G8 Das Ganztags-Gymnasium muss her

Die verkürzte Schulzeit auf acht Jahre im Gymnasium bringt viele Probleme mit sich. Lehrer und Eltern wollen trotzdem nicht zurück zum G9.

Von Robert Stocker und Petra Schafflik

Die Reduzierung der gymnasialen Schulzeit auf acht Jahre sollte mehr Abiturienten in kürzerer Zeit zu besseren Ergebnissen führen - so lautete eine der Begründungen für das G 8, das vor knapp zehn Jahren innerhalb kürzester Zeit in den alten Bundesländern eingeführt wurde. Schon damals hatten Fachleute große Bedenken gegen die Reform, die Betroffenen - Lehrer, Schüler, Eltern - waren alles andere als begeistert. Die Abiturienten des Jahres 2012 sind die ersten, die das G 8 komplett durchlaufen haben. Ihre Leistungen waren häufig durchwachsen und lösten eine neuerliche Debatte um Sinn und Unsinn der Gymnasialreform aus. Während der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) konstatierte, in Bayern gebe es kein Zurück zum G 9, haben andere Bundesländer angekündigt, den Gymnasien künftig eine Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 einzuräumen. Die Direktoren und Elternvertreter der Dachauer Gymnasien sehen eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium skeptisch und fordern stattdessen Nachbesserungen beim G 8.

Unterricht mit Leidenschaft: Deutschlehrerin Christina Hebecker musste bei der Abiturfeier des Indersdorfer Gymnasiums demonstrieren, wie man Schüler für deutsche Literatur begeistern kann.

(Foto: DAH)

Trotz deutlicher Kritik an den Schwächen des achtjährigen Gymnasiums wollen die Eltern im Landkreis keinesfalls zurück zum G 9. Zwar gebe es nach wie vor Schwachstellen, aber eine Rückkehr "ist definitiv nicht der richtige Schritt", sagt Martin Frank, Elternsprecher des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums (ITG). Viel zu viel Unruhe brächte eine neuerliche Reform an die Schulen, betont Christine Haumer vom Elternbeirat des Gymnasiums Markt Indersdorf (GMI). "Mit dem Abiturjahrgang dieses Jahr hat sich das G8 etabliert und alle Schüler haben nun die gleichen Bedingungen", findet auch Annja Koeniger, Elternbeiratsvorsitzende des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums (JEG).

Auch eine Wahlfreiheit zwischen beiden Systemen, wie sie im kommenden Schuljahr etwa Baden- Württemberg den Gymnasien anbietet, findet keinen Beifall. "Das gibt nur ein Riesendurcheinander", fürchtet Martin Frank. Die dafür benötigten Lehrerressourcen sollten lieber innerhalb des G 8 verwendet werden, um den Unterricht zu sichern und bei Stundenausfall eine fachliche Vertretung zu gewährleisten, meint Koeniger. Die Eltern plädieren durchaus für Reformen, aber innerhalb des Systems.

Während sich Haumer und Koeniger eine weitere Straffung der Lehrpläne vorstellen können, warnt ITG- Sprecher Frank: "Stoff streichen auf keinen Fall". Einig sind sich die Elternvertreter, dass durchdachte Ganztagskonzepte eine Lösung sein können. Dafür müssten die Schulen räumlich und personell vernünftig ausgestattet werden, "das kostet Geld", betont Frank. Christine Haumer ist überzeugt, "dass das G 8 langfristig nur als Ganztagsschule realisiert werden kann". Doch nicht alle Eltern wünschen sich ein G 8 ausschließlich als Ganztagsschule, wissen die Sprecher der drei Gymnasien. "Auch die Regelschule könnte mit gestrafftem Lehrplan wieder Zeit für Freizeitaktivitäten schaffen, die oftmals wichtige Grundlagen für soziale Kompetenzen der Schüler darstellen", erklärt daher Annja Koeniger.

Nachbesserungsbedarf sehen die Eltern auch vor dem Hintergrund, dass heuer im zweiten G-8-Jahrgang erneut unerwartet viele Schüler Probleme mit den Abiturprüfungen hatten. Wenn Mathematik und Deutsch nun Pflichtfächer sind, "dann muss man dafür sorgen, dass die Schüler eine Chance haben, es zu schaffen", sagt GMI-Sprecherin Haumer. Martin Frank vom Dachauer ITG sieht die Ursachen wie beim gesamten G 8 am System: "Zu wenige Stunden, zu wenige Lehrer, zu große Klassen." Allerdings: Große Hoffnungen auf grundlegende, durchdachte Reformen haben die Eltern trotz der aktuellen politischen Diskussion nicht. "Weil alles Geld kostet", das die politisch Verantwortlichen nicht bereit seien auszugeben, wie ITG-Sprecher Martin Frank meint.

Machbar ist alles", sagt Kurt Stecher auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium vorstellen könne. "Ob es gut wäre, ist eine andere Frage." Der Direktor des Josef-Effner-Gymnasiums ist der Ansicht, dass beide Gymnasialformen ihre Vorteile haben. Entscheidend sei, wie man sie umsetze. Das G 8 habe den Vorteil, dass jetzt wie im europäischen Ausland viele junge Leute mit 17 Jahren an die Universität gehen könnten. "Aber die Rahmenbedingungen für das G 8 müssen stimmen. Wir brauchen dafür einen durchgängigen Ganztagesunterricht mit Studienzeiten." Stecher ist allerdings klar, dass eine solche Schulform "wesentlich mehr Geld" kosten würde.

Skeptisch beurteilt auch Peter Schötz, stellvertretender Schulleiter am Ignaz-Taschner-Gymnasium, eine Abkehr vom G 8. "Eine Rückführung wäre ein riesiger organisatorischer Aufwand und würde außerdem bedeuten, dass das G 8 ein großer Irrtum war." Dennoch stellt Peter Schötz fest, dass "am G 8 aus pädagogischen Gründen weiter rumgebastelt wird und die Nachteile beseitigt werden sollen". Ein Hauptgrund für die Einführung des G 8 besteht nach seiner Ansicht immer noch: die Wettbewerbsfähigkeit mit Schülern im europäischen Ausland.