Publizist und NS-Gegner Fritz GerlichDer Mann, der gegen Hitler anschrieb

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Fritz Gerlich (1883-1934), einst Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“.
Fritz Gerlich (1883-1934), einst Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“. (Foto: Repro: Niels P. Jørgensen)

Publizist Fritz Gerlich ließ in den 1930er-Jahren keine Gelegenheit aus, um die NSDAP in seinen Artikeln scharf zu attackieren. Jetzt erinnert eine Tafel in der KZ-Gedenkstätte an den mutigen Journalisten, der dort ermordet wurde.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

„Hat Hitler Mongolenblut?“: Mit dieser Frage auf der Titelseite erschien am 17. Juli 1932 die Ausgabe der Münchner Zeitschrift „Der gerade Weg“. Der dazugehörige zweiseitige Text gab die Antwort. Es war eine Satire, welche die Rassenideologie der Nationalsozialisten veräppelte. Dem NSDAP-Chef aus Österreich und „Erwecker der nordischen Seele“, wie es in der Unterzeile hieß, wurden darin pseudowissenschaftlich ein slawisch-mongolisches Aussehen und ein asiatisch-despotischer Rassecharakter angedichtet.

Dies war nur eine von vielen Schlagzeilen gegen die Nationalsozialisten, welche die Zeitschrift Anfang der 1930er-Jahre veröffentlichte. Herausgeber war Fritz Gerlich, ein nationalkonservativer Kopf und konvertierter Katholik. In den 1920er-Jahren leitete Gerlich als Chefredakteur die Münchner Neuesten Nachrichten, aus der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Süddeutsche Zeitung hervorgehen sollte. Ab 1930 brachte Gerlich seine eigene Zeitung heraus, den Illustrierten Sonntag. Später erschien dieser unter dem Namen Der gerade Weg.

Es war ein Kampfblatt gegen die NSDAP. Gerlich ließ keine Gelegenheit aus, um Hitler und seine Partei mit publizistischen Mitteln scharf zu attackieren – und zwar im Wissen um die Gefahr, in die er sich damit brachte: Am 9. März 1933, nur wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verwüsteten SA-Einheiten die Redaktionsräume in der Hofstatt in der Nähe des Münchner Marienplatzes. Gerlich wurde brutal misshandelt, er musste 16 Monate in „Schutzhaft“ verbringen. In der Nacht auf den 1. Juli 1934 wurde er im Konzentrationslager Dachau erschossen.

„Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ hieß es im Untertitel der Publikation, die Gerlich nach seinen Vorstellungen formte.
„Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ hieß es im Untertitel der Publikation, die Gerlich nach seinen Vorstellungen formte. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Jetzt, 91 Jahre später, erinnert eine Gedenktafel in der KZ-Gedenkstätte Dachau an den mutigen Publizisten. Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, hat die Tafel vor Kurzem enthüllt und gesegnet. Neben Gerlich würdigt diese auch das mutige Handeln von Wolfgang Meier aus Obertaufkirchen in der Nähe von Dorfen. Der Landwirt versteckte ab September 1944 den NS-Gegner und Jesuitenpater Augustin Rösch auf seinem Hof. Rösch, der zur Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ gehörte, wurde nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 landesweit gesucht. Im Februar 1945 stürmte die Gestapo das Anwesen und nahm Rösch, Meier sowie zwei seiner Söhne und seine Tochter fest. Meier wurde ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort starb er am 22. Februar 1945 angeblich an Typhus.

Gerlich und Meier „haben den Mut aufgebracht, ihrer inneren Überzeugung treu zu bleiben und sich dem NS-Regime zu widersetzen. Ihre christliche Prägung war dabei eine wichtige Quelle dieser inneren Kraft“, so Generalvikar Klingan. Beide hätten zu ihrer Zeit zu einer Minderheit in einer „großen Menge der Ängstlichen, Schweigenden und Wegsehenden“ gehört. Von Gerlich und Meier könne man für die Herausforderungen der Gegenwart lernen, betonte Klingan: „Auch heute gilt es wieder in aller Dringlichkeit, nicht Hass und Hetze, Verrohung und Spaltung zu erliegen, sondern klar für Mitmenschlichkeit und den Wert jedes Einzelnen Stellung zu beziehen.“

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SZ PlusVon Thomas Radlmaier (Text) und Katja Schnitzler (digitale Umsetzung)

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