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Europawahl im Landkreis Dachau:Fortschritt und Altbewährtes

Europawahl

Diskussion mit Europakandidat Benedikt Flexeder: Die Junge Union Dachau lauscht seinen Ideen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Europakandidat Benedikt Flexeder ist zu Besuch bei der Jungen Union Dachau. Er spricht über seine Vorstellungen von Europa und von dem, was er ändern will, wenn er gewählt wird. Verbesserungswürdig sei vor allem die Überbürokratisierung der EU.

Benedikt Flexeder will ins Europaparlament. Dafür tut er alles. Seit Wochen ist der CSU-Politiker pausenlos unterwegs: An zahlreichen Stammtischen hat er bereits mit den Bürgern diskutiert. Auch bei Podiumsdiskussionen präsentiert er sich und seine Positionen. Wahlkampf ist eben anstrengend und nervenaufreibend. Seine Chancen, das Ziel zu erreichen, sind indes wohl eher bescheiden. Das weiß er.

Für die Europawahl in wenigen Tagen hat die Landes-CSU Flexeder auf Platz 16 der Europaliste gestellt. Zu weit nach hinten für eine reelle Chance. Selbst bei guten Wahlergebnissen werden voraussichtlich nur sechs bis acht CSU-Abgeordnete aus Oberbayern in das Europaparlament einziehen. Das hatte Florian Hermann, der Bayerische Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, schon im vergangenen Jahr prognostiziert. Doch der 29-Jährige lässt sich davon nicht entmutigen. Am Dienstag hat ihn seine Tour nach Dachau geführt. Der Kreisverband der Jungen Union hatte ihn zum Gespräch eingeladen.

Einladung nach Dachau kurz vor der Europawahl

Benedikt Flexeder ist ebenfalls bei der Jungen Union - der Vorsitzende im Ortsverband Haag/Zolling. Zugleich ist er aber auch Ortsvorsitzender der CSU in Haag. Seinen Standpunkt zu Europa beschreibt der gelernte Elektriker so: "Ich will ein faires, freies und friedliches Europa". Fair solle mit den Ressourcen unserer Erde umgegangen werden, fair soll aber auch der Umgang mit den Mitgliedsstaaten der EU sein. Damit meint er vor allem Länder wie Griechenland, die durch ihre geografische Lage besonders mit dem Außengrenzschutz belastet würden. Flexeder fordert deshalb die Stärkung von Frontex, der Europäischen Grenz- und Küstenwache. "Freiheit braucht Sicherheit", sagt er. Diese könne nur durch einen intakten Schutz der Außengrenzen erlangt werden.

Zu Europa hatte Franz Josef Strauß einmal vor mehr als 30 Jahren gesagt: "Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland, Europa unsere Zukunft". Für Benedikt Flexeder ist das ein veralteter Spruch: "Die Zukunft sind wir, und zwar jetzt", sagt er. Von der europäischen Zukunft ist an diesem Abend häufig die Rede, wie aber sieht diese für den 29-Jährigen aus? "Christlich, sozial und konservativ", sagt er. "Konservativ" ist für ihn ein völlig zu Unrecht negativ konnotierter Begriff. "Wir wollen an der Spitze des Fortschritts stehen, aber nur in gesunder Abwägung dem Altbewährten gegenüber", betont der CSU-Mann und erntet die kollektive Zustimmung seiner Zuhörer.

Die Stadt Dachau hat drei Verwaltungsstellen schaffen müssen, weil das Vergaberecht so kompliziert ist

Einer grundsätzlichen Reform der Europäischen Union stehe Flexeder dabei sehr wohlwollend gegenüber. So möchte er der "aktuell vorherrschenden Überbürokratisierung" innerhalb der EU einen Riegel vorschieben. "Länder wie China lachen über unsere Schwerfälligkeit", sagt der Europakandidat. EU-Beihilferecht, Vergaberecht und andere Verwaltungsrichtlinien: Für Flexeder sind das alles Beispiele für eine Überregulierung seitens der EU, von der vor allem lokale Behörden und Institutionen ein Lied singen könnten. Die Stadt Dachau habe extra drei neue Verwaltungsstellen schaffen müssen, nur weil das Vergaberecht so kompliziert sei, bestätigte Florian Schiller, der Fraktionsvorsitzende der Dachauer CSU-Stadtratsfraktion.

Doch von diesen Problemen bekommt Flexeder bei seinen Wahlkampfveranstaltungen eher selten zu hören. Im Gegenteil. "Die jüngere Generation macht sich zu wenig Gedanken um die Realprobleme der EU", sagt der 29-Jährige. Ältere Menschen hingegen hätten mitunter ein eher pessimistisches Bild, sie könnten sich oft keine Lösungsmöglichkeiten für die existierenden Probleme vorstellen, so Flexeders Eindruck. Insgesamt moniert er eine "relativ oberflächliche Betrachtung der EU" seitens der Bevölkerung. "Gerade haben wir ein Europa des kleinsten gemeinsamen Nenners, das ist auf Dauer nicht zielführend".

Verbesserungspotenzial sieht der CSU-Mann an allen Flanken der Europäischen Union. Ihre Grundidee aber findet er gut und schützenswert. Jetzt möchte er im Wahlkampfendspurt noch einmal "richtig Gas geben", damit "seine" CSU deutlich stärkste Kraft wird. Ganz gleich, ob er selbst nach Brüssel geht, oder nicht.

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