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EU-Richtlinie:Landratsamt rüstet sich für massenhaften Führerschein-Umtausch

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Der Umtausch eines grauen Führerscheins nimmt eine Stunde Zeit in Anspruch. "Das sind die schlimmsten", sagt Landrat Stefan Löwl.

(Foto: Imago Stock&People)

Mehr als 100 000 Landkreisbürger müssen ihre alten Führerscheine abgeben und EU-einheitliche Karten beantragen. Das Landratsamt braucht deshalb mehr Personal.

Es gibt den grauen Lappen, den rosa Lappen und die Scheckkarte. Der Führerschein weist in Deutschland - neben der Kompetenz zum Fahren eines Autos - auch aus, zu welcher Generation der Inhaber gehört. Doch mit dieser Vielfalt soll nun Schluss sein. Die Europäische Union (EU) will die alten Lappen aus dem Verkehr ziehen und bis spätestens Januar 2033 eine einheitliche Fahrerlaubnis für alle Bürger einführen. In Deutschland müssen 43 Millionen Menschen ihren Führerschein umtauschen, im Landkreis Dachau sind mehr als 100 000 Einwohner betroffen.

Im Februar hat der Bundesrat einen Staffelplan zur Erfüllung der EU-Richtlinie beschlossen. Und im Landratsamt, genauer in der Führerscheinstelle, schrillen nun die Alarmglocken. Die Mitarbeiter befürchten einen Massenumtausch. "Wir brauchen dringend mehr Men- beziehungsweise Womanpower", sagt Claudia Stier von der Führerscheinstelle.

Führerscheine sollen fälschungssicherer werden

2006 beschloss die EU, die unterschiedlichen nationalen Regelungen in Europa zu vereinheitlichen. Sie will dadurch die Führerscheine fälschungssicherer machen. Zudem sollen alle Führerscheine in einer Datenbank gesammelt werden, um Missbrauch zu verhindern. Seit 2013 sind alle neu ausgestellten Scheine nur noch für 15 Jahre gültig. Anschließend müssen Inhaber das Dokument neu beantragen, eine erneute Prüfung bleibt ihnen aber erspart. Wer Lkw fährt, muss die entsprechende Fahrerlaubnis alle fünf Jahre erneuern.

Doch das größere Problem sind die vielen Autoführerscheine, welche die Behörden vor 2013 ausgestellt haben und nun bis 2033 umgetauscht werden müssen. Allein deren Zahl schätzt Stier im Landkreis Dachau auf mindestens 90 000. Hinzu kommen die Scheine, die seit 2013 bereits ein Ablaufdatum haben und ab 2028 regelmäßig umgetauscht werden müssen.

Landratsämter bringt der Umtausch in die Bredouille

Die Landratsämter, wo die Führerscheinstellen angesiedelt sind, bringt die Umstellung in die Bredouille. Vor allem die Bearbeitung der rosafarbenen und grauen Lappen ist aufwendig. Laut Landrat Stefan Löwl frisst der Umtausch der Scheckkarte im Durchschnitt 20 Minuten Arbeitszeit, der rosafarbene Schein benötigt 30 bis 40 Minuten. Für die grauen Scheine brauchen die Mitarbeiter eine Stunde. "Das sind die schlimmsten", sagt Löwl. Wie viele rosafarbene und graue Führerscheine derzeit im Umlauf sind, "wissen wir nicht". Deshalb kann das Landratsamt nur schätzen, wie groß der zusätzliche Personalbedarf künftig sein wird. Laut Löwl hat sich der Landkreis München wegen des befürchteten Führerschein-Ansturms um zwölf Mitarbeiter verstärkt. Nun haben auch die Mitglieder des Dachauer Kreisausschusses einstimmig beschlossen, die Führerscheinstelle um drei neue Stellen aufzustocken.

Um den Tausch in geregelte Bahnen zu lenken und damit nicht alle Führerscheinbesitzer gleichzeitig bei den Behörden vorstellig werden, gibt es einen Stufenplan. Dieser sieht vor, dass zunächst alle rosafarbenen und grauen Führerscheine umgetauscht werden, die vor 1998 erstellt wurden. Die Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 müssen bis 2022 ein neues Dokument beantragt haben. Wer zwischen 1959 und 1964 geboren ist, muss den Behördengang bis 2023 erledigt haben. Die Jahrgänge 1965 bis 1970 sind 2024 an der Reihe. Wer 1971 oder später geboren ist, muss seine Fahrerlaubnis bis 2025 erneuern. Wenn die rosafarbenen und grauen Scheine aus dem Verkehr gezogen sind, kommen die alten Scheckkarten dran, die zwischen 1999 und 2013 erstellt wurden. Der Plan ist, dass bis 2028 die meisten Scheine umgetauscht sind. Denn dann laufen schon wieder die Führerscheine ab, die 2013 erst ausgestellt wurden.

Die Spitze der Umtauschzahlen wird 2025 erreicht sein

Die Dachauer Kreisverwaltung rechnet damit, dass jährlich bis 2033 mehrere tausend Dokumente neu beantragt werden müssen. Die Spitze der Umtauschzahlen wird 2025 erreicht sein. Allein in diesem Jahr müssen rund 14 800 Scheine neu ausgestellt werden. Die große Sorge ist, dass alle Inhaber ihre Scheine auf den letzten Drücker umtauschen wollen und dadurch extrem lange Wartezeiten im Landratsamt entstehen. Fraglich ist auch, ob der Gesetzgeber in den kommenden Jahren noch einmal aktiv wird, um so mehr Menschen zum Tausch zu bewegen. Denn derzeit muss nur zehn Euro Bußgeld bezahlen, wer einen abgelaufenen Schein besitzt. Insofern ist die Strafe momentan noch billiger als der Umtausch. Die Gebühr beträgt je nach Art des Führerscheins 20 bis 24 Euro. Es bleiben also viele Unwägbarkeiten. Klar ist, dass das Personal in der Führerscheinstelle nicht ausreichet. Deshalb sollen das Team um Claudia Stier bald Verstärkung bekommen. Ob in den Jahren, in denen besonders viel Umtausch erwartet wird, noch mehr Stellen erforderlich werden, ist laut Löwl noch nicht absehbar.

Wie es im Kreisblick, dem Magazin des Landkreises Dachau, heißt, empfiehlt die Verkehrsbehörde, den Führerschein jeweils ein halbes Jahr vor Fristablauf zu beantragen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Das notwendige Formular kann man bereits zu Hause ausfüllen. Von Mitte 2020 an soll es ein entsprechendes Online-Verfahren geben.

Mehr Informationen finden Interessierte unter www.landratsamt-dachau.de/fuehrerschein-umtausch.

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