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Gala im Ludwig-Thoma-Haus:Der Zauberlehrling

Maximilian Schmalhofer ist zehn Jahre alt, nur 1,33 Meter groß und begeistert mit seinen Tricks das Dachauer Publikum. Die Oma ist oft das Versuchskaninchen für seine neuesten Ideen. Seit diesem Schuljahr besucht er das Taschner-Gymnasium

Nach der Vorstellung steht der kleine Bub im Foyer inmitten der großen Zauberer. Hält die Hand von Fanny C. Bimslechner und lacht. Der Bub heißt Maximilian Schmalhofer, ist zehn Jahre alt und nur 1,33 Meter groß. Und doch richten sich alle Blicke auf ihn. Drei Stunden lang haben sich die Zuschauer im Ludwig-Thoma-Haus mit Zaubertricks unterhalten lassen, jetzt strömen sie ins Foyer auf "Magic Maxl" zu. Sie wollen ein Autogramm haben oder ihm die Hand schütteln und ihm gratulieren. Die Schlange wird immer länger. Kinder, Erwachsene stehen an, ja selbst der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann dankt ihm für den "großartigen Auftritt".

Zauberhaft

Maximilian Schmalhofer steht gerne auf der Bühne. Er lernt beim Zauberring München, der ihn zu den Galas als Jungstar mitnimmt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In der Tat, es ist großartig, was der Bub im ausverkauften Stockmann-Saal präsentiert. Es ist ein Heimspiel. Gleich nach der Pause kommt sein Auftritt. Der Defiliermarsch ertönt, als Maxl stilecht in Tracht mit Tirolerhut, Weste und kurzer Lederhosen auf die Bühne schreitet. Und das Publikum klatscht. Endlich darf der Bub seine Zaubertricks vorführen. Zuerst den mit den Karten. Vorn am Bühnenrand steht diese kleine Person, ganz nah am Publikum, damit die Zuschauer ihm genau auf die Finger sehen können. Und doch bemerkt niemand, wie Maxl ein um die andere Karte mit seinen kleinen Händen verschwinden lässt. Auch der Moderator, der selbst zaubert, sieht fasziniert zu, wie geschickt der Junge mit den Karten umgeht. Mit Blick auf die Kinderhände hatte er ihm zuvor angeboten, ein kleines Kartendeck zu verwenden. Doch das lehnte Maxl entschieden ab.

"Damit habt's ned g'rechned, gell?"

Dann die Hütchenspielgeschichte. Er führt sein Publikum an der Nase herum. Versteckt Brezenstücke unter Bechern, schiebt diese hin und her. Und wieder zurück. Die Zuschauer verfolgen das Wechselspiel und müssen dann raten, unter welchem Becher die Brezn versteckt ist. Ganz klar, in der Mitte! Maxl hebt den Becher hoch, keine Brezn da. "Ha", ruft er und hebt den Becher auf der linken Seite hoch. "Da liegt die Brezn." Frech blickt er ins Publikum und lacht. "Damit habt's ned g'rechned, gell?", sagt er in reinem Bairisch. Die Zuschauer sind verblüfft, klatschen wie verrückt, pfeifen, jubeln. Und Magic Maxl verbeugt sich artig. Der Moderator, Zauberer Juno, setzt sich neben ihn auf die Bank. "Jetzt sind das jüngste und das älteste Mitglied des Magischen Zirkels beieinander", erläutert der 63-jährige Zauberkünstler dem Publikum.

Zauberhaft

Wolfgang Moser verwandelt Wasser in Wein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Magische Zirkel von Deutschland, eine der weltweit renommiertesten und größten Vereinigungen von Hobby- und Profizauberern, ist stolz auf sein jüngstes Mitglied. Als der damals neunjährige Maxl im Oktober vorigen Jahres Deutscher Jugendmeister in der Zauberkunst der Salonmagie wurde, musste der Vorstand des Magischen Zirkels erst die Satzung ändern. Eine Aufnahme in den erlesenen Kreis der Magier ist normalerweise erst ab zwölf Jahren möglich.

Auf der Bühne fühlt er sich sichtlich wohl

Zweimal im Monat trainiert Maxl jetzt im Zauberring München, der Ortsgruppe des Magischen Zirkels. Nur vergangene Woche durfte er nicht zum Trainieren ins Clublokal in Puchheim. Seit diesem Schuljahr besucht der Zauberlehrling die fünfte Klasse am Ignaz-Taschner-Gymnasium. In der ersten Schulwoche wollte ihn die Mama, Venesa Schmalhofer, abends daheim haben. Doch die Eltern unterstützen die Begabung ihres Sohnes und sind selbst verblüfft, wenn sie ihm auf der Bühne zusehen. Die Mutter erzählt, dass Maxl in der Klosterschule in der Theatergruppe mitgespielt hat. Vergangenes Jahr erreichte er den zweiten Platz beim Lesewettbewerb der Rotarier. Das erklärt vielleicht seine Selbstsicherheit, mit der er sich auf der Bühne bewegt und seine Nummer ohne Versprecher und Fehler präsentiert. Venesa Schmalhofer sagt: "Das ist sein Naturell. Auf der Bühne fühlt er sich wohl."

Zauberhaft

Das Publikum mit Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (applaudierend) wird in ein Lichtermeer getaucht.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Angefangen hat das Interesse für die Magie mit dem ersten Zauberkasten, den die Oma ihm geschenkt hatte. Eine Zeit lang übte er Tricks und spielte dann doch lieber mit seinen Playmobil-Figuren. Als seine Eltern dann vor drei Jahren mit ihm eine Zaubershow im Prinzregententheater ansahen, holte Maxl den verstaubten Zauberkasten wieder hervor.

Ein Kartendeck hat die Mutter in der Handtasche

Seine Eltern haben das Gästezimmer in ein Zauberzimmer verwandelt. Dort hat Maxl Platz für seine Utensilien sowie einen Tisch und Spiegel. Am liebsten übt er Kartentricks. "Er hat eigentlich immer Karten in der Hand", sagt seine Mutter. Mehr als 52 Kartendecks hat er inzwischen gesammelt. Ein Set liegt im Auto, eines trägt die Mutter in der Handtasche. Und ständig wird geübt. Die Oma ist oft das Versuchskaninchen für Maxls neueste Ideen. Das heißt aber nicht, dass der Bub der Oma seine Geheimnisse verraten würde. "Sonst würde ich die Magie der Tricks verlieren", erklärt Maxl.

Ja, unter den Magiern herrscht ein Ehrenkodex: "Tricks an Laien werden nicht verraten." Auch bei der Show im Ludwig-Thoma-Haus erfährt niemand, wie die Zaubereien funktionieren. Juno lässt Bälle verschwinden, er kann in Seile Knoten machen, die sich von selber auflösen. Fanny C. Bimslechner errechnet auf zauberhafte Weise den Fußballablösequotienten von Thomas Müller, Felix Walter verschluckt Rasierklingen und Wolfgang Moser, der Vize-Weltmeister der Zauberkunst, schafft das Unmögliche. Der magische Meister aus Österreich verwandelt Wasser in Wein, Bier und sogar heißen Kaffee. Und lässt ein Handy verschwinden, das erst am Ende der Show wieder auftaucht. Verpackt und verklebt in drei Kartons. Illusion, Magie? Egal, die Zuschauer haben einen höchst vergnüglichen, kurzweiligen Abend erlebt. Und Maxl erst recht.

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