser Fläche machen? Als Bauland verscherbeln? Der Stadtrat in 50 Jahren wird uns verfluchen, wenn wir die Friedhofsfläche reduzieren."

Knappe Entscheidung

Freie Wähler, CSU und die Fraktionsgemeinschaft der FDP/Bürger für Dachau stimmten dagegen und für die Beschlussempfehlung der Stadtverwaltung, im neuen Teil des Waldfriedhofs 2500 Grabstätten anzulegen. Eine knappe Entscheidung mit acht zu sieben Stimmen von SPD, Grüne, Bündnis und ÜB. Aus dem Jahr 2003 gab es noch eine Planung für 3500 neue Gräber. Doch wie CSU-Stadtrat Florian Schiller feststellte: Auch bei einer größeren Anzahl an Gräbern habe man immer noch eine "klare satte Gebührenerhöhung von ungefähr 30 Prozent." Außerdem: Die Planung mit 3500 Gräbern im neuen analog zum alten Teil des Friedhofs war falsch, wie die Stadtverwaltung erläuterte.

Die Stadt Dachau erwog, einen Teil des Waldfriedhofs abzutrennen. Auf die steigenden Unterhaltskosten hätte das jedoch kaum Auswirkungen gehabt.

(Foto: Toni Heigl)

Aber auch die Variante mit tausend Gräbern weniger im neuen Teil ist nicht sicher: Das liegt daran, wie die Experten sagten, dass die Bestattungskultur sich völlig ändert. Die Nachfrage nach Erdgräber geht zurück. Neue Bestattungsformen, vor allem Urnengräber in verschiedenen Ausführungen wie Mauer, Baumbestattung oder Gemeinschaftsgräberfeld finden in der Bevölkerung immer mehr Zuspruch. Der neue Teil des Waldfriedhofs eignet sich dafür besonders, weil dort Wege, Einzelbäume und Waldgruppen vorhanden sind - eine gewachsene Struktur, die sehr ansprechend auf den Besucher wirkt.

Die Stadt versucht auch, Kosten einzusparen. Das betrifft zum Beispiel die Pflege der Rasenflächen, die Bewässerung des Blumenschmuckes oder das Laub, das auf dem Gelände kompostiert und nicht mehr abtransportiert wird. Dagegen kann die Stadt am Winterdienst oder bei der Instandhaltung des Infrastrukturnetzes nicht sparen.