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Förderverein:Kunst über den Dächern Dachaus

Seit 20 Jahren ist der Wasserturm bei Musikern wie bildenden Künstlern beliebt. Der Förderverein feiert das Jubiläum mit Percussionstar Christian Benning und wünscht sich einen Treppenlift

Das Jubiläum des Fördervereins Wasserturm sollte spektakulär gefeiert werden. Immerhin 20 Jahre besteht er nun. Also ließ der zweite Vorsitzende, Josef Baur, seine Kontakte zu Percussionstar Christian Benning spielen und gewann ihn tatsächlich als Überraschungsgast. Es war Bennings zweiter Auftritt im Turm, und er hätte spektakulärer nicht ausfallen können. Rund 50 Einzelteile, überwiegend in schwarze Schutzhüllen verpackt und schwer zu tragen, mussten erst einmal über 100 Stufen in den zweiten Stock geschleppt und aufgebaut werden. Nur gut, dass Papa Benning und Josef Baurs Sohn Bartholomäus mit anpackten. "Ein Aufzug", dachten sich nicht nur die beiden, "täte Not". Insbesondere ältere Besucher, Freunde und Förderer des Wasserturms wie die Vorsitzende Karin Oschmann (81 Jahre alt), Rosa Rühl (89) sowie das älteste Mitglied Marianne Witzgall (93), um nur einige zu nennen, wünschen sich seit Jahren von der Stadt eine technische Lösung beim Thema Treppenlift.

Wasserturm

Es war eine Herausforderung: 50 Einzelteile mussten die 100 Stufen hinaufgeschleppt werden, bevor der Star des Abends Christian Benning mit seinem Konzert anlässlich des Jubiläums des Fördervereins beginnen konnte.

(Foto: Andreas Peter Förster)

Sie fanden einen weiteren prominenten Fürsprecher: den Dachauer Musikpädagogen, Chorleiter und Konzert-Impressario Jürgen Rothaug (74). Auch er weiß nicht erst seit seinem ersten großen Event im Wasserturm, einer musikalischen Reise durch die Jahrhunderte von Renaissance über Barock bis zur Wiener Klassik, um die Mühen des Aufstiegs. Und so ließ auch er es sich nicht nehmen, eine lyrische Laudatio auf diesen besonderen Ort zu halten, mit einem deutlichen Hinweis auf den Herzenswunsch des Fördervereins: einem Lift bis zum ersten Stock und damit Barrierefreiheit wenigstens bis dahin. Abschließend meinte Rothaug augenzwinkernd: "Was St. Jakob geschafft hat, das sollte dem Wasserturm nicht verwehrt bleiben."

Wasserturm

Chorleiter und Konzert-Impressario Jürgen Rothaug intoniert ein Ständchen für den Verein. Er will sich nun verstärkt für einen Lift einsetzen.

(Foto: Andreas Peter Förster)

Der Pfarrverband, nur einen Steinwurf entfernt, hatte im Sommer einen Außenlift für das Pfarrheim erhalten. Rothaug will sich nach seinem Holocaust-Gedenkkonzert Ende September in der Kirche St. Josef in Oświęcim verstärkt dafür einsetzen. Das versprach auch Thea Zimmer, die Vorsitzende des Seniorenbeirats, der sich am selben Tag einstimmig für die künftige Barrierefreiheit im Wasserturm aussprach.

Während des Auftritts war Christian Benning der anstrengende Aufbau seines Equipments nicht mehr anzumerken. "Sein Konzert war eine Sternstunde, wie sie der Wasserturm in den letzten Jahren selten erlebt hat", resümierte Karin Oschmann. Benning trug unter anderem Stücke des Serben Nebojša Jovan Zivković vor, einer seiner Lieblingskomponisten. Diese hatte er teilweise selbst arrangiert, der 22-Jährige bespielte aber auch sämtliche Instrumente und Stile, die in einem Metier, der Percussion, gängig sind: Kleine Trommel, Vibraphon, Drumset, Blues, Jazz, Barockmusik und den von ihm neu arrangierten Klassiker für spanische Gitarre, "Asturias" von Isaac Albéniz. Emotional besonders aufgeladen war der Song "Blues for Gilbert" von Mark Glenworth, den Benning zu Ehren seines vor zwei Jahre verstorbenen Musiklehrers mit Tränen in den Augen auf dem Vibraphon intonierte. Furios das vierteilige "Crossover" von Wolfgang Reifeneder auf der kleinen Trommel und unter Zuhilfenahme von Fingern, Handballen und Ellenbogen, der irrsinnige Trommelwirbel bei "Le Train" von Dante Agostini oder das als fulminante Pantomime mit leuchtenden Drumsticks unter Schwarzlicht inszenierte "Bad Touch"-Soundexperiment des Amerikaners Casey Cangelosi.

Die fast schon klaustrophobische Enge im Wasserturm ließ die Akustik zu einer Herausforderung für manche Zuhörer werden. Doch tat das der ehrlichen Begeisterung keinen Abbruch. Es zeigte einmal mehr: Der Wasserturm ist ein Ort, an dem Kunst so vielfältig wie sonst nirgends in Dachau zelebriert wird.