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Gemeinde Haimhausen:Nein zur Nordtrasse

Eine mögliche nördliche Trassenvariante will Bürgermeister Peter Felbermeier keinesfalls dulden.

(Foto: Toni Heigl)

Falls die neue Hochspannungsleitung Haimhauser Gewerbegebietsplanungen tangiert, kündigt die Gemeinde Widerstand an

Von Rudi Kanamüller, Haimhausen

Die Gemeinde Haimhausen will beim Ersatzneubau der 380-Kilovoltleitung zwischen Oberbachern und Ottenhofen ganz auf Nummer sicher gehen. Einstimmig hat der Gemeinderat deshalb in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Planungsprozess durch einen Fachjuristen begleiten zu lassen. Denn das Projekt, mit dessen Fertigstellung und Inbetriebnahme die Firma Tennet im Jahr 2029 rechnet, sei nicht nur langwierig und "rechtlich herausfordernd", sondern für die Gemeinde auch "besonders bedeutend", heißt es in der Beschlussvorlage.

Denn im Bereich einer möglichen nördlichen Trassenvariante, die nahe zwischen Haimhausen und Inhausen verläuft, könnte die Gemeinde in ihrer künftigen Gewerbegebietsplanung beeinträchtigt, beziehungsweise behindert werden. Bei der Präsentation der Zwischenergebnisse erklärten Mitarbeiter des Unternehmens, dass man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen könne, welche Trasse genommen werde. Ziel von Tennet sei es aber, "eine rechtssichere Planung zu erreichen". Eine rechtssichere Planung bedeute, dass man nicht allzu weit von der Bestandstrasse abweichen dürfe. "Sonst machen wir uns rechtlich angreifbar", so Catherin Krukenmeyer, Referentin für Bürgerbeteiligung in Bayern. Der Bau der Ersatzleitung solle die Leitung und Umspannwerke fit machen für die Energiewende und die Leistung von 2200 auf 4000 Ampere erhöhen, wobei die Stromversorgung während der Bauphase aufrechterhalten werde. Derzeit würden die Vorbereitungen für das in den Jahren 2020, 2021 anvisierte Raumordnungsverfahren getroffen, sprich, die Voruntersuchung für die Ersatztrasse und die Erarbeitung der Trassenvorschläge. Mit der Planfeststellung wird bis 2025/26 gerechnet. Die Vorbereitungen für den Baubeginn könnten, so Tennet, 2026 starten und der Bau der Ersatzleitung 2029 abgeschlossen sein.

Das Unternehmen geht dabei von einer weitgehenden Parallelführung zur Bestandstrasse aus. Diese werde bevorzugt. Allenfalls bei "deutlichen Konflikten" könnten auch Trassenalternativen abseits der Bestandstrasse entwickelt werden. Weitere planerische Grundsätze beinhalten einen möglichst geradlinigen Verlauf der Leitung, den Verzicht auf eine Vielzahl von Abspannmasten und möglichst wenige Überkreuzungen der Bestandsleitung. Dazu kämen die raumordnerischen Belage wie Abstände zur Wohnbebauung, eine Bündelung der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete, die Querung von Landschaftsschutzgebieten und FFH-Gebieten und der Naturschutzgebiete. Die Masten der neuen 380-Kilovolt-Ersatzleitung werden etwa 85 Meter hoch sein, bislang waren die Masten der Bestandsleitung 75 Meter hoch. Die Ersatzleitung werde durch einen jeweils 200 Meter breiten Korridor geführt. Das Untersuchungsgebiet für die neue Ersatzleitung beträgt jeweils zwei Kilometer rechts und links der bestehenden Trasse. Die alte wird nach Inbetriebnahme der Ersatzleitung zurückgebaut.

Eine klare Antwort hatten die Tennet-Vertreter auch auf die Frage aus dem Gremium, ob man die neue Ersatzleitung nicht unterirdisch verlegen könne: Während man dies bei Leitungen mit Gleichstrom problemlos machen könne, sei es bei Wechselstromleitungen nicht möglich, so Tennet-Mitarbeiter Sebastian Kohl. Hier müsse man nach einigen Kilometern immer wieder an die Oberfläche kommen und kleine Umspannwerke errichten.

Die Haimhausener Bürger haben am Montag, 18. November, von 15 bis 20 Uhr, in der Aula der Grund- und Mittelschule Gelegenheit, sich über das Projekt zu informieren und Fragen an den Betreiber zu stellen. Eines wurde aber bereits in der jüngsten Sitzung deutlich: Sollte die Wahl der Trasse auf die nördliche Variante fallen, sei auf alle Fälle mit Protesten zu rechnen, sagte Bürgermeister Peter Felbermeier.

In diesem Zusammenhang formulierte er die provokante Vermutung, dass sich die zuständige Planerin wohl noch nie mit den Gegebenheiten an Ort und Stelle auseinandergesetzt habe. Und der Bürgermeister machte auch ganz klar deutlich: "Wir werden alles gegen die Nordtrasse unternehmen."

© SZ vom 23.10.2019

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