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Flucht aus der Türkei:Bedroht und angefeindet

Asylbewerber

Yalcin Celal, 25, lebte in Adiyaman in der Türkei. Weil er kurdischer Alewit ist, war er ständigen Anfeindungen ausgesetzt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ich bin Kurde und Alewit. Meine Familie lebt in der Türkei, in der Stadt Adıyaman. Sie ist noch dort, es geht ihnen gut. Ich bin alleine nach Deutschland geflohen. Als ich noch in der Türkei war, bin ich zur Universität gegangen, in Istanbul und in Mardin. Überall gab es Probleme. In Istanbul haben mich die Türken angefeindet, in Mardin hatte ich Schwierigkeiten mit der Polizei. Auch zu Hause, in Adıyaman, wurden wir Alewiten ständig bedroht.

Einmal habe ich mit einem Freund an einer Demonstration teilgenommen, bei der wir uns mit den Kurden solidarisch zeigen wollten, die in Kobanê vom "Islamischen Staat" terrorisiert wurden. Wir wurden von der Polizei drangsaliert. Mein Freund wurde festgenommen, er muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Ich konnte zum Glück entkommen. Aber ich hatte ständig Angst. Ich konnte nachts nicht einschlafen. Mir ging es schlecht. Ich habe immer mit dem Gefühl gelebt, in Gefahr zu sein. Deswegen wollte ich weg. Ich bin in ein Flugzeug gestiegen und nach Deutschland geflogen.

Ich bin seit 40 Tagen hier, und die Deutschen sind wirklich gute Leute. Wenn es irgendwo Probleme gibt, dann kommen sie und helfen. Ich bin sehr froh, dass ich hier bin und hoffe, dass ich bleiben kann. Klar, es gibt in der Halle immer wieder Streitereien. Aber ich glaube, dass das vor allem an uns liegt. Wir zoffen uns um Kleinigkeiten, ums Fernsehprogramm, um Zigaretten. Es ist eben schwierig für uns, es hier drin auszuhalten, ganz ohne Privatsphäre. Aber das ist nicht die Schuld der Deutschen. Sie helfen uns schließlich.