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Geänderte Planung:Autoliv zieht auf das Seeber-Gelände

Autoliv

Bis Mitte nächsten Jahres soll die Produktion von Airbags und Ersatzteilen, die Autoliv bislang in Dachau herstellte, aus der Stadt verschwinden. Doch ganz geht die Firma nicht. Sie will ein Technologiezentrum errichten.

(Foto: Niels Jørgensen)

Dort soll ein Forschungsstandort mit 350 Mitarbeitern entstehen. Ursprünglich hatte der Konzern das Areal an der Siemensstraße avisiert. Die Stadt hatte alle Pläne darauf ausgerichtet, nun will sie alles wieder zurückschrauben

Das ehemalige Seeber-Gelände könnte im Volksmund bald Autoliv-Gelände heißen. Der Automobilzulieferer will seinen Standort von der Theodor-Heuss-Straße an die Schleißheimer Straße 100 verlagern. Darüber bestehe Einigkeit, bestätigt Jens Eikermann von der Hubert Haupt Immobilien Holding, die das Gelände 2016 gekauft hat. Damit hat der neue Eigentümer bereits einen großen Teil des 80 000 Quadratmeter großen Geländes verpachtet. Autoliv hatte im September 2017 angekündigt, die Produktion von Airbags und Ersatzteilen in Dachau bis Mitte 2019 ganz einzustellen. Stattdessen soll an einem neuen Standort in Dachau bis Ende 2020 ein Technologiezentrum entstehen. Die Rede ist von einem Forschungsstandort mit 350 Mitarbeitern. Dieses sollte zunächst an der Siemensstraße auf Flächen der Sparkasse entstehen.

Die Stadt hatte lange an einem Bebauungsplan gefeilt, der auf die Bedürfnisse des international tätigen Konzerns unter schwedisch-amerikanischer Führung eingeht. Unter anderem wurde eine neue Zufahrtslösung gefunden. Zudem wurden Gebäudehöhen bis zu 20 Meter erlaubt. Nachdem Autoliv nun einen anderen Standort in Dachau bevorzugt, haben die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss einstimmig beschlossen, zum alten Bebauungsplan zurückzukehren. Begründet wurde dies damit, dass der neue Plan nur auf Autoliv zugeschnitten gewesen sei, während der alte die Erweiterung ortsansässiger Firmen ermögliche - und zwar sofort, denn Baurecht besteht.

Mit deutlichem Unmut aufgenommen hat das der Bauherr eines Hotels, das von den Plänen ebenfalls betroffen war. Der Bauherr fordert die gleichen Möglichkeiten zum Bau wie das benachbarte Tulip-Hotel. Statt der bereits zugesagten 13 Meter aber muss sich der Bauherr nun erneut mit neun Metern bescheiden. Jochen Appelmann, Projektentwicklungsleiter der Riebel Generalunternehmer GmbH wurde von dieser Änderung im Bauausschuss überrascht. Dachau werde als sehr lohnenswerter Hotelstandort angesehen, erklärt er. Es gebe bereits einen Vertrag über 20 Jahre mit einem renommierten Betreiber. "Ein höheres Gebäude hätte auch eine bessere Schallschutzwirkung", gibt Appelmann zu bedenken. Das Hotel sollte an der Alten Römerstraße entstehen. Doch die Höhe des Gebäudes ist an dieser Stelle von den Stadträten und auch von Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) ausdrücklich nicht gewünscht. "Ich halte das an dieser Stelle für falsch", sagt Hartmann.

Appelmann ist nicht der einzige, der mit dem Vorgehen der Stadt unzufrieden ist. Auch bei der Hubert Haupt Immobilien GmbH ist man befremdet darüber, dass der zustimmungsreife Bebauungsplan für die Schleißheimer Straße 100 nach einer Intervention der CSU-Fraktion im Sommer nun erneut überarbeitet wird. Zwei Auslegungen hatte es bereits gegeben, alles schien fertig, da stellte die CSU im Juni überraschend den Antrag, es sollten Parkgaragen vorgeschrieben werden. Nur 15 Prozent der Stellplätze dürfen ebenerdig sein, der Rest muss unter der Erde oder in Parkdecks entstehen.

Jens Eikermann formuliert zurückhaltend: "Das macht es unhandlich." Er weist darauf hin, dass der Bau von Auffahrtsrampen für Parkdecks ebenfalls erheblich Flächen verbrauche und zudem die Hubert Haupt Immobilien Holding als Verpächter kein Interesse habe an ausufernden Parkflächen. "Wir verdienen unser Geld mit der Vermietung von Büros und Industriehallen", erklärt er. Sprich: Nicht mit Parkplätzen. Einzelhandel, der solche Parkflächen erfordern würde, ist auf dem Gelände ausgeschlossen. Der Verpächter und der für Dachau so wichtige Pächter, nämlich Autoliv, erfahren nun weitere Verzögerungen. Und das obwohl gerade CSU und SPD, aber auch andere Fraktionen stets ihre Wirtschaftsfreundlichkeit betonen. Oberbürgermeister Hartmann hält die Parkdecks zwar für sinnvoll, bedauert aber, dass der Änderungswunsch so spät kam. "Da stehen wir uns teilweise selber im Weg", räumt er ein. In Grünwald, dem Sitz des Immobilienunternehmens, ist man ernüchtert: "Als zügig würde ich die Bearbeitung nicht bezeichnen", sagt Eikermann.