Fehlende Betreuungsplätze Bamberger-Schulhaus soll Kita werden

Notlösung: In einem Gebäude der jetzigen Elisabeth-Bamberger-Schule will die Gemeinde Karlsfeld Betreuungsplätze für Kinder einrichten.

(Foto: Niels Jørgensen)

In Karlsfeld fehlen 140 Betreuungsplätze für Kinder, obwohl die Gemeinde seit Jahren ihr Angebot ausbaut.

Von Gregor Schiegl, Karlsfeld

Die Gemeinde Karlsfeld hat Mühe, den rasant steigenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen zu decken. 140 Kinder konnten in den bestehenden Einrichtungen nicht mehr untergebracht werden. Deswegen kauft die Gemeinde nun ein Gebäude der Bamberger-Schule im Gewerbegebiet an, um dort 161 neue Plätze zu schaffen. Das teilte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) am Montagabend in der Bürgerversammlung mit. "Wir werden allen Eltern einen Platz für ihre Kinder anbieten", versprach er unter dem Applaus der Zuhörer. "Das geschieht mit heißer Nadel, aber wir sehen die Not der Eltern."

An die betroffenen Eltern waren bereits Briefe mit Absagen herausgegangen. Ihnen will die Gemeinde nun anbieten, ihr Kind in der neuen Einrichtung im Gewerbegebiet unterzubringen, wohl wissend, dass der Standort nicht ideal ist. "Aber man muss sich vor Augen führen, in welcher Geschwindigkeit wir die Plätze aus dem Boden stampfen", sagte Kolbe. "Daran sehen Sie, wie wichtig uns die Kinderbetreuung ist." In der Kürze sei es der Gemeinde nicht möglich gewesen, Container anzumieten. Auch fehlten Grundstücke in der Nähe der Grundschule, auf denen sie so eine Anlage hätte errichtet werden können. Die Einrichtung mit Platz für drei Kindergärten- und drei Krippengruppen sowie zwei Hortgruppen für die Kinder der Grundschule an der Krenmoosstraße soll noch im Oktober im Gewerbegebiet eröffnet werden.

Angst um den Job

Bei den Eltern hatten die Absagen große Unruhe ausgelöst. Walter Weinfurtner, selbst Vater eines Grundschulkindes, hatte kurzerhand mehr als 120 Protestunterschriften gesammelt. "Die Eltern hoffen, dass das Gebäude rechtzeitig fertig ist, weil sie sonst ihren Job verlieren", sagte Weinfurtner. Er ist selbst berufstätig, auch seine Frau arbeitet. "Wir haben hier keine Verwandten, die sich um das Kind kümmern könnten." Für viele Familien in Karlsfeld ist Kinderbetreuung eine Existenzfrage. Meist reicht ein Einkommen allein nicht aus, um sich die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten leisten zu können. Karlsfeld ist als Wohnort die teuerste Gemeinde im Landkreis. Dass Weinfurtners Wunsch schon so gut wie erfüllt ist und sogar schon das benötigte Personal für die Kinder bereitsteht, hielt ihn trotzdem nicht ab, scharfe Kritik an der nun angebotenen Lösung zu üben. Die relativ hohe Zahl von 140 Kindern ohne Betreuungsplatz spreche für eine "Fehlplanung" der Gemeinde. Auch sei der Weg ins Gewerbegebiet Grundschülern wegen der vielen Ausfahrten und dem Lastwagenverkehr ohne Begleitung nicht zuzumuten. "Da können Sie keine Sechsjährigen alleine laufen lassen." Im Rathaus sieht man das nicht so kritisch. Gemeinsam mit der Polizei will die Gemeinde eine Route finden, auf der die Kinder die etwa einen Kilometer lange Strecke sicher zu Fuß zurücklegen können. Auch gebe es - anders als wie von Weinfurtner befürchtet - 6000 Quadratmeter Außenanlagen, einen Fußballplatz und eine Wiese für die Kinder.

Karlsfeld arbeitet schon seit Jahren mit Hochdruck daran, sein Kinderbetreuungsangebot auszubauen. Das belegen die Zahlen. Aktuell hält die Gemeinde 1208 Betreuungsplätze vor, die Zahl soll sich in den kommenden zwei Jahren auf 1442 erhöhen. Neben dem Schulgebäude im Gewerbegebiet wird im Frühjahr 2017 die Krippe in der Neuen Mitte mit 24 Plätzen eröffnet. Im Herbst 2018 soll das Kinderhaus westlich der Bahn mit 49 weiteren Plätzen folgen; allein dafür belaufen sich die Baukosten auf rund vier Millionen Euro. Im Gegenzug soll die Containeranlage Wichtelburg in der Sesamstraße aufgelöst werden.

53 Mitarbeiter in der Kinderbetreuung

Die Dynamik zeigt sich auch darin, wie viel Personal die Gemeinde in den vergangenen Jahren für die Kinderbetreuung rekrutiert hat. 2012 arbeiteten in diesem Bereich erst 15 Leute, inzwischen sind es 53. Insgesamt beschäftigt die Gemeinde 186 Mitarbeiter, davon 47 im Rathaus.

Einer von ihnen ist Jugendbereichsleiter Max Haberl. Nicht zum ersten Mal hat er das Problem, dass sich der Betreuungsbedarf als höher herausstellt als gedacht. So leicht zu berechnen sei das nicht, sagte er. Denn der Zuzug junger Familien finde nicht nur in neu ausgewiesene Wohngebiete statt, sondern auch in alte Gebiete, die nachverdichtet werden. "Und was bei der Nachverdichtung passiert, ist nicht leicht zu überblicken", sagte Haberl. "Das ist einfach nicht planbar. Wir müssen immer wieder nachjustieren."