Süddeutsche Zeitung

Traditionsgaststätte Kochwirt:Zurück zu den Wurzeln

Die Stadt hat die Traditionsgaststätte Kochwirt an den Indersdorfer Matthias Schilcher verpachtet. Der Betreiber der Roxibar beschreitet damit gastronomisches Neuland. Er will die bayerische Wirtshauskultur weiter pflegen.

Das Rennen um den Kochwirt in der Dachauer Altstadt ist gelaufen. Neuer Pächter der bayerischen Traditionsgaststätte ist der Indersdorfer Matthias Schilcher. Er und Oberbürgermeister Florian Hartmann unterschrieben am Freitag den Pachtvertrag. Der Betreiber der Roxibar löst Stephan Eisenreich als Pächter ab, der zum Jahreswechsel kündigte und ins Catering-Geschäft gewechselt ist. Seitdem stand die städtische Gaststätte leer. Schilcher will im Kochwirt die bayerische Wirtshauskultur weiter pflegen. "Da gibt es in Dachau nicht mehr viele Alternativen", sagt der 35-jährige Gastronom.

Schilcher präsentierte sein Konzept in einer nicht öffentlichen Sitzung des Stadtrats. Seine Vorstellungen von einem bodenständigen bayerischen Wirtshaus kamen bei einer großen Mehrheit der Stadträte an. Selbst Schilcher, der sich erst im Dezember an der Ausschreibung beteiligt hatte, war von dem Zuschlag überrascht. Zum Schluss waren noch zwei Bewerber in der engeren Wahl. "Beide hatten gute Konzepte, den Ausschlag gaben nur Nuancen", sagt Stadtkämmerer Thomas Ernst. Die Stadt hatte in der Ausschreibung festgelegt, dass der neue Pächter das Lokal als bayerische Traditionsgaststätte führen muss. Der Kochwirt, schreibt Oberbürgermeister Florian Hartmann in einer Pressemitteilung, "bleibt eine bayerische Gaststätte mit lokalem Einschlag, die für jedermann offen steht".

Genau so sieht auch Schilcher die Zukunft des Kochwirts. "Ich will die bayerische Wirtshauskultur wieder aufleben lassen", beteuert der gelernte Schreiner, der sich mit der Traditionsgaststätte auf unbekanntem Terrain bewegt. Seit sechs Jahren führt er die Diskothek Roxibar in der Altstadt, im Vergleich zu einem Wirtshaus ein völlig anderes Segment in der Gastronomie. Ende Februar will Schilcher sein erstes Speiselokal eröffnen: Im ehemaligen Niagara hinter dem Dachauer Kino soll das Restaurant Hi-Five entstehen, in dem es Burger und Hot Dogs gibt. Im Kochwirt will Schilcher aber "zurück zu den Wurzeln". Dort soll man nicht nur essen können, sondern auch Karten spielen und diskutieren. Schilcher glaubt, dass so ein Angebot auch jüngere Gäste anziehen wird. "Als Roxi-Wirt habe ich einen Draht zu jungen Leuten, ich weiß, dass auch die Jüngeren das gern pflegen". An der Speisekarte des Kochwirts wird sich nach Schilchers Auskunft nicht viel ändern. Wichtig ist ihm eine regionale und saisonale Küche, "bodenständig und ehrlich", wie er sagt. Das Angebot fällt vielleicht etwas kleiner als bisher aus. Küchenchef wird wie im Restaurant Hi-Five Daniel Michalke, den er als Partner mit ins Boot nimmt. Michalke lernte sein Handwerk im Landgasthaus Brummer in Großinzemoos, arbeitete im Münchner Hofbräu Bachmeier in der Leopoldstraße und war zuletzt im Indersdorfer Bistro Lambert aktiv. "Er ist bayerisch gut aufgestellt", sagt Schilcher über seinen Kompagnon. An der Einrichtung des Kochwirts würde er gern noch etwas verändern. "Aber das wird nicht gleich passieren." Ebenso wie die Wiedereröffnung der Traditionswirtschaft. Die wird sich noch einige Monate hinziehen.

Unter den Bewerbern für den Kochwirt waren auch Matthias Rohleder und Mike Maurer. Sie betreiben das Alte Schulhaus in der Kulturschranne, eine Immobilie, die ebenfalls der Stadt gehört. "Wir hatten genau das gleiche Konzept, so, als wenn es kopiert worden wäre", sagt Rohleder. Beide hatten damit gerechnet, dass ein Wirtsehepaar den Zuschlag erhält. "Für uns war das eine Überraschung, aber wir können damit leben", sagt Rohleder. Sie hätten den Kochwirt schon Anfang des Jahres wieder eröffnet. "Wir wollten, dass es schnell weiter geht." Eine längere Schließung der Wirtschaft sei nicht gut. "Es dauert lange, bis das aus den Köpfen der Leute wieder draußen ist."

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SZ vom 03.02.2015
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