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Gastronomie:Bereit für den Neuanfang

Seit März hat die Schlosswirtschaft Mariabrunn wieder geöffnet, mit dem Pfingstwochenende beginnt der Hochbetrieb. Die neuen Pächter Manfred Valentin und Robert Matthes haben die Küche etwas verändert - aber Brezn und Bierpreis sind gleich geblieben

Es ist ein sonniger Vormittag, die Tische im Biergarten Mariabrunn sind noch leer, Robert Matthes und Manfred Valentin begrüßen die ersten Gäste des Tages persönlich. Noch herrscht im Schatten der alten Kastanienbäume eine gelassene, frühsommerliche Stimmung. Doch die neuen Pächter der bekannten Schlosswirtschaft in Röhrmoos kennen auch den Kontrast. Sie erinnern sich an das vergangene Wochenende: Eine Taufe, eine Wandergruppe, ein Reisebus gleichzeitig, die rund 800 Plätze belegt.

Zum jährlichen Jagdessen am 21. März hatten die beiden die Gastwirtschaft neu eröffnet. Darauf folgte das erste schöne Wochenende des Jahres - und wurde ungeplant zum Auftakt der Biergartensaison. "Eigentlich wollten wir den Biergarten an diesem Wochenende noch gar nicht aufmachen", erzählt Küchenchef Robert Matthes. "Doch den Gästen war das egal." Die Renovierungen im Außenbereich waren noch nicht abgeschlossen, die neue Küche nicht fertig ausgebaut, Essen und Getränke gab es nur in der Wirtschaft. Dort standen die Gäste Schlange, der Biergartenbetrieb wurde kurzerhand improvisiert.

Sichtbare Veränderungen gibt es im Biergarten kaum. Bis auf die Selbstbedienungstheke für kalte Speisen wie Salate und Obazdn. Die Pächter wollen eine möglichst große Auswahl bieten.

(Foto: Toni Heigl)

Mittlerweile ist das anders. "Bei schönem Wetter ist unsere Biergartentheke immer offen", sagt Matthes. Restaurant und Terrasse öffnen von Freitag bis Sonntag. Die Einrichtung ist sowohl innen als auch draußen gleichgeblieben - wer nicht ganz genau hinsieht, erkennt keine Veränderungen. Die liegen an anderer Stelle. Vor der Biergartentheke stellt ein Mitarbeiter in weißer Schürze gerade eine neue Tafel auf, darauf das Tagesangebot - Käsespätzle. Daneben eine weitere Tafel mit zwei Pfeilen, die auch von Weitem deutlich erkennbar sind: Warme Speisen nach rechts, Brotzeiten nach links. Während die warmen Speisen weiterhin extra ausgegeben und frisch angerichtet werden, können sich die Gäste nun an Obazda, Brezen und Salaten selbst an einer Vitrine bedienen.

Warme und kalte Küche sollen komplett getrennt voneinander funktionieren. "So wollen wir es schaffen, eine möglichst große Vielfalt an Speisen anzubieten", erklärt der Küchenchef. Auch der Steckerlfisch bleibt, schließlich gehöre der regelmäßige Grillgeruch auch zur Atmosphäre. "Nächste Woche kommt dann auch unser Hendl-grill", kündigt Matthes an. Valentin ergänzt lachend: "Auf den sind wir ganz besonders stolz!"

Ein lockerer, freundschaftlicher Umgang prägt das gesamte Gespräch zwischen den beiden. Die Idee, sich gemeinsam als neue Pächter für die Schlosswirtschaft zu bewerben, entstand spontan. Robert Matthes hatte ursprünglich in Berlin das Kochen gelernt, zog zwischenzeitlich nach München, dann nach Zürich. Vor wenigen Jahren zog der 33-Jährige schließlich seiner jungen Familie wegen in den Landkreis. Manfred Valentin, 42, führte dreizehn Jahre lang die Marienmühle in Haimhausen. Nachdem diese vor etwa sechs Jahren geschlossen wurde, arbeitete er im Lebensmittelaußenhandel - dabei lernte er Matthes kennen. Dieser war gerade im Auto auf dem Heimweg, als Valentin anrief und sagte, dass die Schlosswirtschaft neue Pächter suche. Mitte Oktober hatten sich die beiden dann bei Inhaber Florian Breitling beworben, im Dezember teilte dieser ihnen mit, dass sie die Wirtschaft übernehmen und sich gegen 21 weitere Interessenten durchsetzen konnten.

Koch Robert Matthes (l.) und Manfred Valentin bewarben sich spontan um die Pacht.

(Foto: Toni Heigl)

Die Schlosswirtschaft und der dazugehörige Biergarten in Mariabrunn sind bis über die Landkreis hinaus bekannt, bei schönem Wetter stets gut besucht. Neunzehn Jahre lang führten Bernhard Öttl und Simon Radlmayr die Gaststätte gemeinsam, im vergangenen Oktober verabschiedeten sie sich von ihr. Dass sich diese Aufgabe, Schlosswirtschaft und Biergarten, wirklich besonders erfolgreich im Doppelpack bewältigen lasse, könne man am besten an ihren Vorgängern sehen, sagen Matthes und Valentin. Sie scheinen es zu schaffen, voller Eifer und gleichzeitig gelassen in diese gemeinsame Aufgabe - vielleicht eine Lebensaufgabe - zu starten. Mit Mariabrunn übernehmen sie ein gastronomisches Juwel, sind sich dabei bewusst, dass sie selbst noch in der "Phase zum Einschleifen" stecken, wie es Matthes formuliert. Vorgänger Bernhard Öttl klagte bei seinem Abschied über die Personalsituation, Matthes gibt zu: "Das ist auch unsere größte Hürde." Gerade das Biergartenpersonal müsse häufig neu eingelernt werden, verbunden mit hohem bürokratischen Aufwand.

Alle weiteren Herausforderungen kennen die beiden aus ihrer persönlichen Erfahrung, aber auch aus den ersten Gesprächen mit den Gästen. So führe es ständig zu verwirrten Anrufen, dass die Internetseite noch nicht funktioniere. Die Preise seien gleich geblieben, das Bier gibt es für vier Euro, rechtfertigen müssten sie sich trotzdem. "So ist das eben am Anfang", sagen sie. Am wichtigsten sei aber die Brezenfrage - ob sie diese vom selben Bäcker wie ihre Vorgänger liefern ließen. "Ja, machen wir. Aber wenn der mal aufhört, haben wir wirklich ein Problem", sagt Valentin. In wenigen Stunden beginnt das lange Pfingstwochenende - und die Ferienzeit. Der Wetterbericht ist gut, die Wirte sind bereit.