Neue SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München:Wie Wickie an den Walchensee kam

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Neue SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Ein Wikinger-Schiff wie in der Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer" wurde für die Dreharbeiten in den Walchensee gelassen.

Ein Wikinger-Schiff wie in der Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer" wurde für die Dreharbeiten in den Walchensee gelassen.

(Foto: Marco Nagel/Constantin Film Verleih GmbH/oh)

Die Filmbranche hat die Region für nationale TV- und Kinoproduktionen längst entdeckt. Aber auch Hollywood-Stars wie Oliver Stone drehen gerne im Münchner Umland.

Von Karin Kampwerth

Achtung, Achtung, wer seiner cineastischen Illusionen nicht beraubt werden möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wickie, der kleine, kluge Sohn von Halvar aus Flake, ist eigentlich ein Kind des Walchensees. Denn die beiden Filme "Wickie und die starken Männer" und "Wickie auf großer Fahrt" von Michael Bully Herbig wurden keineswegs irgendwo im sehr hohen Norden gedreht, sondern an dem sehr oberbayerischen See, der bisweilen mehr an Karibik statt an skandinavische Küste denken lässt. Dass Herbig mit seinem Team ausgerechnet in der Sachenbacher Bucht gestrandet ist und dort die Holzhaus-Kulissen aufgeschlagen hat, hat gute Gründe: Die Crew hatte in ganz Europa nach einem Drehort gesucht. Es sollte schließlich authentisch aussehen, wenn die Film-Wikinger mit ihrem Schiff in Flake am Fjord anlegen. Aber erst am Walchensee wurden perfekte Bedingungen gefunden. Wie praktisch, denn so war es auch nicht weit nach Grünwald in die Bavaria Filmstadt, in deren Studios ebenfalls eine Reihe an Szenen gedreht wurden.

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(Foto: SZ-Grafik)

Dass der Walchensee noch skandinavischer aussieht als Skandinavien selbst, zeigt sich dort, wo die Mautstraße in die Jachenau abzweigt. "Das Wasser schimmert türkisblau, dahinter die mit Mischwald bestandenen Ufer. Die Berghänge von Herzogstand und Fahrenkopf spiegeln sich über mehrere Kilometer im See. Rote Bootshüten auf der lang gestreckten Halbinsel Zwergern (...) verstärken das nordische Flair." Mit dieser blumigen Beschreibung wirbt das Marketingbüro "Bayern Tourismus" auf erlebe.bayern.de für das beliebte Ausflugsziel. Denn längst haben Touristiker erkannt, dass der Freistaat nicht nur Folklore zu bieten hat, sondern auch tolle Filmkulissen, die in zahlreichen TV-, Film- und inzwischen auch Streamingdienst-Produktionen auftauchen.

Neue SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: Für Urlauber gibt es Führungen durch das Filmdorf Flake in der Sachenbacher Bucht.

Für Urlauber gibt es Führungen durch das Filmdorf Flake in der Sachenbacher Bucht.

(Foto: privat)

Urlauber lassen sich damit durchaus locken, sagt Destinations-Managerin Josephine Müsgen von Bayern Tourismus. Sehen, wo Blockbuster oder bekannte TV-Serien gedreht wurden, sei ein "Inspirationsquell" für Urlauber. Am Walchensee ist deshalb das Filmdorf Flake stehen geblieben, in Bad Tölz kann man auf den Spuren des Bullen von Tölz wandeln und in Wolfratshausen führt eine App samt Quiz durch die Welt von Hubert mit und ohne Staller.

Um an die Informationen zu kommen und diese für Urlauber genauso wie für Tagesausflügler in ein attraktives Programm zu gießen, dafür arbeiten die Touristiker seit 2014 mit dem bayerischen Film- und Fernsehfonds (FFF) zusammen. Unter diesem Dach findet sich auch die Film Commission Bayern, die der Branche als erste Anlaufstelle für nationale und internationale Produktionen dient. In Zusammenarbeit mit der Film Commission hat etwa Oliver Stone die Filmbiographie des Whistleblowers Edward Snowden gedreht. Szenen daraus entstanden in Tutzing, aber auch in der Münchner Ludwigstraße.

Neue SZ-Serie: Abgedreht - Filmkulissen rund um München: "Hubert ohne Staller" ermittelt rund um Wolfratshausen. Die Stadt hat daraus eine touristische Attraktion gemacht.

"Hubert ohne Staller" ermittelt rund um Wolfratshausen. Die Stadt hat daraus eine touristische Attraktion gemacht.

(Foto: ARD/TMG/Jenrick Mielke; ARD/oh)

Wer einen Dreh plant, kann sich in der Motiv-Datenbank der Film Commission umschauen, die von Kathrin Winter verantwortet wird. "Unsere Motive müssen alle öffentlich zugänglich sein", sagt Winter. Neben bekannten Münchner Locations wie dem Müller'schen Volksbad oder Flughafen finden sich dort auch das Starnberger Hotel Vier Jahreszeiten, das Freibad Ainhofen bei Markt Indersdorf, das Flugwerk Feldkirchen, Gut Hartschimmel am Ammersee, ein Blockhaus in Oberpframmern oder das Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Wer aber sein Reihenhäuschen für den nächsten Tatort zur Verfügung stellen möchte, hat kein Glück, in die Datenbank aufgenommen werden. "Privatleute schicken wir weiter an unsere Location-Scouts", sagt Kathrin Winter.

Oberbayern mit dem Münchner Umland ist für Film und Ferien gleichermaßen geeignet. Ob Hollywood oder "Dahoam is dahoam", die Landschaft könne vieles covern, sagt Anja Metzger, die Chefin der Film Commission. Pro Jahr entstehen 24 bis 30 Kinoproduktionen und 110 bis 130 TV-Formate. Tendenz steigend, dank Netflix, Amazon oder Apple Plus. Gleichzeitig ist der Weg in die digitale Film-Zukunft geebnet. In Penzing im Landkreis Landsberg am Lech entsteht am ehemaligen Fliegerhorst gerade eine digitale Filmstadt. "Das wird die Filmwelt revolutionieren", ist Metzger überzeugt.

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