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Erste Ultraschnell-Ladestation in Bergkirchen:Kurzstopp an der Steckdose

Siegfried Ketterl, Luc Doerwald, Stefan Löwl, Simon Landmann, Lisa Artmaier und Bernhard Seidenath an der Schnellladestation.

(Foto: Toni Heigl)

In Bergkirchen wird die erste Ultraschnell-Ladestation im Landkreis eingeweiht. Sie soll die Elektromobilität auch in ländlichen Gebieten attraktiv machen, wo die Leute weitere Wege haben und öfter aufladen müssen

Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, kann ab sofort in Bergkirchen komfortabel und vor allem schnell Strom tanken. Denn auf dem Mitfahrerparkplatz im Gewerbegebiet Gada nahe von Bundesstraße 471 und Autobahn A 8 gibt es jetzt eine Ultraschnell-Ladestation mit fünf Stromzapfsäulen. "Volltanken" lassen sich batteriebetriebene Fahrzeuge in zehn bis zwanzig Minuten. "Ein Beitrag zum Klimaschutz", sagte Bürgermeister Simon Landmann (CSU) beim offiziellen Startschuss des Projekts. Nur mit den passenden Angeboten und Möglichkeiten könne die Mobilitätswende gelingen, betonte der Landkreisabgeordnete Bernhard Seidenath (CSU). Einem Praxistest wurde die Ladestation gleich von Landrat Stefan Löwl (CSU) unterzogen, der die Batterie seines Hybrid-Dienstwagen während des Pressetermins betankte.

Die verkehrstechnisch ideal gelegene Station in Bergkirchen werde hoffentlich nicht die einzige im Landkreis bleiben, sagte Löwl. Ähnliche Stromtankstellen seien auch anderswo wie etwa in Breitenau denkbar. "Denn die Energiewende braucht viele kleine Schritte." Bürgermeister Landmann denkt bereits über Car-Sharing-Stationen in neuen Baugebieten und ein bis zwei Ladestationen an zentralen Punkten der Gemeinde nach. Mit dieser Infrastruktur, so Landmann, solle der Zweitwagen künftig nicht mehr notwendig sein, den heute noch viele Familien auf dem Land für ihre individuelle Mobilität benötigen.

Wenn Autofahrer nun in Bergkirchen eine moderne Schnellladestation vorfinden, ist dies auch einem Missverständnis in der Vergangenheit geschuldet. Denn schon als 2012 der Mitfahrerparkplatz mit seinen 100 Stellplätzen eingeweiht wurde, finanziert vom Bundesverkehrsministerium als Modell für ganz Deutschland und geplant vom ADAC, gab es dort eine E-Ladesäule, betrieben vom Energiekonzern Eon. Allerdings war ein Abrechnungssystem für Kunden damals noch nicht integriert, die Autofahrer konnten kostenlos tanken. Und während die Gemeinde davon ausging, dass der Betreiber den Strom zahlen würde, flatterte 2016 im Rathaus eine Rechnung über 30 000 Euro herein. Auch wenn Bergkirchen aufgeschlossen ist für klimafreundliche Infrastruktur, "wollen wir nicht für Gott und die Welt den Strom bezahlen", sagt Bürgermeister Landmann.

Die Ladesäule wurde also deaktiviert, als Ersatz eine moderne Station geplant. Ein Vorhaben, das sich dann länger hinzog als gedacht, wie Landmann erklärte. Verhandlungen mit den Bayernwerken, den Stadtwerken Dachau und Fürstenfeldbruck seien geführt worden. Installiert und betrieben werden die neuen Säulen nun von Allego. Das niederländische Unternehmen bestückt gerade im Rahmen des Projekts Ultra-E eine von den Niederlanden durch Belgien und Deutschland bis zur österreichischen Grenze führende Strecke im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Programms Connection Europe Facility.

Eine Station steht nun in Bergkirchen mit vier sogenannten High-Power-Charging-Säulen mit einer Leistung von bis zu 175 Kilowatt. Ist der Bedarf eines E-Autos noch höher, schaltet sich die benachbarte Säule zu, so dass maximal 350 Kilowatt erreicht werden. Eine weitere Multi-Standard-Säule mit 50 Kilowatt ist mit drei unterschiedlichen Ladekabeln ausgestattet für alle derzeit gängigen E-Mobile. "Alle Fahrzeuge können somit diskriminierungsfrei laden", sagt Luc Doerwald von Allego. Um die Leistung der E-Tankstelle abzusichern, wurde eine eigene Trafostation errichtet, die Ladekabel werden gekühlt wegen der hohen Stromstärken, die fließen, und ergänzend ist noch ein Batteriespeicher geplant, der Leistungsspitzen abfangen wird. Mit den fünf Ladesäulen, an denen bis zu sechs Fahrzeuge gleichzeitig Strom laden können, lässt sich die Ultraschnell-Ladestation schon fast mit den üblichen Tankstellen für Benzin- oder Dieselfahrzeuge vergleichen. Denn an den HPC-Säulen können auch große Fahrzeuge relativ schnell "volltanken", 100 Kilometer Reichweite sind in fünf Minuten aufgeladen. Auch für eine weitere Krux der E-Mobilität, nämlich die Vielfalt der nur eingeschränkt nutzbaren Ladekarten gibt es eine Lösung: Allego akzeptiere "die gängigen Ladekarten und Apps", so Doerwald.

Die leistungsfähige Infrastruktur für Elektromobilität, wie sie üblicherweise an Rasthöfen oder Autobahntankstellen mit hohem Verkehrsaufkommen vorzufinden ist, passt durchaus nach Bergkirchen. Denn die bis 2016 aktive Ladesäule war intensiv genutzt, wie Bürgermeister Landmann berichtet. Und die Nachfrage wird weiter steigen, da immer mehr Autofahrer auf ein E-Fahrzeug umsteigen. Gleichzeitig wird der Mitfahrerparkplatz, der aktuell ständig voll belegt ist, demnächst auf 260 Stellplätze erweitert.