Erdweg:Linus kämpft ums Überleben

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Rettungskräfte fangen ein sehr geschwächtes Känguru bei Kleinberghofen (Landkreis Dachau, nicht Australien).

Von Christine Heumann

känguru

Wo das Känguru herkommt, ist bisher noch nicht bekannt.

(Foto: privat)

Donnerstagabend in der Polizeiinspektion Dachau. Die diensthabenden Beamten trauen ihren Ohren kaum. Ein Anrufer meldet um 20.15 Uhr ein freilaufendes Känguru nahe Kleinberghofen. Sie denken zunächst an einen Scherz. Doch es ist Ernst. "Vor Ort ein echtes Känguru gesichtet, eingefangen und in die Obhut einer Fachfrau gegeben", schreiben die Polizisten später in ihren Bericht. "Besitzer unbekannt."

Mit zwei Streifenwagen haben sich die Beamten auf den Weg in die Gemeinde Erdweg gemacht. Und zur Verstärkung auch die ortsansässige Feuerwehr und den Dachauer Tierschutzverein verständigt. "Da läuft dann der ganz normale Apparat an", sagt Polizeisprecher Ernst Ziegenheim. Und weil sich das männliche Rotnackenwallab y in eine Senke unmittelbar neben den Gleisen der Linie A geflüchtet hatte, wurde auch die Einsatzzentrale der Bahn verständigt. "Die Züge fahren dann auf Sicht", sagt Ziegenheim. Was heißt, dass sie die Gefahrenstelle ganz langsam passieren.

Als Silvia Gruber, die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins, mit ihren vier freiwilligen Helfern und einem Tierarzt in Kleinberghofen eintrifft, haben knapp 20 Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei den Fundort schon strategisch eingekreist und gesichert. Zwei Feuerwehrler knien bei dem verängstigten Tier, halten es fest und schützten seine Augen mit einer Decke vor Licht. "Das haben die ganz toll gemacht", lobt Gruber. Der Tierarzt untersucht das geschwächte Känguru, verabreicht eine Infusion und behandelt die wegen einer abgerissenen Kralle total entzündete Pfote mit einem Antibiotikum.

"Der kleine Bube war in ganz schlechtem Zustand", sagt Gruber. "Abgemagert und total dehydriert." Die Tierretter taufen ihn Linus. "Weil er so wie der Linus von den Peanuts an seiner Decke genuckelt hat." Später übergibt Gruber das Tier "einer Fachfrau, die im Landkreis lebt, sich mit Kängurus auskennt, aber anonym bleiben möchte". Woher sie von dieser Frau wusste? Ganz einfach. Silvia Gruber hatte recherchiert. Denn schon am Montag war sie aus Altomünster angerufen worden. "Eine Frau sagte mir, dass sie gerade ein Känguru davonhüpfen sah. Sie versicherte mir auch, Herr ihrer Sinne zu sein." Daraufhin erkundigte sich Gruber beim Veterinäramt und erfuhr von dieser Fachfrau.

Linus' Zustand ist nach wie vor kritisch. Seine Pflegerin glaubt, dass er schon längere Zeit unterwegs gewesen sein muss, weil er so stark dehydriert ist. "Die erste Nacht hat er aber überstanden", berichtet Gruber. "Er hat schon ein bisschen gefressen und ist sogar ein bisschen in seinem Stall rumgehopst. Das ist doch eine gute Nachricht." Und die dürfte alle Beteiligten freuen. Denn Tierschützer, Tierarzt, Feuerwehrkräfte und Polizisten nehmen großen Anteil an Linus' Schicksal. Keiner von ihnen hatte bisher mit einem Känguru zu tun. Silvia Gruber sagt: "Für uns alle war es das erste Mal."

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