Gewerbepark Karlsfeld Gelungene Operation

Einst stand hier das Krone-Center, dann verrotteten die Gebäude und das Gelände. Nach einer Generalsanierung herrscht wieder Leben im Karlsfelder Gewerbepark - eine wichtige Entwicklung für die Gemeinde

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

Kein Areal spiegelt Aufstieg und Niedergang des alten Karlsfelder Gewerbegebiets so gut wider wie das Karree zwischen Ohm- und Boschstraße. Das Gebiet entstand Mitte der Sechziger Jahre und wurde zum Standort des Krone-Centers mit mehr als 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Es war der erste Vollsortimenter im Landkreis. Doch die wachsende Konkurrenz der Discounter führte zur Schließung. Von da an ging es steil bergab. Es folgten wechselnde Nutzungen, ab und an fanden Flohmärkte statt. Dann geschah nichts mehr. Die Gebäude - Teil eines englisch-holländischen Immobilienfonds - verrotteten; auf dem südlichen Teil des Areals wuchs das Gras hüfthoch.

Inzwischen ist der Gewerbepark Karlsfeld wieder voll in Betrieb. Hundert Leute arbeiten in den verschiedenen Produktions- und Lagerstätten auf dem Gelände. Die Dachauer Firma Intaurus hat den Komplex drei Jahre lang generalsaniert. "Es war eine Operation am offenen Herzen", sagt der technische Objektmanager, Konrad Kürzinger. Die Operation ist gelungen, der Patient lebt und ist putzmunter. Zu den Mietern des Gewerbeparks gehören kleinere Mittelständler, aber auch der weltweit exportierende Kosmetikhersteller Artdeco

Nicht der produktivste, aber der schickste Teil des Karlsfelder Gewerbehofs ist die Halle mit den historischen Fahrzeuge von MAN.

(Foto: Toni Heigl)

oder der Nutzfahrzeugriese MAN. In einer Garage stehen historische Fahrzeuge: knorrige Lkws, ein alter Bus und ein nicht mehr ganz modernes MAN-Löschfahrzeug von der Karlsfelder Feuerwehr.

Intaurus-Geschäftsführer Hans Wolfgang Niedermair ist sichtlich stolz, was seine Firma aus dem bröselnden Gewerbehof gemacht hat. Die beiden großen Hallen auf dem Grundstück - Nutzfläche mehr als 15 000 Quadratmeter - entsprechen jetzt modernsten Gebäudestandards. Die Dächer wurden erneuert, die Wände gedämmt, die Beleuchtung auf stromsparende LED-Technik umgerüstet und die Gebäude an das gemeindliche Fernwärmenetz angeschlossen. "Nach den Berechnungen unserer Architekturbüros liegen wir 50 Prozent unter den Anforderungen der Energiesparverordnung", sagt Niedermair. Das ist praktischer Klimaschutz, spart den Mietern aber auch viel Geld.

Investiert hat Intaurus rund zwölf Millionen Euro. Alle Flächen sind inzwischen belegt bis auf zwei Büroflächen. Von dem Bürogebäude steht bislang nur der Rohbau. Der Innenausbau erfolgt erst nach den Wünschen des Mieters mit großen oder kleinen Räumen. Auch ein Zahnarzt hat bereits Interesse bekundet. Für den bräuchte man ein paar Extra-Anschlüsse, sollte er sich tatsächlich entschließen, einzuziehen. Intaurus hat schon viele solcher Projekte gestemmt, beispielsweise im Dachauer Gewerbegebiet. "Wir suchen uns Standorte in guter Lage", sagt Niedermair. "Wir würden auch gerne weiter in Karlsfeld investieren." Das hört Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) gerne. Im Rathaus hat man lange versucht, auf dem alten Gewerbehof wieder etwas anzuschieben. Aber solange er im Besitz des Immobilienfonds war, ging nichts voran. "Es war wie beim Buchbinder Wanninger", sagt Kolbe.

Konrad Kürzinger, Peter Freis, Hans-Wolfgang Niedermair, Stefan Kolbe (v.l.).

(Foto: Toni Heigl)

Niedermair weiß, wovon der Rathauschef spricht: "Die Mieter haben zum Teil selbst nicht mal gewusst, an wen ihre Miete geht." Jetzt sind die Dinge wieder wohlgeordnet. "Für den Standort Karlsfeld ist das eine wichtige Entwicklung", sagt der Bürgermeister. Karlsfeld geht der Platz für Gewerbe aus. Leerstände kann sich die flächenarme Gemeinde nicht leisten, außerdem ist sie auf die Gewerbesteuereinnahmen dringend angewiesen. Deshalb plant Karlsfeld auch ein neues Gewerbegebiet.

Viele Bürger hofften ja, eine Revitalisierung und Verdichtung im alten Gewerbegebiet könnte die notwendigen Kapazitäten schaffen. Aber das Beispiel Gewerbehof gibt dazu wenig Hoffnung. Lager und Produktion funktionieren nur ebenerdig. "Und einfach ein Stockwerk draufsetzen geht auch nicht so einfach", sagt Niedermair. Dafür gibt es viele Gründe: die Statik, der Brandschutz und dann noch die zusätzlichen Stellplätze, die man bräuchte.

Karlsfelds Wirtschaftsförderer Peter Freis sieht trotzdem eine positive Gesamtentwicklung: In den vergangenen drei Jahren habe sich einiges im alten Gewerbegebiet getan. Jetzt hofft er auf Nachahmer, die andere Flächen, die nicht oder wenig genutzt werden, wieder auf Vordermann bringen. Jeder Quadratmeter zählt.