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Experten empfehlen weniger Kliniken:Seidenath schimpft über Krankenhaus-Studie

Landtagskandidaten

"Es ist ein Trugschluss, dass weniger Krankenhäuser mehr Qualität mit sich bringen", sagt Seidenath.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Dachauer CSU-Landtagsabgeordnete weist die Forderung, die Zahl der Kliniken zu reduzieren, aufs Schärfste zurück

Der Dachauer CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath hat die aktuelle Krankenhaus-Studie der Bertelsmann Stiftung aufs Schärfste kritisiert. Laut der Untersuchung verfügen kleine Kliniken häufig nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen behandeln zu können. Die Schlussfolgerung der Forscher: Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich vermeiden, wenn die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland von derzeit knapp 1400 auf unter 600 Kliniken reduziert werde.

Seidenath weist das deutlich zurück und spricht von einem "Kahlschlag der medizinischen Infrastruktur" in Deutschland. "Eine wohnortnahe Krankenhausversorgung ist Markenkern unserer medizinischen Versorgung. Es ist ein Trugschluss, dass weniger Krankenhäuser in der Fläche mehr Qualität mit sich bringen. Denn auch Wohnortnähe ist ein Qualitätskriterium gerade für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum", wird Seidenath in einer Pressemitteilung zitiert. Der Sicherstellungsauftrag liege in den Händen der Landkreise und kreisfreien Städte", so Seidenath weiter, der Vorsitzender des Gesundheits- und Pflegeausschusses im Landtag ist. Der Kreisrat stellt auch infrage, inwieweit die Ergebnisse aus der Modellregion Köln/Leverkusen auf ein Flächenland wie Bayern "mit seinen im Winter zum Teil extremen Witterungsverhältnissen" übertragen werden könne.

Laut Seidenath werden im Freistaat an mehr als 400 Krankenhausstandorten rund 77 000 Betten und teilstationäre Plätze betrieben - flächendeckend und wohnortnah. Bayern investiert im Doppelhaushalt 2019/2020 643 Millionen Euro jährlich in seine Krankenhäuser. Der Strukturfonds des Bundes und das bayerische Programm für kleine Krankenhäuser machen die Investitionen abhängig von der Zukunftsfestigkeit des jeweiligen Krankenhauses.

Klar sei die Krankenhauslandschaft in Bayern im Umbruch, so Seidenath. Aufgrund des medizinischen Fortschritts und des demografischen Wandels werde nicht mehr jedes Krankenhaus jede denkbare Leistung anbieten können. Doch die Abstimmung der Leistungsangebote mit anderen Kliniken seien für die Mehrheit der Kliniken über die kommunalen Grenzen hinaus bereits Realität. "Auf diesem Weg werden wir unsere Krankenhauslandschaft zukunftsfähig weiterentwickeln. Das ist sinnvoller als Radikalreformen, deren Folgen nicht absehbar sind."

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