Gewerbeentwicklung Karlsfeld sucht den Konsens

Auf einem ersten Arbeitstreffen lässt die Gemeinde Bürger über die künftige Gewerbeentwicklung diskutieren. Der große Konfliktpunkt, ob der Dachauer Grünzug angetastet werden muss, kommt aber erst im Mai zur Sprache.

Von Gregor Schiegl

Jahrelang stand das Krone-Center im Gewerbegebiet leer. Der neue Eigentümer Intaurus saniert es derzeit. Mitte des Jahres arbeiten hier wieder Firmen.

(Foto: DAH)

Nach den harten Auseinandersetzung um die Ausweisung neuer Gewerbegebiete sucht die Gemeinde Karlsfeld im Dialog mit den Bürgern nach einer tragfähigen Lösung, wie sie mehr Gewerbesteuern generieren kann. Dazu trafen sich am Dienstag Karlsfelder Unternehmer, Naturschützer und andere Bürger zu einem ersten Arbeitstreffen im Rathaus. Erklärtes Ziel war es, in einem ersten Schritt zunächst den Handlungsbedarf für Gewerbeentwicklung in Karlsfeld festzulegen. Die Überraschung: Keiner der 24 Teilnehmer stellte grundsätzlich in Frage, dass Karlsfeld etwas auf diesem Gebiet tun muss.

Moderiert wurde die dreistündige Veranstaltung vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München, Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) verfolgte das Geschehen weitgehend nur als Zuhörer. Bewusst überließ er den Bürgern die Diskussion, deren Ausgang für den Gemeinderat richtungsweisend sein soll. "Wir wollen das Thema nicht ohne den Bürger weiterentwickeln."

Der Leidensdruck ist erheblich: 2013 blieben der 18 000-Einwohner- Gemeinde von ihren Einnahmen laut Kämmerer Alfred Giesinger effektiv nur elf Millionen Euro für Investitionen übrig. Davon floss mit 2,8 Millionen Euro mehr als ein Viertel allein in die Kinderbetreuung. 2014 stehen weitere Millioneninvestitionen in Kinderbetreuung und Bildung an. Mit 2,5 Millionen Euro erreichten die Gewerbesteuereinnahmen einen historischen Tiefstand. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 gab es schon einmal Rekordeinnahmen von mehr als 20 Millionen Euro.

Mit ein Grund für die sinkenden Gewerbesteuereinnahmen ist die Abwanderung von Betrieben. Mit Eon verlor Karlsfeld vor wenigen Jahren seinen größten Gewerbesteuerzahler. Sport Berger siedelte nach Bergkirchen um, weil ihm der Platz ausging, mindestens drei weitere Karlsfelder Betriebe erwägen aus demselben Grund eine Absiedelung. Wirtschaftsförderer Peter Freis ist weitgehend machtlos. Von den 61 Anfragen nach weiteren Standorten, konnte er im vergangenen Jahr nur in zwei Fällen helfen. 91 Prozent der Flächen in den Gewerbegebieten sind belegt, die freien sind vom Zuschnitt oft für Interessenten zu klein: Die meisten Betriebe suchen Flächen von 1000 Quadratmetern oder mehr.

Eigene Flächen hat die Gemeinde nicht - außer an der Schleißheimer Straße im Grünzug zu Dachau. Aber dort ein Gewerbegebiet auszuweisen, scheiterte Ende 2010 beim Ratsbegehren am Widerstand der Bürger. Ein Teilnehmer forderte dennoch, dieses Areal dürfe "kein Tabu" sein, Karlsfeld brauche die Flächen.

Aus den Reihen der Naturschützer kamen hingegen Forderungen nach einer effizienteren Nutzung der bestehenden Strukturen. "Der Schwerpunkt muss auf Verdichtung liegen", sagte Erika Seidenspinner. Sie regte eine Ansiedlung von Unternehmen an, die lukrativ arbeiten, aber vergleichsweise wenig Platz beanspruchen, etwa im Bereich Bildung und Forschung.

Viele fanden diesen Vorschlag gut und richtig, gleichwohl gibt es Skepsis, dass damit Karlsfelds Probleme zu lösen wären: "Wir müssen herausfinden, inwieweit die Hoffnung begründet ist, dass wir den zusätzlichen Bedarf über Verdichtung herbekommen", sagte SPD-Gemeinderatskandidatin Beate Full. "Es wird sich herauskristallisieren, dass es nicht reicht." Diese Ansicht teilt im Übrigen auch Wirtschaftsförderer Peter Freis. Nun sollen sich die Teilnehmer in zwei Arbeitsgruppen aufteilen: Eine soll Möglichkeiten zur Verdichtung im Gewerbegebiet klären. Die andere Gruppe soll sich schon auf die Suche nach möglichen weiteren Standorten für ein neues Gewerbegebiet machen.

Das nächste Treffen findet im Mai statt. Dort werden sicherlich noch einmal Ideen zu interkommunaler Zusammenarbeit auf den Tisch kommen. "Wir müssen schauen: Wo haben wir Verknüpfungen zu anderen Kommunen?", sagte Robert Ludwig. Was noch fehle, sei ein intensiver Diskurs mit dem Nachbarn, der Stadt München: "Die Würm ist wie ein Eiserner Vorhang."