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Ersatz für Zeitzeugengespräch:Streaming-Konzert zum Gedenktag

Die Musik ist inmitten des Terrors im Konzentrationslager entstanden

Das jährliche Zeitzeugengespräch anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar kann aufgrund des allgemeinen Veranstaltungsverbots leider nicht stattfinden. Dabei hatte der Münchner Holocaust-Überlebende Georg Heller bereits zugesagt. Entfallen wird das Gedenken dennoch nicht. Die Stadt Dachau zeigt nun als digitalen Beitrag zum Jahrestag das Konzert "Lunga Vita alla Vita" (Es lebe das Leben) von Francesco Lotoro.

Das Streaming-Konzert wurde von der italienischen Stiftung Istituto di Letteratura Musicale Concentrazionaria (ILCM) und der Produktionsfirma Intergea für den Gedenktag 27. Januar produziert. Es wird sowohl im italienischen Fernsehen als auch international erstmals ausgestrahlt. Zehn italienische Sänger und Sängerinnen, sowie Musiker und Musikerinnen sind daran beteiligt. Das Konzert ist Zeugnis eines musikalischen Erbes, das inmitten des Terrors und der Gewalt der Konzentrationslager entstanden ist. Es erweckt Musik wieder zum Leben, die von inhaftierten Musikern und Komponisten unter den Bedingungen der Konzentrationslager geschrieben wurde. Diese Musiker - manche sind namentlich bekannt, andere blieben anonym - zeichneten sich nicht nur durch Begabung aus, sondern auch durch ihren unermesslichen Glauben an die Menschheit.

Der italienische Dirigent, Pianist und Musikwissenschaftler Francesco Lotoro hat diesen künstlerischen und menschlichen Schatz in den vergangenen 33 Jahren ans Licht gebracht, indem er mehr als 8000 in Konzentrationslagern komponierte Partituren gefunden und gesammelt hat. Seine Mission sieht er darin, die gesammelte Musik der Welt zugänglich zu machen und damit den Musikern und Komponisten nachträglich die Stimme zu geben, die durch den Terror der Konzentrationslager zum Schweigen gebracht werden sollte. "Es lebe das Leben" ist der Titel eines Stücks, das der Komiker, Dirigent, Dichter, Schriftsteller und Schauspieler Karel Svenk in Theresienstadt geschrieben hat. Svenk starb während der Evakuierungsphase des Lagers Meuselvitz im April 1945 auf dem Rückweg nach Prag in einer Scheune. Der Konzert-Stream ist von Mittwoch, 27. Januar, an über die städtische Webseite www.dachau.de und den städtischen YouTube-Kanal verfügbar.

© SZ vom 25.01.2021 / SZ
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