Mehr als 25 Jahre lang hat Pfarrer Josef Mayer am Petersberg in Erdweg gearbeitet und gewirkt. In der Basilika begleitete er Menschen durch die verschiedenen Phasen ihres Lebens: durch Aufbrüche und Abschiede, durch Krisen und Glücksmomente. Zum Abschied wird er nachdenklich und ein wenig nostalgisch. Und doch ist er überzeugt: Damit ein Ort und seine geistlich wertvolle Arbeit weiter bestehen können, muss man im richtigen Moment weiterziehen. Allzu weit trägt ihn dieser Schritt allerdings nicht: Im Mai übernimmt der 65-Jährige die Leitung des Pfarrverbands Odelzhausen und bleibt dem Landkreis Dachau damit künftig erhalten.
SZ: Herr Pfarrer Mayer, für Sie birgt das Jahr 2026 eine besonders große Veränderung. Nach mehr als einem Vierteljahrhundert verlassen Sie den Petersberg, ihr Amt als Geistlicher Direktor der Landvolkshochschule und ihren Lebensmittelpunkt. Wie fühlt sich dieser Aufbruch an?
Josef Mayer: Diese Entscheidung war ein langer Prozess und ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Es fällt mir leicht loszulassen. Aber mir ist auch klar, dass es für mich jetzt die richtige Zeit ist weiterzuziehen. Ich habe während meiner Tätigkeit hier am Petersberg viele Hofübergaben begleitet. In diesen Situationen habe ich den Landwirten und Bäuerinnen immer geraten: „Du musst dich jetzt rausnehmen, sonst geht der Hof drauf.“ Und genauso ist es nun für mich. Wenn man will, dass etwas weitergeht und fortgeführt wird, muss man bereit sein, im richtigen Moment zu übergeben. Zu wissen, dass dieser Ort in guten Händen ist und Domvikar Thomas Belitzer hier ab September 2026 wirken wird, gibt mir ein gutes Gefühl. Denn es braucht für eine neue Zeit auch neue Lösungen. Es ist gut, dass junge Menschen Ämter füllen und ihre Ideen und Denkansätze einbringen. Wir Älteren haben nicht für alles die absolut richtige Lösung.
Sie kamen als 40-Jähriger zum Petersberg, heute sind sie 65. Wie hat sich dieser Ort in Ihren Augen verändert?
Dieser geistliche Ort ist in den vergangenen Jahrzehnten viel sichtbarer geworden im Landkreis Dachau aber auch darüber hinaus. Er ist zu einem geistlichen Zentrum geworden. Als ich im September 2000 eingezogen bin, war der Petersberg vor allem im Landkreis noch nicht so bekannt. Gemeinsam mit den Referenten haben wir Vernetzungspunkte geschaffen: Tag der Regionen, Familientage, Frauenwochenenden, große Seminare, gemeinsame Projekte mit der Caritas und dem Dachauer Forum. Und allmählich konnten die Menschen mehr mit dem Ort und seiner Wirkung anfangen und kamen wegen dieser Angebote zu uns. Ich hatte das große Glück, ein tolles Team an meiner Seite zu haben. Ohne diese Menschen wären all die Projekte nicht möglich gewesen.
Und persönlich, wie hat sich Ihr Leben an diesem geistlichen Ort über die Jahre hinweg verändert?
Ich bin ein noch innerlicherer, geistlicherer, aber auch ein politischerer Mensch geworden. Meine eigene Spiritualität wurde noch tiefgründiger und menschennäher. Schließlich hat sich auch meine heutige Sicht auf das Zusammenwirken aller Religionen und christlichen Kirchen entwickelt: Es ist unbedingt notwendig, dass sie sich gemeinsam dafür einsetzen, dass alle Menschen ein glückendes Leben führen und das „gemeinsame Haus Erde“, wie es Papst Franziskus nennt, eine gute Zukunft hat.
Wie hat Ihr persönlicher Lebensweg Ihr Wirken hier geprägt?
Sehr stark. Für mich selbst war die Zeit in der Katholischen Landjugendbewegung sehr prägend. Mit 17 Jahren bin ich in die Rolle des Ortsvorsitzenden hineingerutscht. An dieser Aufgabe bin ich sehr gewachsen. Als ich dann viele Jahre später zum Petersberg kam, habe ich mehrere Ideen aus der Jugendarbeit mitgebracht. Mit einem Ehepaar und zwei Ordensschwestern arbeitete ich an einem Kurs für junge Menschen, der diese konstant ein ganzes Jahr über begleiten soll. Mit unserem Jahreskurs „Einfach leben“ ist uns dieses Vorhaben gelungen. Wir helfen dabei, die Persönlichkeit zu bilden. Das Vertrauen, das im Laufe eines Jahres in der Kursgruppe gewachsen ist, trägt die Menschen ein Leben lang. Je mehr man über sich selbst weiß, desto besser kann man die Herausforderungen des Lebens bewältigen. Für mich ist dieses Konzept die Kirche der Zukunft und ich bin sehr glücklich darüber, dass die Persönlichkeitsarbeit hier am Petersberg einen so guten Platz gefunden hat. Deswegen habe ich vermutlich auch so gut an diesen Ort gepasst.

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Sie sagen: Wenn der Einzelne gestärkt wird, entsteht ein gutes Wir? Das klingt so einfach. Ist es das auch?
Ja, genauso ist es. Je näher man an das herankommt, was den Einzelnen umtreibt, umso eher kann man gute Lösungen für die Gemeinschaft finden. Unsere Welt und unsere Gesellschaft brauchen Menschen, die bei sich und ihrem inneren Kern sind. Allerdings sind die meisten Menschen davon leider weit entfernt. Vor allem für die junge Generation ist die Überflutung durch soziale Medien destruktiv im höchsten Maße. Es entsteht viel zu wenig echter Kontakt. Es fehlt an tiefgehender Resonanz. Das ist meiner Meinung nach auch ein Nährboden für den Zulauf zu Parteien wie der AfD. Denn wenn Menschen nicht bei sich sind, entsteht oft außerordentlicher Schmarrn.
Wie gelingt es Ihnen, Menschen zu motivieren, den Glauben grundsätzlich und an die Zukunft nicht zu verlieren?
Man kann sich immens darüber ärgern, was aktuell geschieht und sich vom Negativen erdrücken lassen. Aber mein Ansatz ist ein anderer: Dort, wo ich bin, mache ich mit dem, was ich habe, das, was ich tun kann. Und ich stelle immer wieder fest: Es geht eigentlich immer was. Wenn ich am Stammtisch vorbeikomme, sage ich zu den schimpfenden und klagenden Menschen: „Warum beschäftigt ihr euch mit Bundespolitik? Viele von euch sitzen doch im Gemeinderat, macht es dort gescheit.“ Wir müssen uns bewusst sein: Dort, wo wir sind, können wir auch gestalten. Dann entsteht etwas Gutes. Denn die Angst birgt in sich niemals die Heilung, das Vertrauen, besonders das Gottvertrauen ist es, was uns heilt und heiligt.

