Erinnern trotz CoronaGedächtnisblätter digital präsentiert

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Ehrenamtliche gedenken der Opfer des KZ Dachau

Von Veronika Forche, Dachau

Die neuen Seiten des Gedächtnisbuchs für Häftlinge des KZ Dachau werden an diesem Montag, 22. März, digital in einem Video auf dem YouTube-Kanal der Evangelischen Versöhnungskirche Dachau präsentiert. Es ist ein besonderer Tag, denn das Konzentrationslager Dachau wurde genau vor 88 Jahren errichtet. Gegen Mittag brachte man am 22. März 1933 die ersten Gefangenen dorthin. Um daran zu erinnern, stellen Ehrenamtliche seit 21 Jahren jedes Jahr am 22. März Biographien von ehemaligen KZ-Häftlingen vor und nehmen diese feierlich in das Gedächtnisbuch auf.

Aufgrund der aktuellen Situation präsentiert der Trägerkreis Gedächtnisbuch die neuen Beiträge unter dem bekannten Motto "Namen statt Nummern" dieses Jahr online. Der Münchner Dokumentarfilmer Julian Monatzeder drehte hierfür einen Film mit den Beiträgen über zehn ehemalige Häftlinge. "Wir haben den diesjährigen Mangel in eine Chance umgewandelt und ich bin sehr zufrieden mit der Umsetzung. Das Schöne ist, dass wir die Botschaften dialogisch in Filmen einfangen konnten. Es gefällt mir wirklich sehr gut", erzählt die Projektleiterin Sabine Gerhardus. Am Film beteiligten sich auch zwei Zeitzeugen mit einer Videobotschaft: Peter Perel und Erich Finsches. Ihre Biographien sollten ursprüngliche schon zum Jahrestag 2020 vorgestellt werden, die Präsentation musste jedoch aufgrund der Pandemie ausfallen. "Wir hätten uns nie vorstellen können, einmal keine jährliche Präsentation veranstalten zu können", sagt Gerhardus. Umso froher sei sie nun über die digitalen Beiträge: "Ich denke auch, dass wir jetzt mehr Leute erreichen, die sonst nicht hätten kommen können."

Die Idee eines gänzlichen Filmprojekts oder zukünftiger Kurzfilme scheitert wohl an den Finanzen, denn die Sparpläne der Versöhnungskirche treffen auch das Gedächtnisbuch. "Es bleibt nach wie vor unsicher. Wir würden sehr gerne einige Möglichkeiten, die wir jetzt haben, auch in Zukunft in Präsenz fortführen, aber dafür werden natürlich zusätzliche Gelder gebraucht. Ohne die großzügige Förderung des Landkreises hätten wir die diesjährige digitale Präsentation nicht geschafft", erklärt die Projektleiterin. Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums Dachau, ASF-Freiwillige und andere ehrenamtliche Projektteilnehmer stellen ihre Gedächtnisblätter über Hermann Enzmann, Arthur Berlinger, Nikolaj Adamtschik, Wladimir Dschelali, Peter Parel, Otto und Theodor Endres, Erich Finsches, Walter Neff und Leo Baerwald vor.

Anstelle einer Feier mit den Gästen finde nun ein Gedenkritus statt. Dabei werden Kerzen oder Blumen gemeinsam mit dem Gedächtnisblatt übergeben. Außerdem halten die Schüler die Beiträge an verschiedenen Außenbereichen, die einen symbolischen Zusammenhang mit den jeweiligen Häftlinge darstellen. Bei Wladimir Dschelali ist dies beispielsweise geknüpft an die Zwangsarbeit in der Schreinerei. "Durch die zusätzliche Verortung der Biographien können wir etwas einbringen, was sonst nicht sichtbar wird. Das ist schon ein Vorteil". Die musikalische Begleitung übernimmt ein Streichquartett des Ignaz-Taschner-Gymnasiums Dachau. Gerhardus ist überzeugt von der Digitalpräsentation, die von Montagnachmittag an für längere Zeit auf YouTube freigeschaltet sein wird. Sie sagt: "Der diesjährige Filmbeitrag ist neu und anders, aber dennoch super geworden".

© SZ vom 22.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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