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Gärtnerei:Ökologisch und vielfältig

Etwa 100 interessierte Fachleute informieren sich auf dem "Samen-Tag" des Obergrashofs über aktuelle Züchtungslinien.

(Foto: Toni Heigl)

Der Obergrashof engagiert sich führend in der Samenzüchtung

Möhren schmecken mal würzig, mal süß, auch beim Radi gibt es "rasse" und milde Exemplare. Aber nicht nur geschmacklich unterscheiden sich Gemüsesorten. Auch Hobbygärtner wissen, dass nicht jede Tomate auf allen Böden und in jeder Klimazone gleich gut gedeiht. Genau um diese Sortenvielfalt für den Ökolandbau noch zu erweitern, baut die Gärtnerei Obergrashof nicht nur Gemüse an, sondern engagiert sich auch maßgeblich in der Samenzüchtung. Unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins Kultursaat arbeitet der Obergrashof als einer von deutschlandweit 25 Betrieben daran mit, weitere sogenannte samenfeste Sorten heranzuziehen. Samenfestes Saatgut unterscheidet sich von den im konventionellen Anbau üblichen sogenannten Hybrid-Sorten dadurch, dass aus der Frucht wieder neuer Samen für die nachfolgende Kultur gewonnen werden kann.

Das Engagement in der Züchtung habe durchaus auch einen gesellschaftlichen Aspekt, erklärt Julian Jacobs, Betriebsleiter am Obergrashof. Denn im Gegensatz zur Saatgutzüchtung für den konventionellen Anbau, die mehr und mehr in der Hand von Konzernen wie etwa Bayer-Monsanto konzentriert ist, werden neue samenfeste Sorten zwar beim Bundessortenamt registriert, unterliegen aber nicht dem Sortenschutz. "Dieses Saatgut gehört allen", erklärt Jacobs vom Obergrashof. Aktuelle Züchtungslinien präsentierte der Obergrashof kürzlich bei einem "Samen-Tag", zu dem 100 interessierte Fachleute aus den Bereichen Anbau, Züchtung, Handel und Forschung auf den Hof im Osten von Dachau kamen. Eingeladen hatte die Bingenheimer Saatgut AG, ein Unternehmen, das für die unter dem Dach des Vereins Kultursaat entwickelten Sorten die Vermehrung und den Vertrieb organisiert. Im Netzwerk der ökologischen Samenzüchter ist der Obergrashof für Blumenkohl, Kohlrabi und Rettich ein wichtiger Züchtungsstandort. Auch drei Zuchtlinien für Möhren werden gerade in der Entwicklung getestet. "In den nächsten Wochen entscheidet sich, welche wir zur Anmeldung beim Bundessortenamt einreichen", erklärt Jacobs.

Ziel aller Züchtungsarbeit seien Geschmack und Bekömmlichkeit. Doch auch die sich mit dem Klimawandel verändernden Anbaubedingungen "werden eine weitere Herausforderung sein." Als Reaktion auf längere Trockenperioden wird es notwendig werden, die Anbautechnik zu verändern, so Jacobs. Einen wichtigen Beitrag werde aber auch die Züchtung entsprechend angepasster Sorten leisten.