Gedenkgottesdienst "Jetzt tun sie mich nach Dachau"

Versöhnungskirche erinnert an den widerständigen Protestanten Friedrich von Praun

"Was seid ihr Nationalsozialisten? Zusammengelaufenes Gesindel. Jetzt tun sie mich nach Dachau." Das soll der Kirchenjurist Friedrich von Praun zu einem Pfarrer der regimehörigen "Deutschen Christen" gesagt haben. Am 3. Dezember 1934 denunzierte der Pfarrer Praun bei der Gestapo. Dass diese Anzeige für den NS-Gegner zunächst ohne gravierende Folgen blieb, lag wohl an der früheren Nähe des deutschnationalen Protestanten zu führenden Nationalsozialisten vor dem Hitlerputsch von 1923 und am Schutz durch Landesbischof Hans Meiser, dem er für die Zukunft politische Zurückhaltung versprach.

Nach weiteren Protesten des Kirchenjuristen, unter anderem gegen antisemitische Boykottmaßnahmen in seiner Heimatstadt Ansbach, und einer erneuten Denunziation, da er am "Endsieg" gezweifelt hatte, wurde Praun am 18. Oktober 1943 verhaftet. Ein halbes Jahr später wurde er von dem Sondergericht Nürnberg gestellt, sein Fall wurde wegen "Wehrkraftzersetzung" an den berüchtigten Volksgerichtshof Berlin weitergereicht. Am Morgen des 19. April 1944 fand man Praun tot in seiner Zelle. Auch wenn Zweifel an der offiziellen Version Selbstmord berechtigt sind, so deutet doch vieles darauf hin, dass der Kirchenjurist sich unter dem Druck des drohenden Todesurteils selbst das Leben nahm. Friedrich von Praun ist das einzige Todesopfer des Nationalsozialismus aus der Pfarrer- und Beamtenschaft der bayerischen Landeskirche.

Am seinem 75. Todestag, Karfreitag, 19. April, wird Kirchenrat Björn Mensing um 15 Uhr im Gottesdienst der Evangelischen Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte an den Protestanten erinnern. Dazu gibt es die Uraufführung einer musikunterlegten Szenischen Rezitation aus Originalquellen aus dem Umfeld des politischen Verfahrens. Als Ehrengäste haben Verwandte Friedrich von Prauns ihre Teilnahme zugesagt.