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Fernsehen:Aufnahmestudios mit einer Gesamtfläche von 1400 Quadratmetern

Ansonsten ist es an diesem Vormittag relativ ruhig auf den Straßen, zumal ein Teil des Teams für einen Außendreh nach Arzbach in die Gemeinde Röhrmoos verreist ist. Der Rundgang führt also ins Herz der Serie - in die drei großen Aufnahmestudios mit einer Gesamtfläche von 1400 Quadratmetern. Der Großteil der Innenaufnahmen entsteht hier. Die drei Studios beheimaten insgesamt 38 Kulissensets - von Wohnräumen der Serienfamilien über Bambergers Apotheke und die Metzgerei bis hin zur Wirtsstube im "Brunnerwirt". Die meisten Sets sind wegen des Platzmangels so konzipiert, dass sie bei Bedarf jederzeit umgebaut werden können. Das WG-Zimmer kann sich so kurzerhand in eine Kirche mit Beichtstuhl verwandeln, auch dank mobiler Wände.

In den großen Studios kommt Leben hinter die Fassaden. Im Wohnzimmer der Brauereifamilie Kirchleitner wird gerade gedreht. Was genau passiert, darf natürlich nicht verraten werden. Nur so viel: In der Szene treffen zwei prominente Schauspieler aufeinander, Eisi Gulp, der nebenbei noch den kiffenden Vater vom Kommissar Eberhofer spielt, und der 72-jährige Gerd Lohmeyer, ein Mann, der in seinem Leben auf unzähligen Theaterbühnen gestanden ist und an Spielfilmen wie "Der Schuh des Manitu" oder im Tatort mitgewirkt hat. In der Serie verkörpert er Michael Gerstl, der nach seiner Pensionierung ehrenamtlich in Lansing für Recht und Ordnung sorgt. Eisi Gulp spielt Alexander "Sascha" Wagenbauer, einen ungebundenen Lebemann, der eines Tages plötzlich in Lansing aufgetaucht ist.

Der Star der Szene ist jedoch eine Katze. Rettenbeck erzählt, dass sie mit Tier-Trainerin Eve Schwender bereits seit Wochen übt, was das Drehbuch von ihr verlangt. Die Trainerin diskutiert am Set intensiv mit Regisseur Julian Plica. "Sie müssen sich einig werden, wie man die Szene am stärksten inszeniert, ohne dass die Katze zu viel Stress ausgesetzt wird", erklärt Produktionsleiter Rettenbeck.

Der Mann ist ein wandelndes Nachschlagewerk, was "Dahoam is Dahoam" angeht. Die Fakten, die er nennt, geben eine Ahnung, welcher Aufwand hinter der Produktion einer Daily Soap steckt. Insgesamt sind mit der Serie 150 Mitarbeiter aus verschiedensten Bereichen beschäftigt. Pro Woche werden demnach fünf Folgen à 28 Minuten gedreht. Eine Folge besteht aus etwa 20 Szenen, von denen täglich zwischen 16 und 18 gedreht werden. Die Akkordarbeit ist minutiös geplant. Die Schauspieler - derzeit sind es 23 Haupt- und sieben Nebenrollen - bekommen wie in der Schule einen Stundenplan, wann und an welchen Set sie zu erscheinen haben. Zur Seite werden ihnen sogenannte Dramaturgiecoaches gestellt. Jede Szene verlangt schließlich ihre eigene Körpersprache. "Die Coaches bringen die Schauspieler in die richtige Stimmung", sagt Rettenbeck.

Die Geschichten hinter den Szenen denken sich mehr als 30 Autorinnen und Autoren unter der Leitung von Chefin Martina Borger aus. Von der ersten Idee bis zum fertigen Drehbuch dauert es mindestens acht Wochen; vom fertigen Drehbuch bis zur Ausstrahlung weitere fünf Monate. Dazu muss man wissen, dass die einzelnen Folgen nicht chronologisch abgedreht werden. Vom Dreh einer Folge bis zu ihrer Ausstrahlung vergehen etwa zwölf Wochen. Da muss man erst Mal den Überblick bewahren.

Und der "Dahoam is Dahoam"-Fan ist kritisch. Wenn in der Metzgerei die Wurstattrappen in mehreren Folgen an der selben Stelle hängen bleiben, klingelt im Hauptquartier an der Schleißheimer Straße sofort das Telefon. Wehe, es wirkt etwas nicht echt. Beim Dorffest an diesem Samstag werden sie alles ganz genau unter die Lupe nehmen. Das fiktive Dorf Lansing im Landkreis Baierkofen wird dann plötzlich echt. Aber Finger weg von den Weißwürschten!

© SZ vom 13.10.2017/lela, axi
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