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Forsten:Raus aus der Schmuddelecke

Holzernte

Bäume müssen gefällt werden, wenn sie "erntereif" sind, wie hier im Januar am Petersberg bei Erdweg. das dient der Pflege des Waldes, mahnt der Vorsitzende der Dachauer Waldbauernvereinigung Leonhard Mösl.

(Foto: Niels Jørgensen)

Der Geschäftsführer der forstwirtschaftlichen Vereinigung liest den Dachauer Waldbesitzern auf deren Jahresversammlung die Leviten. Den Naturschutz müsse jeder im eigenen Gebiet umsetzen - und etwa Totholz liegen lassen für Insekten oder als Bruthöhle

Von Renate Zauscher, Schwabhausen

Stürme, Borkenkäfer, Trockenperioden vor allem im Frühjahr, wenn gepflanzt werden soll: Der Klimawandel hat zur Folge, dass sich Waldbesitzer heute mehr denn je Sorgen um ihre Bestände machen müssen. Bei der diesjährigen Versammlung der mittlerweile 1429 Mitglieder starken Waldbauernvereinigung Dachau (WBV) in Schwabhausen konnte der Vorsitzende Leonhard Mösl trotz vieler Schadensereignisse in anderen Landesteilen dennoch von einem für den Landkreis Dachau gut verlaufenen Jahr 2017 berichten: "Der Käfer hat es einigermaßen gut mit uns gemeint", erklärte Mösl, Dachau sei vergleichsweise glimpflich davongekommen. Im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck sei doppelt so viel Käferholz wie in Dachau angefallen. Von der zehnfachen Menge im Bereich Landsberg berichtete Günter Biermayer, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck. Auf den Endmoränen am Ammersee etwa hätten Fichten mit deutlich schwierigeren Bodenverhältnissen als in Dachau zu kämpfen, was sich auf die Anfälligkeit für Käferbefall auswirke.

Glück hatten die Dachauer Waldbauern auch, was Sturmschäden angeht: So blieb der Landkreis sowohl im Vorjahr als auch bei den jüngsten Sturmereignissen weitestgehend verschont. Die Stürme in Norddeutschland Anfang diesen Jahres und die Holzmengen, die dadurch auf den Markt kamen, haben sich laut dem Geschäftsführer der WBV, Peter Göttler, allerdings auch in Süddeutschland negativ auf den Holzpreis ausgewirkt. Auf bessere Holzpreise zu warten sei jedoch die falsche Strategie, erklärte Leonhard Mösl den weit mehr als 100 Besuchern der Versammlung in der Schwabhausener Post: "Erntereifes Holz" solle zeitnah auch tatsächlich geerntet werden. Ohnehin müsse der Wald gepflegt und regelmäßig Holz entnommen werden, um stabile, gesunde Bestände zu erhalten.

Um "zukunftsfähig" zu bleiben, müsse vor allem auch der Waldumbau weiter vorangebracht werden, erklärte Mösl: Weg von sturmgefährdeten reinen Fichtenkulturen und hin zu abwechslungsreichen Mischwäldern, wie dies Förster und WBV seit langem den Waldbesitzern raten. Eine Ratschlag ganz anderer Art hatte Landrat Stefan Löwl (CSU) für die Waldbauern: "Halten Sie sich beim Wegebau an die Vorschriften", bat er die Waldbesitzer. Bei der Holzernte mit großen Harvestern und schweren Lkws würden Waldwege oft stark in Mitleidenschaft gezogen, was von der Öffentlichkeit "immer wieder negativ gesehen wird."

Von seinen Sorgen bezüglich eines Übergreifens der afrikanischen Schweinepest auf die Region um Dachau sprach Simon Sedlmair, der Zweite Vorsitzende des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis. "Es ist fünf vor zwölf - ich hoffe, dass Notprogramme in der Schublade liegen", erklärte er. Als Hauptreferent war Andreas Tyroller, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern, nach Schwabhausen gekommen. "Forstwirtschaft und Naturschutz: eine Erfolgsgeschichte" hieß das Thema seines Vortrags. Tyrollers Botschaft an die Waldbauern: "Die Natur ist bei euch im Wald zu Hause - nicht bei der Naturschutzbehörde im Landratsamt, nicht im Ministerium in München oder auf den Web-Seiten der Naturschutz-Organisationen". Dies aber werde nicht ausreichend zur Kenntnis genommen und sei auch den Waldbesitzern selbst oft nicht ausreichend bewusst. "Wir reden nur über Festmeter, das ist unser Problem", erklärte Tyroller in seiner sehr temperamentvollen, plakativen Rede: "In unserer Außenwirkung ist etwas sehr schief gelaufen". Statt sich in eine "Schmuddelecke" stellen zu lassen, sollten die Waldbesitzer selbstbewusst auf ihre Naturschutz-Leistungen verweisen. So sei ein Drittel des deutschen Walds als "naturnah" oder "sehr naturnah" eingestuft worden. Ein erheblicher Teil des Waldes habe damit die Qualität eines Nationalparks. Die Versammlungsteilnehmer hörten es offenbar gern: Widerspruch fanden Tyrollers Thesen nicht.

Doch Tyroller appellierte auch die Fähigkeit der Waldbauern, Naturschönheit bewusst wahrzunehmen, zu schätzen und etwa alte "Vogelbäume" stehen zu lassen, um Nistmöglichkeiten für Höhlenbrüter zu bieten. "Die Natur ist dermaßen interessant und schön - geht hinaus, schaut sie an, und freut euch an ihr!", lautete Tyrollers Rat.

© SZ vom 14.03.2018
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